Uni-Kliniken: Landarztquote bringt kurzfristig keine Lösung

Stand: 12.11.2021 09:11 Uhr

Die rot-schwarze Koalition will die Hausarztversorgung in ländlichen Gebieten mithilfe eines Gesetzes sichern. Von den niedersächsischen Universitätskliniken kommt nicht nur Zustimmung.

Kurzfristig wird das geplante Gesetz nichts bringen, sagte Nils Schneider, Leiter Instituts für Allgemeinmedizin an der Medizinischen Hochschule Hannover, dem NDR in Niedersachsen. Die Quote sei lediglich eine Blume im Maßnahmenstrauß, um gegen den Hausarztmangel vorzugehen. Die Dauer des Medizinstudiums mitgerechnet wirke die Quote erst 2035. Es fehlten allerdings bereits heute laut Kassenärztlicher Vereinigung 460 Hausärztinnen und Hausärzte. Ein Sprecher der Universitätsmedizin Göttingen sagte, eine Sonderquote reiche nicht aus. Man müsse die Arbeits- und Lebensbedingungen für Hausärzte auf dem Land verbessern.

Opposition fürchtet geringe Wirkung

Auch die Opposition im Niedersächsischen Landtag ist von dem am Donnerstag eingebrachten Gesetzentwurf nicht überzeugt. Eine Landarztquote sei ein Tropfen auf den heißen Stein, kritisierte die Grünen-Gesundheitsexpertin Meta Janssen-Kucz. Sie wirke zu spät, weil das Medizinstudium mindestens zwölf Jahre dauere. Aber bereits jetzt könnten nicht mehr alle Arztpraxen nachbesetzt werden, wenn ältere Hausärztinnen und Hausärzte in den Ruhestand gingen. FDP-Gesundheitsexpertin Susanne Schütz fürchtet, dass mit dem Gesetz hoher Aufwand verbunden und die Wirkung gering sei.

Grüne und FDP kritisieren Verpflichtung über viele Jahre

Ein weiterer Kritikpunkt von Grünen und Liberalen am Gesetzentwurf ist, dass sich junge Menschen sehr früh für sehr lange Zeit festlegen müssten. Wenn sie einen der jährlich 60 geplanten Medizinstudienplätze bekämen, verpflichteten sie sich dazu, nach der Ausbildung zehn Jahre als Hausärztinnen und -ärzte auf dem Land zu praktizieren. Halten sie sich nicht an die Vereinbarung, müssen sie laut Entwurf eine Ausbildungsentschädigung von bis zu 250.000 Euro zahlen. Aus Sicht von Grünen und FDP müssen insbesondere die Arbeitsbedingungen für Ärztinnen und Ärzte verbessert werden: zum Beispiel durch finanzielle Zuschüsse und moderne, familienfreundlichere Praxis-Modelle.

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Koalition sieht Quote als "wichtiges Instrument"

Auch SPD und CDU bekennen, dass eine Landarztquote allein keine Lösung ist. "Es ist nicht das Allheilmittel, aber es ist ein wichtiges Instrument", sagte der gesundheitspolitische Sprecher der SPD, Uwe Schwarz. Die Union hält perspektivisch auch eine Ausweitung der Studienplätze für sinnvoll. An der European Medical School Oldenburg könnte die Landarztquote auf 80 Studienanfängerinnen und -anfänger erhöht werden, sagte CDU-Gesundheitsexperte Volker Meyer.

KVN begrüßt Gesetz als "Baustein" für ärztliche Versorgung

Rückendeckung bekommt der Entwurf von der Kassenärztlichen Vereinigung Niedersachsen (KVN). Er sei "ein Baustein zur zukünftigen Sicherstellung der ärztlichen Versorgung in Niedersachsen", hieß es in einer Mitteilung. Bis zum Jahr 2035 werde es landesweit rund 1.250 weniger Hausärzte geben als derzeit. Derzeit sind es nach KVN-Angaben etwas mehr als 5.000.

Landtag stimmt voraussichtlich kommendes Jahr ab

Die geplante Regelung soll nach dem Willen der Landesregierung zum Wintersemester 2022/23 in Kraft treten. Die 60 Studienplätze sollen zu je einem Drittel an Hochschulen in Hannover, Göttingen und Oldenburg entstehen. Eine abschließende Abstimmung über den Gesetzentwurf wird für das kommende Jahr erwartet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.11.2021 | 09:00 Uhr

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