Verbände wollen 50 Millionen Euro für Luftfilter in Schulen

Stand: 07.07.2021 20:13 Uhr

Die Debatte um Luftfilter und Lüfter in Schulen hält weiter an. Kommunale Spitzenverbände fordern jetzt deutlich mehr Zeit und Geld für die Umrüstung, als das Land in Aussicht gestellt hat.

20 Millionen Euro Fördergeld für mobile Luftfilteranlagen? Es sei absehbar, dass dies nicht ausreichen wird, teilte der Hauptgeschäftsführer des Niedersächsischen Städtetages, Jan Arning, am Mittwoch mit. Das am Dienstag vorgestellte Programm müsse auf 50 Millionen Euro aufgestockt werden, forderte Arning. "Das Land muss hier seiner Verpflichtung gegenüber den Schulpflichtigen und dem Schulpersonal umfassend nachkommen." Gleichzeitig kritisierte Arning die aus seiner Sicht unrealistische Zeitplanung der Landesregierung. Ein flächendeckender Einbau von Filteranlagen sei bis zum Ferienende nicht zu schaffen. "Das wird Zeit brauchen."

Kritik auch von anderen Verbänden

Unterstützung bekam Arning von Marco Trips, dem Präsidenten des niedersächsischen Städte- und Gemeindebundes. Er glaube nicht, dass sich das Programm kurzfristig umsetzen lasse. "Den Kommunen fehlen schlicht Betriebe und Fachkräfte, die die neuen technischen Anlagen schnell einbauen könnten", sagte Trips. Torsten Neumann vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte nennt das Angebot des Landes einen Tropfen auf den heißen Stein. Die Lehrergewerkschaft GEW begrüßt den Schritt der Landesregierung, forderte aber gleichzeitig eine Förderung von Filteranlagen für alle Schuljahrgänge.

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Tonne sieht Widersprüche in der Kritik

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) wies die Kritik von Arning und Trips zurück: "Auf der einen Seite zu sagen, sie brauchen mehr Geld, auf der anderen Seite zu sagen, es sind gar nicht die Leute da, die es umsetzen, das ist ein Widerspruch in sich." Er werbe weiter dafür, das Angebot der Landesregierung anzunehmen. Die Regierungskoalition hatte angekündigt, die Schulträger zusätzlich zu der bisherigen Förderung mit 20 Millionen Euro beim Einbau von Luftfilteranlagen für Räume der Schuljahrgänge 1 bis 6 unterstützen zu wollen, weil diese Kinder kaum geimpft seien. Rechnerisch soll das Geld laut Kultusministerium für alle 25.000 Klassenzimmer dieser Jahrgänge reichen.

Braunschweig testet die Anlagen bereits

In Braunschweig testet die Stadt bereits an zwei Schulen solche Filteranlagen, wie der NDR in Niedersachsen berichtet. Eine davon ist die Realschule Georg-Eckert-Straße. Schulleiter Matthias Fricke ist von der technischen Unterstützung begeistert: "Was Schöneres kann man sich doch gar nicht vorstellen. Also ich merke es nicht nur an der Luft, sondern auch an der Zufriedenheit der Lehrkräfte, weil sie sich einfach geschützter fühlen." Matthias Schröder, Leiter des Lessing-Gymnasiums in Braunschweig, kann es dagegen nicht nachvollziehen, dass das Land bis Ende Juni noch einige Geräte als gefährlich eingestuft und nur auf das Lüften gesetzt habe. Nur eine Woche später gebe das Land Millionen für genau diese Luftfilter aus. Schröder hält den Einbau von Filteranlagen im Herbst oder Winter zudem für viel zu spät.

Wolfsburgs OB plädiert fürs Lüften

Für Wolfsburgs Oberbürgermeister Klaus Mohrs (SPD) sind Lüftungsanlagen gut, besser sei aber Lüften: "Meine Sorge ist, dass die Lüftungsanlagen eine Scheinsicherheit vorspiegeln und dann auf das Lüften verzichtet wird, obwohl das die deutlich bessere Lösung ist", sagte Mohrs dem NDR in Niedersachsen.

Hannover: Keine Entscheidung vor der Sommerpause

Auch in Hannover reagiert die Politik zurückhaltend. Man berechne derzeit, wie viele Klassen theoretisch ausgestattet werden müssten und wie teuer das würde, sagte eine Sprecherin auf Anfrage. Allerdings sei es nicht realistisch, die Geräte kurzfristig zu besorgen, denn wegen des Eigenanteils von 20 Prozent müsse der Rat beteiligt werden. Der gehe aber nach der kommenden Woche in die Sommerpause und bis dahin sei es eine Entscheidung nicht zu erwarten, so die Sprecherin.

Celle rüstet nicht nach

Die Stadt Celle bleibt derzeit bei ihrem Beschluss, Schulen vorerst nicht nachträglich mit Anlagen ausrüsten. Bei Neu- und Umbauten würden diese aber vorgesehen, sagte eine Sprecherin. Allerdings sei davon auszugehen, dass das Thema in Zukunft neu diskutiert werde.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 07.07.2021 | 15:00 Uhr

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