Stand: 21.08.2020 10:37 Uhr

Städtetag kritisiert Tonnes Schulstart-Pläne

Eine Schülerin sitzt in der Klasse neben ihrere Schutzmaske. © picture alliance Foto: Marijan Murat
Zum Schulbeginn nach den Sommerferien ist in Niedersachsen bisher keine Maskenpflicht im Unterricht vorgesehen. Verbände sehen das kritisch. (Themenbild)

Volle Klassenstärke, volle Schulbusse und keine Maskenpflicht im Unterricht - geht das gut? Der niedersächsische Städtetag sieht das Land nicht gut vorbereitet und fordert Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) auf, den Corona-Infektionsschutz zu verbessern. Dessen Geschäftsführer Dirk-Ulrich Mende kritisierte, dass es für Urlaubsrückkehrer keine vernünftige Teststrategie gebe. Er verweist auf wegen Corona-Ausbrüchen geschlossene Schulen in anderen Bundesländern. "Wir müssen dann doch gucken, dass wir zu einer schnelleren Testung des Personals kommen - und das natürlich auch kostenfrei", sagte Mende dem NDR in Niedersachsen.

VIDEO: Städtetag fordert Corona-Tests für Lehrkräfte (3 Min)

Tonne: Urlauber-Tests wenig aussagekräftig

Kultusminister Tonne hingegen hält von derartigen Tests offenbar wenig. Sie seien wenig aussagekräftig und nur Momentaufnahme. Tonne plant mit dem eingeschränkten Regelbetrieb zum Unterrichtsbeginn nach den Sommerferien in der kommenden Woche. Er geht davon aus, dass es zu punktuellen Schulschließungen kommen werde. "Es wird so sein, dass Schulen tageweise auch wieder geschlossen werden - so wie vor den Sommerferien", sagte Tonne dem NDR in Niedersachsen. Es könne natürlich zu Verdachtsfällen kommen und diese könnten dazu führen, dass Jahrgänge vorübergehend zu Hause bleiben müssen. Das geplante Konzept für den Schulstart werde regelmäßig mit Blick auf das Infektionsgeschehen überprüft.

Landeselternrat: Hygieneauflagen kaum einzuhalten

Unterstützung bekommt Städtetags-Geschäftsführer Mende vom Landeselternrat und dem Lehrerverband Bildung und Erziehung (VBE). Die Eltern gehen davon aus, dass der Regelbetrieb unter den gegebenen Umständen nicht funktionieren kann. Bei vollen Schulen seien Hygieneauflagen kaum einzuhalten, sagte Cindy-Patricia Heine, Vorsitzende des Elternrats. "Wir befürworten eher die Variante des Wechselmodells, sodass die Schüler in kleineren Gruppen in die Schule kommen - so, wie die Schulen das auch schon vor den Ferien umgesetzt haben", sagte Heine. Die Bildungsgewerkschaft VBE fordert - ebenso wie Mende - kostenlose Corona-Tests für das Personal in den Schulen.

Schulleiterverband: Hygieneregeln werden gut angenommen

Andrea Kunkel, Vorsitzende des Schulleitungsverbands Niedersachsen, sagte in einem Interview mit der Deutschen Presse-Agentur (dpa): "Ich habe durchaus Respekt vor diesem Schulstart nächste Woche." Man könne nicht ausschließen, dass Schulen wegen auftretender Corona-Infektionen geschlossen werden müssten. "Wir müssen darauf vorbereitet sein, dass das auch hier so sein wird oder eher sein könnte", so Kunkel. Wie die Hygieneauflagen umgesetzt werden, hinge sehr von den individuellen Gegebenheiten in den Gebäuden ab. "Alle Schulen bereiten sich ganz intensiv darauf vor und gehen sämtliche Möglichkeiten durch." Schülerinnen und Schüler hätten die Hygieneregeln gut angenommen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 21.08.2020 | 08:00 Uhr

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