Stand: 21.04.2020 15:01 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Trockenheit: Bauern bangen um Kartoffeln und Co.

Während sich viele Menschen in Niedersachsen über das seit Wochen anhaltende sonnige Wetter freuen, bereitet die Trockenheit Land- und Forstwirten große Sorgen. "Die Lage ist angespannt", sagt Thorsten Riggert. Er ist Landwirt in Uelzen, eine Region, die wegen ihrer sandigen Böden als die trockenste in Niedersachsen gilt. Die Temperaturen seien derzeit überdurchschnittlich hoch. Hinzu komme der starke Ostwind, der die Böden zusätzlich austrockne, so Riggert.

Frühjahrseinsaat kann nicht keimen

Die im Herbst eingesäten Pflanzen kämen zwar noch ganz gut zurecht, so Riggert. Denn im Winter habe es gut geregnet und die Grundwasserstände seien wieder auf dem Niveau von 2017 - also vor den vergangenen beiden trockenen Sommern. Aber die neue Einsaat habe es schwer. Zuckerrüben, Mais, Kartoffeln sowie das Sommergetreide liegen in der staubtrockenen Erde und brauchen dringend Wasser. So findet auch Landwirt Henrik Brunkhorst auf seinem vor zehn Tagen eingesäten Acker im Schaumburg Land Zuckerrübensamen, die noch immer nicht gekeimt haben. "Wir brauchen hier dringend Regen, sonst wird es schwierig", sagt Brunkhorst.

Landesforsten: "Schlechte Startbedingungen für Setzlinge"

Angesichts der Trockenheit blicken die Landesforsten nach eigenen Angaben mit Sorge auf die rund 4,5 Millionen Setzlinge, deren Pflanzung im Landeswald nun zum Abschluss kommt. "Die Wurzeln der Millionen kleinen Bäume, die wir in dieser Saison gepflanzt haben und die zu klimastabilem Mischwald heranwachsen sollen, reichen noch nicht tief. Die anhaltende Trockenheit beschert ihnen nun schlechte Startbedingungen. Um richtig anwachsen zu können, brauchen sie dringend Regen", sagte Dr. Klaus Merker, Präsident der Niedersächsischen Landesforsten. Die Wasserversorgung der größeren, tief wurzelnden Bäume ist dank der Feuchte in tieferen Bodenschichten durch die Niederschläge im Februar vorerst gesichert.

"Junge Pflanzen brauchen nasse Füße"

"Wir brauchen lang anhaltende Niederschläge, damit auch die flach wurzelnden jungen Pflanzen nasse Füße bekommen", sagte Landesforsten-Sprecher Michael Rudolph. Zusätzliche Sorgen bereitet den Forstleuten der Borkenkäfer. Wegen der teilweise hohen Temperaturen beginnt die erste Generation der Schädlinge bereits auszufliegen.

Keine Aussicht auf großen Regen

Doch nennenswerter Niederschlag ist nach Angaben des Deutschen Wetterdienstes (DWD) in den kommenden Tagen nicht in Sicht. Zwar könnte es am Wochenende Schauer geben, aber eher kleinere. "Drei Tropfen, und danach ist der Boden wieder trocken", sagte ein DWD-Sprecher. Auch in der kommenden Woche könne es kleinere Schauer geben. Nennenswerter Niederschlag, der viel Feuchtigkeit in den Boden bringt, sei jedoch nicht in Aussicht. Bis zum 19. April registrierten die Meteorologen in Niedersachsen lediglich zwischen zwei und fünf Prozent des normalen monatlichen Niederschlags für diesen Monat - bezogen auf den Vergleichzeitraum 1961 bis 1990. Schon seit dem 11. März hat es in Niedersachsen keinen nennenswerten Niederschlag mehr gegeben.

Weitere Informationen
Ein Flugzeug der Feuerwehr fliegt über einen Wald. © dpa - Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Waldbrandgefahr: Höchste Warnstufe erwartet

Am Wochenende steigt die Waldbrandgefahr im Nordosten Niedersachsens laut Experten weiter an. Dann erreicht sie in Celle und Faßberg voraussichtlich die höchste Warnstufe. mehr

Staubtrockene Acker-Erde rinnt durch die Finger eines Landwirtes. © NDR.de Foto: Boris Roessler

Bauern: Nachtfrost und Trockenheit machen Probleme

Laut Landwirtschaftskammer Cloppenburg könnten die Bauern wegen der Trockenheit Probleme bekommen. Kartoffeln, Mais und Wintergetreide brauchen jetzt Wasser. mehr

Waldwege werden von umgestürzten Bäumen freigelegt. © Ulrich Schulze Foto: Ulrich Schulze

Landesforsten beklagen Schäden durch Klimawandel

Die Klimakrise hat den Wäldern in Niedersachsen nach Angaben der Landesforsten schon jetzt stark zugesetzt. Stürme, Dürren und die Borkenkäfer-Plage seien die Hauptprobleme, heißt es. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.04.2020 | 12:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Ein  Stop-Schild steht am Tor der Einfahrt zum ehemaligen Erkundungsberg Gorleben. © dpa Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Gorleben: Schicht im Schacht - doch offene Fragen

Gorleben ist aus dem Rennen - aber Dutzende andere Regionen in Niedersachsen sind wohl als Endlager-Standort geeignet. Das ist die Erkenntnis aus dem Zwischenbericht der BGE. mehr

Ein Mitarbeiter der Johanniter-Unfall-Hilfe nimmt für einen Corona-Test einen Abstrich von einer Frau © picture alliance/dpa Foto: Moritz Frankenberg

40 Corona-Fälle in Altenheim in Neu Wulmstorf

33 Bewohner und sieben Beschäftigte eines Alten- und Pflegeheims in Neu Wulmstorf haben sich mit dem Coronavirus infiziert. Das Heim im Landkreis Harburg steht unter Quarantäne. mehr

Das Streckenradar "Section Control" steht auf der Bundesstraße 6 zwischen Gleidingen und Rethen bei Hannover. © dpa - Bildfunk Foto: Peter Steffen

Bundesrichter: Streckenradar rechtmäßig im Einsatz

Das bundesweit erste Streckenradar, "Section Control", auf der B6 bei Hannover hat jetzt den Segen des Bundesverwaltungsgerichts. Die Richter entschieden, dass der Einsatz rechtmäßig ist. mehr

Ein Landwirt kontrolliert während der Ernte Getreide. © dpa-Bildfunk Foto: Philipp Schulze

Ernte: Große regionale Unterschiede durch Dürre

Die Landwirtschaftskammer hat eine durchwachsene Erntebilanz gezogen. Regional habe viel Regen gefehlt, so Präsident Schwetje. Die Landwirtschaft müsse sich dem Klimawandel stellen. mehr