Stand: 20.07.2020 15:45 Uhr

Studie: Wo werden die Niedersachsen am ältesten?

Die Karte zeigt die durchschnittliche Lebenserwartung nach Landkreisen in Deutschland. © Max-Planck-Institut für demografische Forschung
Das Max-Planck-Institut hat alle 402 Landkreise in Deutschland untersucht.

Wo in Niedersachsen leben die Menschen am längsten? Auf diese Frage gibt eine Studie des Max-Planck-Instituts für demografische Forschung in Rostock Antwort, die nun im "Ärzteblatt" erschienen ist. Die Erhebung wirft den Blick auf ganz Deutschland und macht eines gleich deutlich: Im Süden der Bundesrepublik werden die Menschen im Mittel am ältesten. Doch zurück in den Norden: In Niedersachsen leben Frauen in der Region Hannover, den Landkreisen Stade und Harburg mit durchschnittlich 84,4 Jahren am längsten. Männer werden im Landkreis Harburg, in der Region Osnabrück und im Ammerland mit im Durchschnitt bis zu 79,6 Jahren am ältesten.

Männer-Lebenserwartung unterscheidet sich um fünf Jahre

Ein Vergleich: Frauen werden im bayrischen Landkreis Starnberg und im angrenzenden München im Mittel bis zu 85,7 Jahre alt, Männer immerhin noch 81,2 Jahre. Dieses Durchschnittsalter wird in Niedersachsen nirgendwo erreicht. Generell ergibt die Studie, dass sich die Lebenserwartung der Männer in Deutschland je nach Region um mehr als fünf Jahre, die der Frauen um knapp vier Jahre unterscheidet.

Wo leben die Niedersachsen nicht so lange?

Laut der Max-Planck-Studie ist die Lebenserwartung der Frauen und Männer im Nordwesten von Niedersachsen, in Bremerhaven, Aurich, Emden, Leer und Cloppenburg sowie weiter im Süden, in Peine und Salzgitter, unterdurchschnittlich. Hier werden Frauen im Mittel zwischen 81,7 und 83,1 Jahre alt, Männer zwischen 75,8 und 77,9 Jahre.

Videos
Rentnerin Inga Schmalz im Vollbild.
4 Min

Viele Rentner in Niedersachsen gelten als arm

Arm im Alter trotz Berufstätigkeit: Ein Drittel der Männer und über 70 Prozent der Frauen, die 2018 in Niedersachsen in Altersrente gingen, erhalten Bezüge unter 900 Euro. 4 Min

"Lebensbedingungen des ärmsten Teils verbessern"

In der Erhebung des Instituts haben die Wissenschaftler sich auch mit den Gründen für die Unterschiede beschäftigt. Welche Faktoren spielen eine Rolle bei der Lebenserwartung? Die Studie führt die Unterschiede vor allem auf die Armut zurück. Starken Einfluss hat dementsprechend die Arbeitslosenquote und die Quote der Hartz-IV-Empfänger in einem Landkreis. "Wer Unterschiede in der Lebenserwartung reduzieren will, muss vor allem die Lebensbedingungen des ärmsten Teils der Bevölkerung verbessern", sagte Roland Rau, Wissenschaftler am Max-Planck-Institut.

Arztdichte hat geringeren Einfluss

Andererseits zeigten die Daten, dass oft diskutierte Faktoren wie das Durchschnittseinkommen, die Dichte der Ärzte oder die Bevölkerungsdichte einen weitaus geringeren Einfluss auf die Lebenserwartung haben.

Mithilfe der Sterberaten der Jahre 2015 bis 2017 haben die Experten die Lebenserwartung für Frauen und Männer in den 402 deutschen Landkreisen geschätzt. Um statistische Unsicherheiten in sehr kleinen Landkreisen auszugleichen, wurden die Sterberaten mehrerer Jahre kombiniert.

Weitere Informationen
Eine alte Frau sitzt auf einer Parkbank. © picture-alliance/ ZB Foto: Arno Burgi

Arme Rentner in Niedersachsen: Frauen und Kranke

Immer mehr Rentner in Niedersachsen sind von Armut bedroht. Einer von sechs Rentnern lebt mittlerweile in Altersarmut. Besonders trifft es Frauen und Kranke, wie der DGB-Rentenreport zeigt. mehr

Senioren sitzen auf Klappstühlen.

Lebenserwartung: In MV geringer als im Südwesten

Männer in Mecklenburg-Vorpommern werden im Durchschnitt 78 Jahre alt, in Teilen Bayerns dagegen rund 81 Jahre. Das Alter steht laut Forschern mit Arbeitslosen- und Hartz-IV-Quote im Zusammenhang. mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.07.2020 | 14:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Ein Papier mit der Aufschrift "Gemeinsam gegen Corona - vorübergehend geschlossen" zeigt an der Scheibe, dass ein Geschäft geschlossen hat. © pictire alliance Foto: Geisler-Fotopress Christopher Tamcke

Wie hart werden die neuen Corona-Regeln für Niedersachsen?

Die Politik diskutiert in Berlin, Teile des öffentlichen Lebens herunterzufahren, um die Corona-Pandemie einzudämmen. mehr

Ein Schulkind meldet sich in der Klasse. © picture alliance Foto: Sebastian Gollnow

FDP kritisiert: Unterrichtsversorgung jetzt noch schlechter

Kultusminister Tonne sei es nicht gelungen, genügend Lehrkräfte einzustellen. Die FDP fordert mehr Geld für die Lehrer. mehr

Jens Ahrends, Stefan Wirtz und Dana Guth vor dem Niedersächsischen Landtag. © NDR Foto: NDR

Abtrünnige AfD-Abgeordnete: Kein baldiger Neustart

Dana Guth, Stefan Wirtz und Jens Ahrends haben Hoffnungen für ein schnelles Wiederaufleben der Fraktion gedämpft. mehr

Schilder mit der Aufschrift Landgericht, Oberlandesgericht und Generalstaatsanwaltschaft hängen an einem Gebäude. © NDR Foto: Julius Matuschik

Transplantationsskandal: Gericht urteilt über Entschädigung

Der freigesprochene Arzt soll 1,2 Millionen Euro bekommen. Dagegen wehrt sich das Land Niedersachsen. mehr