Jörn Ehlers (7.v.r.), Vizepräsident Landvolk Niedersachsen, übergibt gemeinsam mit weiteren Akteuren der Arbeitsgruppe die Ergebnisse einer repräsentativen Umfrage zum Thema Wolf an Olaf Lies (SPD, 2.v.r.), Umweltminister in Niedersachsen. © Hauke-Christian Dittrich/dpa Foto: Hauke-Christian Dittrich

Umfrage zu Wölfen im Land: Mehrheit begrüßt Rückkehr

Stand: 05.07.2021 20:33 Uhr

Seit Jahren gibt es in Niedersachsen beim Thema Wolf Streit, vorrangig zwischen Politik, Landwirten und Tierschützern. Doch wie stehen die Bürgerinnen und Bürger zum Raubtier in der Nachbarschaft?

Das Landvolk Niedersachsen und andere Verbände aus dem Aktionsbündnis Aktives Wolfsmanagement haben daher eine repräsentative Umfrage in Auftrag gegeben. Die Ergebnisse hat Landvolk-Vize Jörn Ehlers am Montagvormittag an Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) übergeben. Demnach begrüßen zwei Drittel der Befragten die Rückkehr des Wolfes. Drei Viertel sehen darin Probleme für Weidetierhalter. Gefahren für Menschen, Tourismus und Artenvielfalt werden der Erhebung zufolge gering eingeschätzt. Das Berliner Meinungsforschungsinstitut "Pollytix" hat von Ende Mai bis Anfang Juni mehr als 1.000 wahlberechtigte Niedersachsen ab 18 Jahren online befragt.

Landvolk: Mehrheit befürwortet Obergrenze

Die Landwirte erhielten nach eigenen Angaben große Unterstützung bei ihrer Forderung nach einer "Obergrenze" für Wölfe. 70 Prozent der Befragten sprachen sich demnach für eine Kontrolle der Population, 83 Prozent für das Fernhalten des Raubtieres aus Landschaften aus, in denen das Einzäunen von Weidetieren schwierig bis unmöglich ist. "Obwohl die tatsächlichen Auswüchse der steigenden Wolfspopulation längst nicht allen Niedersachsen bewusst sind, befürwortet eine deutliche Mehrheit die Festlegung einer maximalen Anzahl von Wölfen in Niedersachsen gegenüber der uneingeschränkten und unregulierten Ausbreitung", sagte Ehlers. Er glaubt, dass die Ergebnisse Minister Lies "Rückenwind" geben, um die nächsten Schritte zu einem "aktiven Wolfsmanagement" zu gehen.

Diese Verbände waren an der Umfrage beteiligt

  • Niedersächsisches Landvolk
  • Weidetierhalter Deutschland (WNON)
  • Arbeitsgemeinschaft Niedersächsischer Tierproduzenten (ANT)
  • Pferdeland Niedersachsen GmbH
  • Zentralverband der Jagdgenossenschaften und Eigenjagden in Niedersachsen (ZJEN)
  • Deutsche Reiterliche Vereinigung  (FN)

Lies sieht niedersächsische Doppelstrategie bestätigt

Laut Umweltminister Lies stünden die Niedersächsinnen und Niedersachsen der Rückkehr des Wolfes grundsätzlich und überwiegend positiv gegenüber. "Die Menschen in Niedersachsen sehen das Thema Wolf wesentlich differenzierter, als es in den teilweise extremen Zuspitzungen in der öffentlichen Debatte den Eindruck macht", so Lies. Allerdings zeige sich, dass die deutliche Mehrheit der Befragten dem Wolf dort Grenzen aufzeigen wolle, wo vermehrt Weidetiere gerissen und Wölfe sich zu nah an Ortschaften heran bewegen. Lies zufolge bestätige die Umfrage die Doppelstrategie des Landes aus Herdenschutz für Weidetiere und dem Abschuss von Wölfen aus auffälligen Rudeln. "Für eine dauerhafte Akzeptanz brauchen wir ein kluges Management, das die Menschen mit ihren berechtigten Sorgen ernst nimmt", so Lies.

NABU nimmt Politik weiter in die Pflicht

Für den Naturschutzbund Niedersachsen (NABU) gehören Wölfe "als heimische Tiere in unsere Landschaft", sagte der Vorsitzende Holger Buschmann in einer Mitteilung. Er zog allerdings andere Konsequenzen aus den Zahlen, als die Landwirte. "Statt eine Bestandskontrolle durch Abschüsse zu fordern, ist weiterhin die Politik gefragt, neben Aufklärungsarbeit zum Wolf auch praktische Unterstützung beim Herdenschutz für Nutztierhalter anzubieten", sagte Buschmann. Der NABU hatte im April eine eigene Umfrage in Auftrag gegeben, die das Institut Forsa durchgeführt hatte, wie es in der Mitteilung heißt. Demnach habe Forsa 2.360 Menschen in Niedersachsen befragt und war zu ähnlichen Ergebnissen gekommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 05.07.2021 | 14:00 Uhr

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