Stand: 18.08.2018 08:00 Uhr

Tablets sollen an Schulen zur Pflicht werden

Laptops, Tablets und Smartphones sollen künftig zur Pflichtausstattung an Niedersachsens weiterführenden Schulen gehören. Das sieht der Masterplan Digitalisierung der rot-schwarzen Landesregierung vor, wie NDR 1 Niedersachsen berichtet. Bereits am Freitag sind einige Punkte aus dem 126 Seiten starken Papier bekannt geworden, das Wirtschaftsminister Bernd Althusmann (CDU) am Dienstag offiziell vorstellen will. Die digitalen Endgeräte für die Schule will das Land aber nicht selbst anschaffen. Denn die meisten Schüler würden ohnehin ihr Smartphone oder Tablet mit in die Schule bringen, heißt es. Dafür gab es umgehend Kritik.

Landeselternrat: Eltern tragen schon genug Kosten

Manche Familien würden dann zu stark belastet, sagte der Vorsitzende des Landeselternrates, Mike Finke, NDR 1 Niedersachsen. Die Eltern müssten bereits für Taschenrechner, Mittagessen, Schulbücher und Klassenfahrten zahlen. Da dürften nicht noch weitere Kosten hinzukommen. Er schlug vor, dass das Land die Geräte mit Mengenrabatt für alle Schulen anschafft und sie dann am besten kostenfrei zur Verfügung stellt. Gegebenenfalls könnten die Eltern noch etwas dazu zahlen.

Grüne und FDP kritisieren Vorhaben

Auch die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisierte das Vorhaben, das besonders Normal- und Geringverdiener finanziell belasten würde. Kritik hagelte es auch von den Oppositionsparteien. "Das klingt nach Sparplan statt Masterplan", sagte die schulpolitische Sprecherin der Grünen, Julia Willie Hamburg. FDP-Vize-Fraktionschef Jörg Bode sprach von einem "Desasterplan".

Sozial schwache Familien sollen unterstützt werden

Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) verteidigte das Vorhaben. Weit über 90 Prozent der 12- bis 19-Jährigen hätten ein eigenes Smartphone oder anderes digitales Endgerät. Diese sollten perspektivisch auch im Unterricht eingesetzt werden können und dann müsse eben keine neue Hardware angeschafft werden, sagte er. Schüler, die wegen ihres sozial-ökonomischen Hintergrundes kein eigenes Endgerät besitzen, sollten unterstützt werden.

Sorgen auch auf pädagogischer Ebene

Aber nicht nur die Finanzierung der künftigen digitalen Pflichtausstattung wirft Fragen auf. Der Landeselternrat ist auch auf pädagogischer Ebene besorgt, etwa darüber, dass sowohl die Rechtschreibkompetenz als auch die Handschrift der Schüler verkümmern könnten oder dass Schulbibliotheken womöglich abgeschafft werden.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 17.08.2018 | 18:00 Uhr

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