Zuckerrüben werden in den Abendstunden mit einem Rübenroder auf einem Feld geerntet.  Foto: Philipp Schulze

Streit um Neonics: Wie schädlich ist das Insektengift?

Stand: 27.03.2021 14:09 Uhr

Umweltschützer kritisieren den Einsatz eines eigentlich in der Europäischen Union nicht mehr zugelassenen Insektengifts im Zuckerrübenanbau - auch in Niedersachsen.

Es geht um die sogenannten Neonicotinoide, kurz Neonics. Seit knapp drei Jahren, seit April 2018, dürfen sie in Europa eigentlich nur noch in Gewächshäusern eingesetzt werden. Weil aber in vielen Regionen Europas derzeit ein Virus große Schäden in den Zuckerrübenkulturen anrichtet, haben zahlreiche Länder Notfallzulassungen ausgesprochen.

Gelbe Blätter - weniger Ertrag

Die Pflanzen sollen vor der Blattlaus geschützt werden, sagt Heinrich-Hubertus Helmke, Geschäftsführer des Dachverbands Norddeutscher Zuckerrübenanbauer (DNZ). Diese Insekten verbreiten das sogenannte Vergilbungsvirus. Wird die Pflanze damit infiziert, färben sich die Blätter gelb. Die Pflanzen können Sonnenlicht dann nicht mehr in Zucker umwandeln. Sie bringen keinen Ertrag mehr: "Im Extremfall kann das mehr als 50 Prozent ausmachen", sagt Helmke.

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Einsatz auf etwa 15 Prozent der Felder möglich

Die Notfallgenehmigung bezieht sich demnach nur auf einen kleinen Anteil der Zuckerrüben-Anbaufläche. In Niedersachsen gehe es um 15 Prozent von etwa 90.000 bis 100.000 Hektar. "Es setzen auch nicht alle Bauern dieses Mittel ein", so Helmke. Die Auflagen seien streng.

BUND warnt vor Folgen für Wildbienen

Umweltschützer sorgen sich hingegen um Folgen für andere Insekten - vor allem für die Wildbienen. "Dieses Mittel ist richtig giftig, es schädigt nicht nur die Laus, sondern alle Insekten", sagt Axel Ebeler, stellvertretender Landesvorsitzender des Bunds für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in Niedersachsen. "Wenn von den Honigbienen einige ausfallen, überlebt das Volk. Wenn aber eine Wildbiene, die solitär lebt, stirbt und die Brut stirbt, ist das dramatisch bei den Wildbienenarten."

"Mittel 20 Jahre im Einsatz gehabt"

Helmke widerspricht. Wildbienen und andere Nützlinge flögen nur zu Pflanzen, die blühen, weil sie den Nektar saugen wollen. Zuckerrüben aber blühten nicht, betont er: Sie würden geerntet, bevor sie blühen können. "Wir haben das Mittel 20 Jahre im Einsatz gehabt, ohne dass irgendwo Schäden an Nützlingen festgestellt wurden", sagt er. Auch Umweltschützer sehen, dass die Landwirte derzeit keine Alternative zum Einsatz der Neonics haben. "Es ist ein Appell", sagt Ebeler. "Der Landwirt muss sich sehr genau seine Schadstellen ansehen, ob er nicht mit einer geringen Ertragseinbuße leben kann."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 27.03.2021 | 13:00 Uhr

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