Stand: 12.09.2019 17:57 Uhr

Ein Typ, der polarisiert: Gabriel wird 60

Sigmar Hartmut Gabriel: Der Ex-SPD-Chef und Ex-Außenminister ist am Donnerstag 60 Jahre alt geworden. Ein Mann, der schon immer polarisiert hat - er sagt über sich selbst: "Wenn man zehn Leute fragt, dann sagen fünf Leute, boah, super Typ - und fünf Leute sagen: ein Riesenarschloch." Geboren wird Gabriel 1959 in Goslar. Mit seiner Heimatstadt fühlt er sich bis heute stark verbunden: "Sobald ich auf der Heimfahrt aus dem Auto das Ortsschild Goslar sehe, sind viele Berliner Sorgen weit weg", schreibt Gabriel auf seiner persönlichen Website.

Von Goslar nach Berlin: Sigmar Gabriel

Gegen seinen Willen beim Vater aufgewachsen

Gabriels Eltern trennen sich, als er drei Jahre alt ist. Die ältere Schwester bleibt bei der Mutter, er selbst wächst gegen seinen Willen in den ersten zehn Lebensjahren bei seinem Vater und seiner Großmutter auf. Erst dann erhält seine Mutter das alleinige Sorgerecht und Gabriel zieht zu ihr. Auf seiner Website schreibt er später: "Sie wusste, dass Wissen der Schlüssel für ein gutes Leben ist. Deshalb achtete sie darauf, dass ich lerne und die Schule auch erfolgreich beendete." Gabriel absolviert nach zweijährigem Bundeswehrdienst ein Lehramtsstudium für die Fächer Deutsch, Politik und Soziologie an der Universität Göttingen.

Wichtigste politische Stationen Gabriels

1977: Eintritt in die SPD
1982-1987: Lehramtsstudium für Deutsch, Politik und Soziologie
1990-2005: Mitglied des Niedersächsischen Landtags
1994-1997: Innenpolitischer Sprecher der SPD-Landtagsfraktion
1998-1999: Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion
1999-2003: Ministerpräsident in Niedersachsen
2003-2005: Vorsitzender der SPD-Landtagsfraktion
seit 2005: Mitglied des Bundestags
2005-2009: Bundesumweltminister
2009-2017: Bundesvorsitzender der SPD
2013-2017: Bundesminister für Wirtschaft und Energie
2017-2018: Bundesaußenminister

Als "Siggi Pop" verspottet

1977 tritt Gabriel in die SPD ein, seine spätere Karriere in der Partei gleicht einer Achterbahnfahrt: Mit 40 Jahren wird er 1999 in Niedersachsen als jüngster Ministerpräsident Deutschlands gefeiert. Bei der Landtagswahl 2003 verliert die bis dahin allein regierende SPD unter Gabriel gegen die CDU unter der Führung von Christian Wulff ihre absolute Mehrheit und geht anschließend in die Opposition. Gabriel übernimmt das Amt des "Beauftragten für Popkultur und Popdiskurs" der SPD und wird als "Siggi Pop" verspottet.

Ansehen und Rückschläge als Bundesumweltminister

Von 2005 bis 2009 erwirbt sich Gabriel großes Ansehen als Bundesumweltminister, aber auch hier gibt es Rückschläge. Zum Beispiel, als er wegen angeblich überzogener Nutzung der Flugbereitschaft der Bundeswehr in die Schlagzeilen gerät. Nach dem Wahldebakel der SPD 2009 ist Gabriel einer der wenigen Gewinner seiner Partei. Grund: sein Einsatz gegen die von Union und FDP angekündigte Atomkraft-Laufzeitverlängerung. Im Anschluss schafft er es als Vorsitzender, die zerrütteten Sozialdemokraten zu einen.

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Gabriel: Karriere-Stopp nach Achterbahnfahrt

Ministerpräsident, SPD-Chef, Außenminister - und nun Bundestagsabgeordneter: Sigmar Gabriel wird nicht Teil der neuen Bundesregierung sein. Damit ist eine turbulente Polit-Karriere auf Halt gestellt. (08.03.2018) mehr

Vizekanzler und "Superminister"

Ende 2013 geht die SPD eine weitere Große Koalition mit CDU und CSU ein. Sigmar Gabriel wird Vizekanzler und "Superminister" für Wirtschaft und Energie. Dem in seiner Partei umstrittenen SPD-Chef - 2015 wird er mit nur 74,3 Prozent der Stimmen im Amt bestätigt - gelingen einige Erfolge: Er setzt das europäisch-kanadische Freihandelsabkommen CETA und seinen Genossen Frank-Walter Steinmeier als Kandidaten für das Bundespräsidentenamt durch und gilt als Retter Tausender Jobs beim Einzelhandelsunternehmen Kaiser's Tengelmann. Seine persönlichen Beliebtheitswerte liegen in Umfragen allerdings weit hinter denen von Kanzlerin Angela Merkel (CDU).

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Gabriel kandidiert nicht mehr für den Bundestag

Der frühere SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel will sich aus der Berliner Politik zurückziehen. Bei der Bundestagswahl 2021 will der 59-Jährige aus Goslar nicht mehr antreten. (26.05.2019) mehr

Verzicht auf Kanzlerkandidatur

Im Januar 2017 folgt die nächste überraschende Wendung im ereignisreichen politischen Leben des Sigmar Gabriel - er verzichtet auf Parteivorsitz und Kanzlerkandidatur und kündigt stattdessen an, als Nachfolger für den designierten Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier ins Auswärtige Amt zu wechseln. Gabriel geht in seinem neuen Job auf, doch im März 2018 ist klar: Er wird nicht Teil der neuen Bundesregierung sein. In einer Erklärung auf Twitter schreibt er, dass für ihn nun nach 18 Jahren die Zeit ende, in der er politische Führungsaufgaben für die SPD wahrgenommen habe: "Das war eine große Ehre, für die ich eine große Dankbarkeit empfinde." Bei der Bundestagswahl 2021 will er nicht mehr antreten.

"Musst Du wieder mal die Welt retten?"

Von 1989 bis 1998 ist Gabriel mit der türkischen Staatsbürgerin Munise Demirel, verheiratet. Aus dieser Ehe stammt seine erste Tochter. Seit 2012 ist er mit der Zahnärztin Anke Gabriel verheiratet, mit der er zwei weitere Töchter hat. Die Familie lebt in Goslar. Auf seiner Website schreibt Gabriel: "Wenn ich nach Berlin muss, fragt mich meine Frau manchmal spöttisch: 'Na, musst Du wieder mal die Welt retten? Hier zu Hause gäbe es auch genug zu tun!'"

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Sigmar Gabriel ist Ehrenbürger von Goslar

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 12.09.2019 | 13:00 Uhr

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