Stand: 14.02.2019 16:00 Uhr

Sonntags shoppen: Rettung oder Sittenverfall?

Die Innenstädte brauchen das Sonntags-Shopping, sagen die einen. Der Sinn des Sonntags wird mit Füßen getreten, klagen die anderen. (Symbolbild)

Die Diskussionen um verkaufsoffene Sonntage in Niedersachsen reißen nicht ab. Die Landesregierung will mehr Shopping-Sonntage als bisher ermöglichen. Bislang sind pro Stadt und Jahr vier erlaubt, künftig soll es zwei Zusatztermine für einzelne Stadtteile und für einzelne Geschäfte wie etwa Möbelhäuser geben. Der Plan erhält viel Zustimmung von Einzelhandelsvertretern, hat aber auch ebenso überzeugte Gegner. Am Donnerstag konnten sich Befürworter und Kritiker im Ausschuss für Soziales, Gesundheit und Gleichstellung des Landtags zu den Plänen äußern.

Ver.di pocht auf Schutz der Beschäftigten

Dass zu den bisher vier verkaufsoffenen Sonntagen pro Jahr zwei hinzukommen sollen, schmeckt der Gewerkschaft ver.di gar nicht: Die Verkäuferinnen und Verkäufer müssten geschützt werden, erklärte Sabine Gatz, Einzelhandels-Expertin von ver.di. Der Sonntag werde dem Konsum geopfert, so ihre Kritik. Die Bedürfnisse der Beschäftigten müssten höher geschätzt werden als das Konsuminteresse der Kunden.

Landeskirche: Sonntag ist nicht zum Shoppen da

Ein klares Nein kommt auch von Kerstin Gäfgen-Track von der evangelischen Landeskirche: Es sei höchst sinnvoll, dass es einen Tag in der Woche gebe, "an dem alle gemeinsam möglichst nicht arbeiten müssen". Für sonntägliche Einkaufsbummler zeigt die Oberlandeskirchenrätin wenig Verständnis: "Habe ich denn nichts Besseres zu tun? Was sagt es eigentlich über mich aus, wenn ich sage: Ich kann meinen Sonntag nur vernünftig gestalten, wenn ich shoppen kann?"

Befürworter: Sonntage wichtig für Innenstädte und Mitarbeiter

Städte und Gemeinden hingegen wünschen sich verkaufsoffene Sonntage, da diese helfen könnten, aussterbende Innenstädte zu retten. "Unsere Konkurrenz ist der Handel über das Internet", hatte Thorsten Bullerdiek, Sprecher des Niedersächsischen Städte- und Gemeindebunds, schon im Januar betont. "Wir brauchen die Umsätze vor Ort auch zur Belebung der Innenstädte und zur Sicherung der Lebensqualität für alle." Auch die Handelsverbände halten die Shopping-Sonntage für wichtig. Die Beschäftigten würden sonntags sogar gerne arbeiten, weil die Kunden entspannter seien und es Lohnzuschläge gebe, erklärten Vertreter der Industrie- und Handelskammern am Donnerstag im Landtag.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Funkbilder | 14.02.2019 | 16:00 Uhr

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