Eine Luftaufnahme zeigt von einem Unwetter zerstörte Häuser in Berumerfehn. © picture alliance/dpa Foto: Mohssen Assanimoghaddam

Tornado in Ostfriesland: Berumerfehn hat gemeinsam angepackt

Stand: 30.12.2021 06:55 Uhr

Vier Monate ist es her, dass ein Tornado über den kleinen ostfriesischen Ort Berumerfehn fegte. 50 Häuser wurden zerstört. Fünf davon waren unbewohnbar. Jetzt kehrt das Leben zurück.

von Christopher Haar

Auch das Haus von Monika und Johann Graver musste komplett saniert werden. Heute sieht es aus wie neu. Unten sind Maler mit den letzten Arbeiten beschäftigt, im Obergeschoss fehlen nur noch die Möbel. Was die Familie nach der Katastrophe retten konnte, soll in den nächsten Wochen nach und nach wieder ins Haus gebracht werden.

Die Fotos sind verloren - aber das ist nebensächlich

Monika Graver steht vor ihrem zerstörten Haus. © NDR
Monika Gravers Haus, hier zu sehen im August, musste komplett saniert werden.

Für immer verloren sind dagegen alte Fotoalben, die auf dem Dachboden lagerten, als der Tornado am 16. August mit bis zu 250 Stundenkilometern durch Großheide fegte und eine Schneise der Zerstörung hinterließ. Manche Fotos wurden mehrere Kilometer entfernt gefunden, sie waren aber so stark verschmutzt, dass kaum etwas zu erkennen war. Für die Familie Graver ist das aber nebensächlich. Viel wichtiger ist für sie, dass kein Mensch bei dem Unglück zu Schaden kam.

Gebäude waren nicht gegen Sturmschäden versichert

Das gilt auch für Hermann Manot. Dem Landwirt flogen vor vier Monaten die Scherben um die Ohren, als ein über 100 Jahre alter Baum auf sein Haus kippte. Heute hat er alle Hände voll damit zu tun, den Laufstall für seine 45 Milchkühe auf Vordermann zu bringen. Der blieb zwar stehen, aber nicht gänzlich verschont. Insgesamt hat der Landwirt etwa 10.000 Euro in die Reparatur des Stalls und der Gerätehalle investiert, die er gerade baut. Beide Gebäude waren nicht gegen Sturmschäden versichert.

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Knapp 100.000 Euro Spenden

Auch für solche Fälle hatte die Gemeinde Großheide, zu der Berumerfehn gehört, kurz nach dem Tornado ein Spendenkonto ins Leben gerufen. Knapp 100.000 Euro konnte Bürgermeister Fredy Fischer (CDU) verteilen. Und darauf ist er mächtig stolz. Überhaupt: "Berumerfehn hat sich sehr gut geschlagen", findet der erst jüngst wiedergewählte Gemeindevorsteher. Ruhig und sachlich sei es in den zurückliegenden vier Monaten zugegangen, alle hätten mit angepackt, damit das ruhige Dorf in Ostfriesland wieder so wird wie vorher.

Eine Kita neben der Waldschule ohne Wald?

Nur einen Schaden können auch fleißige Ostfriesen nicht auf die Schnelle beheben: Der über Generationen gewachsene Baumbestand fehlt jetzt im Ort, hinweggefegt in Sekunden. Aber das sieht der Bürgermeister als Chance. Er denkt an eine neue Kita auf dem Gelände der Waldschule, die jetzt ja keinen Wald mehr hat. Aber das ist noch Zukunftsmusik. Erst einmal muss auch die letzte Garage in Berumerfehn neu eingedeckt werden.

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