Stand: 23.09.2018 16:00 Uhr

Stören Windräder Funkanlagen der Flugsicherung?

von Björn Siebke
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Die Deutsche Flugsicherung behauptet, dass Windräder ihre Funkanlagen stören.

Eigentlich wollte die Bundesregierung die Windleistung an Land kräftig ausbauen: vier Gigawatt in den kommenden zwei Jahren. Doch allein 2,3 Gigawatt - so viel Leistung wie von anderthalb Atomkraftwerken - werden von der Deutschen Flugsicherung blockiert. Das schätzt der Bundesverband Windenergie auf Basis einer Umfrage, die bereits 2015 durchgeführt wurde. Neuere Zahlen gebe es nicht, aber verbessert habe sich die Lage keinesfalls, heißt es aus dem Verband.

Stören die Windräder Funkwellen?

Die Deutsche Flugsicherung sorgt sich, dass die Funkwellen ihrer Navigationsanlagen von den Rotorblättern der Windräder gestört werden könnten. Windpark-Planer hingegen bezweifeln, dass die Auswirkungen so groß sind, wie die Flugsicherung behauptet. Ein Streit, der an verschiedenen Orten immer wieder aufflammt und oftmals in Gerichtsprozesse mündet.

Experte glaubt der Flugsicherung nicht

So wie im Grenzbereich von Region Hannover und Landkreis Nienburg. Hier können 51 Windanlagen nicht modernisiert werden, weil die Flugsicherung ihr Veto eingelegt hat. Doch der Luftfahrtingenieur Dr. Ferdinand Behrend von der TU Berlin zieht das in Zweifel. In einem Gutachten hat er die Bedeutung der bodengestützten Navigationsanlage im Landkreis Nienburg untersucht, ein sogenanntes Drehfunkfeuer: "Das Funkfeuer Nienburg hat eigentlich nur noch eine eingeschränkte Rolle für die Navigation in der Luftfahrt, da es schon Störungen unterliegt und so nur noch für bestimmte Flugverfahren verwendet werden kann."

Planer würden andere Anlage bezahlen

Eine Funkanlage mit anderer Technik hätte einen höheren Nutzen für die Flugsicherheit, würde aber durch Windräder kaum gestört. Diese Anlage wollten die Windpark-Planer bezahlen, damit sie bauen können. Doch das will die Deutsche Flugsicherung nicht. Eine Begründung liefert sie auf Anfrage des NDR nicht. Auch weitere Fragen beantwortet sie mit Verweis auf ein laufendes Verfahren nicht.

Regionspräsident sieht Klimaschutzplan in Gefahr

Weil 60 Prozent der geeigneten Flächen in der Region Hannover wegen benachbarter Funkanlagen umstritten sind, sieht Regionspräsident Hauke Jagau (SPD) seinen regionalen Klimaschutzplan in Gefahr: "Am Ende geht es um die Frage, ob es uns gelingt, für 300.000 Haushalte eine eigene Stromversorgung über Windenergie zu erzeugen. Und da steht auch eine Menge an Klimaschutz und an CO2-Emissionen auf dem Spiel." Jagau und weitere Kommunalpolitiker haben deshalb einen Brief nach Berlin geschrieben: Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) solle den Konflikt lösen. Sein Ministerium sagte auf Anfrage nicht, ob der Brief schon bearbeitet wurde.

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Hallo Niedersachsen | 23.09.2018 | 19:30 Uhr

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