Martin Winterkorn, ehemaliger Vorstandsvorsitzender von Volkswagen, presst seine Lippen zusammen. © picture alliance/dpa Foto: Bernd von Jutrczenka

VW-Dieselskandal: Platzt der Prozess gegen Winterkorn?

Stand: 07.01.2021 18:00 Uhr

Gefährdet eine Erkrankung von Ex-VW-Chef Martin Winterkorn den Diesel-Prozess vor dem Landgericht Braunschweig? Es gibt ein Gutachten, wonach eine baldige Operation Winterkorns erforderlich sei.

von Christine Adelhardt und Stephan Wels

Der frühere VW-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn ist Anfang Dezember 2020 im Auftrag des Landgerichts Braunschweig von der Uni-Klinik München medizinisch untersucht worden. Nach Recherchen von NDR und "Süddeutscher Zeitung" (SZ) liegt das mehr als zehnseitige Gutachten jetzt vor. Demnach ist Martin Winterkorn wegen einer schwer geschädigten Hüfte auf den Rollstuhl angewiesen. Eine Hüftoperation ist demnach offenbar dringend erforderlich.

Winterkorn ist verhandlungsfähig

In sechs bis zwölf Monaten, so die Gutachter, könnte es Winterkorn wieder besser gehen. Das Gutachten bescheinigt Winterkorn zwar keine Verhandlungsunfähigkeit. Aber die offenbar dringend notwendige Operation kann für den Prozess schwere Probleme aufwerfen.

Ein Prozess mit Winterkorn im Rollstuhl?

Am 25. Februar, also in sechs Wochen, soll die Hauptverhandlung wegen des VW-Dieselskandals gegen den EX-VW-Chef und vier weitere VW-Manager in Braunschweig beginnen. Die zuständige Wirtschaftsstrafkammer muss nun entscheiden, ob sie den Prozess verschiebt, um Winterkorn die Möglichkeit zu geben, sich zuvor operieren zu lassen. Oder aber sie kommt zum Schluss, die Hauptverhandlung mit Winterkorn im Rollstuhl zu beginnen. Dann aber müsste die Kammer in Kauf nehmen, dass der Prozess möglicherweise länger unterbrochen werden muss, weil Winterkorn sich später operieren lässt.

Das Gericht sagt: Prozessbeginn am 25. Februar

Womöglich müsste Winterkorns Verfahren dann neu angesetzt werden, während das alte Verfahren gegen die anderen vier Angeklagten weiterginge. Dann liefen zwei Prozesse in der selben Sache parallel, Sachverhalte müssten doppelt erörtert werden. Offiziell hält das Gericht an seinem Zeitplan fest. "Zum jetzigen Zeitpunkt gehen wir von einem geplanten Prozessbeginn am 25. Februar in der Stadthalle Braunschweig aus", teilte das Landgericht auf Anfrage mit. Zum Gesundheitszustand Winterkorns äußerte sich das Gericht nicht. Winterkorns Anwalt schweigt und die Staatsanwaltschaft Braunschweig verweist auf das Gericht.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 07.01.2021 | 18:00 Uhr

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