Ein Geschäft in der Hamelner Innenstadt steht leer. © NDR Foto: Wilhelm Purk

Stadtplaner fordern Neuerfindung der Innenstädte

Stand: 25.03.2021 20:10 Uhr

Die Corona-Krise sollten Niedersachsens Städte dazu nutzen, neue Konzepte für ihre Innenstädte zu entwickeln. Das ist das Fazit von Stadtplanern.

"Wir müssen unsere Städte ein Stück weit neu erfinden und auch neu entdecken", sagte der Raumplaner Frank Osterhage vom Dortmunder Institut für Landes- und Stadtentwicklungsforschung in einer digitalen Konferenz des niedersächsischen Regionalministeriums am Donnerstag. Schon vor Corona seien viele Innenstädte leerer geworden. Umfragen zeigten, dass die Ansprüche steigen, sagte Osterhage.

"Katastrophale Online-Präsenz des Handels"

Mehrere Dinge müssten sich in den Innenstädten künftig ändern: eine bessere Aufenthaltsqualität, etwa mit mehr Grünflächen, ansprechendere digitale Angebote sowie eine vielfältigere Nutzung, zu der neben Geschäften auch Gastronomie, Ärzte und Wohnungen gehörten. Zudem gewinne die Anbindung an den Nahverkehr im Vergleich zur Erreichbarkeit mit dem Auto an Bedeutung. Viele Städte arbeiteten bisher nicht strategisch, sagte Axel Priebs von der Akademie für Raumentwicklung in Hannover. Die Abstimmung der Öffnungszeiten oder die Modernisierung des öffentlichen Raums beispielsweise seien vernachlässigt worden. Priebs sprach zudem von einer oftmals katastrophalen Online-Präsenz des stationären Handels.

Videos
Die Innenstadt von Hameln.
3 Min

Hameln: "Rettungspaket" soll Innenstadt beleben

Die Stadt übernimmt für Händler und Gastronomen, die neu anfangen, für ein Jahr die Kaltmiete. 3 Min

Land verhandelt über EU-Mittel

Das Regionalministerium will das mit Hilfe verschiedener Förderungen ändern. So sind über das Programm "Zukunftsräume Niedersachsen" seit 2019 bereits 41 Projekte mit einer Gesamtsumme von 8,3 Millionen Euro bewilligt worden - etwa zur Wiederbelebung einer alten Molkerei in Hoya als Jugendzentrum, zur Verringerung des Lieferverkehrs in Lingen oder zur Vermeidung von Leerständen in Verden und Einbeck. Daneben verhandelt das Ministerium mit der EU-Kommission über ein neues Programm aus Mitteln zur Pandemiebekämpfung. "Wir werden ein großes Soforthilfeprogramm für unsere Städte auflegen. 117 Millionen Euro sind da am Start", kündigte Ministerin Birgit Honé (SPD) an.

Weitere Informationen
Die Innenstadt von Dannenberg. © NDR Foto: Marie Elane Schulz

Niedersachsen will mit EU-Fördergeldern Innenstädte stärken

Das Land rechnet mit einer Milliarde Euro aus Strukturfonds. Europaministerin Honé spricht mit kommunalen Verbänden. (11.03.2021) mehr

Leere Sitzplätze auf dem Gehweg in der Gastronomie © photocase Foto: nailiaschwarz

Millionenhilfe für Niedersachsens Innenstädte in Sicht

Bis zu 150 Millionen Euro könnten an die Kommunen fließen. Das Geld kommt vom Bund und aus der EU-Soforthilfe. (25.02.2021) mehr

In der Innenstadt von Hannover sind vor dem Lockdown in der Vorweihnachtszeit viele Menschen unterwegs. © picture-alliance Foto: Ole Spata

Deutscher Städtetag fordert Förderkonzepte für Innenstädte

Die Corona-Pandemie beschleunige die Probleme des Einzelhandels, sagte Städtetag-Präsident Jung im NDR Info Interview. (15.12.2020) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.03.2021 | 17:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

Die Bundesvorsitzende von Bündnis 90/Die Grünen, Annalena Baerbock. © picture alliance/dpa Foto: Kay Nietfeld

Wird Annalena Baerbock erste Kanzlerkandidatin der Grünen?

Die in Hannover geborene Trampolin-Leistungssportlerin wollte ursprünglich mal Reporterin in Krisengebieten werden. mehr