Stand: 30.04.2020 12:33 Uhr

Toben trotz Spielplatz-Sperre in Corona-Zeiten

Eine Mutter zieht ihrer Tochter Gummistiefel an. © dpa-Bildfunk Foto: Philipp Schulze
Unter anderem Lüneburg bietet die Möglichkeit, einen Spielplatz zu buchen.

Die Spielplätze in Niedersachsen sind wegen der Corona-Pandemie derzeit geschlossen: Damit soll das Risiko, dass der Erreger Sars-CoV-2 weiterverbreitet wird, reduziert werden. Weil die Energie der Kinder aber natürlich trotzdem irgendwohin muss, bieten einige Städte nun an, die Plätze für einen bestimmten Zeitraum zu buchen.

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Angebot für Familien ohne Garten

In Lüneburg geht dies auf dem Aktivspielplatz im Stadtteil Kaltenmoor. Einzelne Familien können den Platz für eineinhalb Stunden nutzen. "Das war eine richtige Entscheidung, die Möglichkeit wurde von Anfang an gut und dankbar angenommen", sagte Lüneburgs Stadtsprecherin Suzanne Moenck. Zielgruppe sind vor allem Familien, die keinen Garten und Spielmöglichkeiten im Freien zur Verfügung haben. Auf Lüneburg folgten weitere Städte. In Braunschweig stehen Außenbereiche von Kinder- und Jugendzentren, in Wolfsburg drei betreute Abenteuerspielplätze stundenweise für Familien zur Verfügung. Die Regelung ist von Ort zu Ort unterschiedlich. Interessierte werden gebeten, sich bei ihrer Kommune nach temporären Spielplatzangeboten zu erkundigen.

Verordnung lässt Öffnung von Spielplätzen nicht vor

Kinder sollen so wenigstens in einem kleinen Zeitfenster die Möglichkeit bekommen, sich körperlich auszutoben. Denn: "Eine Öffnung von öffentlichen Spielplätzen ist von der Verordnung nicht gedeckt und bleibt zunächst weiter verboten", sagte Oliver Grimm, Sprecher des Sozialministeriums in Hannover. Die aktuelle niedersächsische Corona-Verordnung schließt auch alle Indoor-Spielplätze mit ein. Abstands- und Hygieneregeln sind laut Gemeindebundsprecher Thorsten Bullerdiek schwer zu kontrollieren und es gebe nicht genügend Personal für Kontrollen.

Infektiologe: Rolle von Kindern unklar

Unterdessen ist nach wie vor unklar, welche Rolle Kinder bei der Verbreitung des Coronavirus spielen. Nach Aussage des Infektiologen und Professors der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH) Matthias Stoll weisen die bislang vorliegenden Daten nicht darauf hin, dass Kinder als sogenannte Superspreader sehr viele Menschen anstecken. "Wir wissen bisher nicht, ob wir die Falschen vom Leben ausschließen", so Stoll. Es sei ein Abwägen der vielfältigen Interessen in der Gesellschaft und somit eine politische Entscheidung, sagte Stoll in einem Live-Talk der Ärztekammer. Noch seien viele Fragen offen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 30.04.2020 | 15:00 Uhr

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