Stand: 25.01.2019 19:09 Uhr

Trotz Kritik: Land kooperiert weiter mit Ditib

Nimmt die Türkei zu großen Einfluss auf den Moscheeverband Ditib in Niedersachsen? Trotz Kritik will das Land weiter mit Ditib zusammenarbeiten.

Der Moscheeverband Ditib steht wegen seiner Nähe zur Türkei bundesweit in der Kritik. Im November war der komplette Ditib-Landesvorstand für Niedersachsen und Bremen samt des Vorsitzenden Yilmaz Kilic aus Protest gegen zunehmende Einflussnahme aus der Türkei zurückgetreten. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) äußerte Befürchtungen, der Verband sei auf Linie gebracht worden. Das Land kündigte an, die Zusammenarbeit mit Ditib zu überprüfen. Nun ist die Entscheidung gefallen: Wie die Staatskanzlei am Freitag mitteilte, wird Niedersachsen weiter mit Ditib zusammenarbeiten. Fast alle Ministerien hätten sich für eine Fortsetzung der Kooperation ausgesprochen, hieß es.

"Werden Zusammenarbeit kritisch beobachten"

"Der Landesregierung ist die besondere Brisanz der Gesamtthematik bewusst", erklärte die Staatskanzlei. "Die Leitungen der Ministerien werden die Zusammenarbeit mit Vertretern des Ditib-Landesverbandes auch in Zukunft kritisch beobachten und bei etwaigen problematischen Entwicklungen rasch reagieren."

Die deutsche und die türkische Flagge sind in Hamburg an Fahnenmasten vor der DITIB Merkez Mescid-i Aksa Moschee zu sehen. © dpa Foto: Christian Charisius

"Zwischen Rücktritt und Aufbruch – Der Islam in Niedersachsen"

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Die Debatte um die Unabhängigkeit der Moscheeverbände - ein Thema auf der Deutschen Islam Konferenz. Auch in Niedersachsen wird derzeit darüber diskutiert.

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Land will Ditib-unabhängige Gemeinden einbinden

Zudem wolle man künftig verstärkt versuchen, einzelne, von Ditib unabhängige Moscheegemeinden mit einzubinden. Bereits seit Jahren arbeitet das Land nicht nur mit Ditib, sondern auch mit dem Landesverband der Muslime, Schura, zusammen. Dabei geht es unter anderem um Religionsunterricht, Seelsorge und die Prävention islamistischer Radikalisierung.

Klärungsbedarf bei Imamen in Gefängnissen

Dass Ditib-Vertreter in Gremien für islamischen Schulunterricht oder Gefängnisseelsorge sitzen, hält das Land für vertretbar: Sie könnten dort keinen unkontrollierten Einfluss ausüben. Anders sieht es direkt in den Justizvollzugsanstalten aus. In der kommenden Woche ist ein Gespräch des Justizministeriums mit Ditib-Verantwortlichen geplant. Das Thema: Die Arbeit aus der Türkei entsandter Imame in niedersächsischen Gefängnissen. Denn die predigten bei Bedarf auf Türkisch oder Arabisch und sprächen mit den Gefangenen fast ausschließlich auf Türkisch. Hier könnte daher eine Einflussnahme der Türkei unmittelbar wirksam werden, hieß es.

Ünlü: Religiöse Arbeit von türkischer Politik trennen

Der neue Ditib-Landesvorsitzende Ali Ihsan Ünlü betonte am Freitag, der Verband wolle weiter konstruktiv mit der Landesregierung zusammenarbeiten. Das Entscheidende sei, dass der Kontakt nicht abbreche. "Wir bleiben am Ball", sagte Ünlü. Er habe bereits den Kontakt zum Ministerpräsidenten gesucht. Die Politik der Türkei dürfe nicht mit der religiösen Arbeit des Moscheeverbands in Niedersachsen vermischt werden, unterstrich Ünlü.

Rauf Ceylan © Rauf Ceylan

Muslime wollen unabhängigen Islamverband gründen

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Am Wochenende soll ein vom Ausland unabhängiger Moscheeverband in Niedersachsen gegründet werden. Der Religionspädagoge Rauf Ceylan begrüßt das. Doch es gibt auch Gegenwind.

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Muslime gründen neuen Verband in Niedersachsen

Der Landesvorstand wünscht sich, dass Ditib als Vertretung einer Großzahl der Muslime in Niedersachsen genauso behandelt wird wie die Kirchen. Spätestens seit dem Rücktritt des Vorstands im November läuft allerdings die Debatte, ob Ditib sich tatsächlich als Hauptvertreter der Muslime bezeichnen kann. Der ehemalige Schura-Vorsitzende Avni Altiner kündigte im November die Gründung eines neuen, liberalen, unabhängigen Islamverbands in Niedersachsen an - sie soll in diesen Tagen erfolgen.

Wofür steht DITIB?

DITIB ist eine Abkürzung für "Diyanet İşleri Türk İslam Birliği", auf Deutsch: "Türkisch-Islamische Union der Anstalt für Religion". Der größte islamische Dachverband bundesweit hat seinen Sitz in Köln und umfasst rund 900 Moscheegemeinden. Das Ziel von DITIB ist es nach eigenen Angaben, Muslimen einen Ort zur Ausübung ihres Glaubens zu geben und einen Beitrag zur Integration zu leisten. Neben Gemeindezentren organisiert der Verein Bildungs-, Sport- und Kulturangebote.

Doch immer wieder wird kritisiert, dass die DITIB der türkischen Religionsbehörde unterstehe und eine zu große Nähe zum türkischen Staat und der regierenden AKP von Präsident Erdogan habe. Seit dem Putschversuch in der Türkei und der Spitzel-Affäre, bei der es um das Ausspähen von Erdogan-Gegnern in Deutschland geht, gerät die DITIB immer mehr in die Kritik.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.01.2019 | 18:00 Uhr

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