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Verbot von Einwegplastik öffnet Markt für Alternativen

Stand: 19.04.2021 21:22 Uhr

Wir ersaufen in Plastik und das im wahrsten Sinne des Wortes. Eine neue EU-Regelung verbietet Einwegplastik - das eröffnet neue Möglichkeiten. Auch in Niedersachsen.

To-go-Verpackungen aus Styropor verschwinden. Produkte aus Einwegplastik, für die es gute Alternativen gibt, dürfen ab 3. Juli 2021 EU-weit nicht mehr verkauft werden. Das betrifft zum Beispiel Strohhalme, Wattestäbchen, Kaffeebecher, Rührstäbchen, Besteck oder Teller und Schalen. Unter anderem in Bremerhaven wird bereits nach Alternativen gesucht.

"Bismarck-Hering" aus der Algenpackung

Seit Februar 2020 arbeitet die Schnellrestaurantkette Nordsee gemeinsam mit der Hochschule Bremerhaven an einem Modellprojekt. Die Fischbrötchen und der Salat in den Filialen soll künftig in essbaren Verpackungen aus Algen serviert werden. Bei einer Konsumentenbefragung seien die ersten Ergebnisse zu 80 bis 90 Prozent positiv bewertet worden, so Ramona Bosse, wissenschaftliche Mitarbeiterin an der Hochschule.

Bald Massephase in Bremerhaven?

Die Macher des Projektes konzentrieren sich mittlerweile auf eine mögliche Massenproduktion. "Wir versuchen herauszufinden, wie wir wirtschaftlich große Mengen herstellen können", sagte Bosse NDR.de. Industrielle Partner seien gefunden - auch Verpackungsunternehmen seien mit an Bord.

Geplanter Start Anfang 2022 - dann kam Corona

Bis Ende 2023 läuft das Projekt noch, das vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert wird. Ein Termin für eine Markteinführung steht derzeit noch nicht fest. Eingangs hatte Nordsee mit einem regionalen Start für das erste Quartal 2022 geplant, doch die Corona-Pandemie sorgte für Verzögerungen, sagte Dietmar Hoffmann, Abteilungsleiter für Qualitäts- und Nachhaltigkeitsmanagement des Unternehmens.

Besteck zum Essen - im Sinne des Wortes

Etwas weiter südlich, in Göttingen, produzieren zwei Jungunternehmer essbares Besteck. Die Idee kam Hemant Chawla in seinem Heimatland Indien im Jahr 2017. Bei einem Festival bestellte der 25-Jährige ein Reisgericht, aber der Stand hatte keine Löffel mehr. Stattdessen reichte ihm der Verkäufer Brot. Die Idee, Besteck aus Brotteig herzustellen, war geboren.

Abnehmer: Supermärkte, Hotels und Gefängnisse

Juliane Schöning und Hemant Chawla, Gründer des Göttinger Start-Up-Unternehmens "Kulero", zeigen essbare Löffel. © Picture Alliance Foto: Swen Pförtner
Juliane Schöning und Hemant Chawla vom Göttinger Start-Up-Unternehmen "Kulero" haben essbare Löffel entwickelt.

Seit 2019 vertreibt Chawla mit seiner Geschäftspartnerin Juliane Schöning essbare Löffel, Schüsseln, Strohhalme und Teller. Die Nachfrage steigt, wie Schöning sagt. "Wir merken das schon seit etwa einem Jahr. Viele sind umgestiegen - vor allem Eisdielen", sagt die 27-Jährige. Kulero heißt ihre Firma - das bedeutet "Löffel" in der Weltsprache Esperanto.

Abnehmer aus ganz Deutschland

Produziert wird in Westindien und bei einem Kekshersteller in Baden-Württemberg. Abnehmer kommen aus ganz Deutschland und nicht nur in den Großstädten. Supermärkte, aber auch Hotels, Restaurants, Gefängnisse und Psychiatrien. In den beiden letztgenannten geht es auch um einen Sicherheitsaspekt: Mit Besteck aus Brot kann niemand verletzt werden.

Eine Scheckkarte pro Woche

Bis zu fünf Gramm Mikroplastik nehmen Menschen nach Angaben australischer Forscher pro Woche zu sich. Das entspricht etwa dem Gewicht einer Kreditkarte. Einwegplastik landet oft in Parks, an Uferböschungen oder am Strand. Dort zerbröselt es mit der Zeit. Die Mikropartikel werden vom Wind fortgetragen, vom Regen in Flüsse, Seen und Meere gespült, wo sie von Vögeln und Fischen gefressen werden. Der Kreislauf beginnt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.04.2021 | 09:00 Uhr

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