Beschäftigte der Möbelhauskette Ikea stehen mit einem Stoffelch und einem Transparent bei einem Streik vor dem Ikea-Expopark. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Ver.di Niedersachsen ruft zu Warnstreiks im Einzelhandel auf

Stand: 25.06.2021 20:47 Uhr

Um Druck auf die Arbeitgeber aufzubauen, hatte die Gewerkschaft ver.di für heute in Niedersachsen zu Warnstreiks im Einzelhandel aufgerufen - unter anderem in Hannover, Braunschweig und Oldenburg.

Aktionen gab es in ganz unterschiedlichen Bereichen des Einzelhandels: Am Morgen vor Penny-Supermärkten in Hameln und Hessisch-Oldendorf, bei H&M in Lüneburg und in Hannover bei Primark und Ikea. Im Einzelhandel seien die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter immer von Altersarmut bedroht, sagte Gewerkschaftssekretär Sebastian Triebel am Freitag. Teilweise sei Armut aber auch schon ein Problem, während sie noch arbeiteten. Besonders nach der Corona-Pandemie sei jetzt ein Zeichen wichtig, dass die Beschäftigten wertgeschätzt werden. In Supermärkten hätten sie in der Pandemie-Hochphase unter schwierigen Umständen gearbeitet, so Triebel - immer mit dem Risiko, sich anzustecken. Nur 20 Prozent der Unternehmen im Einzelhandel seien aber überhaupt an Tarife gebunden - aus Sicht von ver.di viel zu wenige.

Ver.di verlangt 4,5 Prozent plus 45 Euro mehr Gehalt

Im Zentrum Hannovers versammelten sich am Vormittag nach Einschätzung Triebels rund 180 Beschäftigte zu einer Kundgebung am Kröpcke. Landesweit waren es laut ver.di zunächst gut 500. Die Auswirkungen auf die Kunden sollten dabei möglichst gering sein - komplette Schließungen von Geschäften habe es nicht gegeben. Auch an vielen anderen Orten sollten Verkäuferinnen und Verkäufe ihre Arbeit niederlegen - etwa in Walsrode, Celle sowie in Braunschweig und Oldenburg. Neben Hannover seien Warnstreiks in Bremen und Osnabrück die Schwerpunkte. Die Gewerkschaft fordert in den laufenden Tarifgesprächen monatlich 4,5 Prozent plus 45 Euro mehr Gehalt für die Beschäftigten und eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 100 Euro monatlich.

Nächste Tarifgespräche am 30. Juni oder 1. Juli

Die zweite Verhandlungsrunde für die rund 330.000 Beschäftigten im niedersächsischen und rund 46.000 Beschäftigten im bremischen Einzelhandel war am 10. Juni in Hannover ergebnislos vertagt worden. Ver.di verweist auf Einbußen der Arbeitnehmer durch Kurzarbeit während der Pandemie, während der Einzelhandel gleichzeitig mehr als 300 Millionen Euro staatliche Hilfen erhalten habe. "Trotz eines Umsatzrekords von 6,8 Prozent, den die Beschäftigten unter schwierigsten Bedingungen erwirtschaftet haben, bieten die Arbeitgeber für 2021 eine Entgelterhöhung von nicht mal ein Prozent an", sagte Sabine Gatz, ver.di-Verhandlungsführerin in Niedersachsen-Bremen. "Das ist eine Frechheit und null Prozent Wertschätzung."

Die Verhandlungen werden nach Gewerkschaftsangaben am 30. Juni oder am 1. Juli fortgesetzt.

Weitere Informationen
Passanten sind in der Innenstadt Hannovers zu sehen. © picture-alliance Foto: Moritz Frankenberg

Millionen-Zuschüsse: Niedersachsen hilft Innenstädten

Das Geld stammt aus den EU-Corona-Hilfen. Kommunen ab 10.000 Einwohnern können Anträge beim Europaministerium stellen. (16.06.2021) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.06.2021 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Ein Mädchen mit bunter OP-Schutzmaske bekommt eine Spritze in den Oberarm ©  Picture Alliance / Laci Perenyi | Laci Perenyi Foto: Laci Perenyi | Laci Perenyi

Länder beschließen Impf-Maßnahmen für Junge und Alte

Die Immunisierung für Kinder und Jugendliche kommt bundesweit. Hochbetagte sollen im Herbst dritte Impfung erhalten. mehr