Stand: 02.02.2017 08:13 Uhr

Seit Mittwoch wird wieder Gülle ausgebracht

Die Landwirte in Niedersachsen dürfen wieder Gülle ausbringen. Am Mittwoch endete die festgelegte Sperrfrist für stickstoffhaltige Dünger, wie die Landwirtschaftskammer in Hannover mitteilte. Die Pause ist Teil der Düngeverordnung. Diese soll den Gebrauch und das Ausbringen von Gülle und Dünger regulieren, weil diese etwa der Grund für hohe Nitratwerte im Grundwasser sein sollen. In den Wintermonaten nehme die Vegetation kaum Nährstoffe auf, heißt es bei der Kammer. Betroffen von der Sperre betroffen sind Gülle, Jauche, Gärreste aus Biogasanlagen, Geflügelkot, stickstoffhaltige Mineraldünger sowie viele Klärschlämme.

Ein Acker mit Treckerspur.

Verlangt neues Düngerecht Bauern zu viel ab?

Hallo Niedersachsen -

Am Mittwoch endet die verhängte Sperrfrist für Düngemittel. Sie gelten als Ursache für hohe Nitratwerte im Grundwasser. Die neue Verordnung könnte viele Landwirte überfordern.

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"Boden muss aufnahmefähig sein"

Von der Sperrfrist ausgenommen ist hingegen Stallmist. Der darin enthaltene Stickstoff könne ohnehin erst bei höheren Temperaturen von der Natur aufgenommen werden, teilte die Landwirtschaftskammer mit. Grundsätzlich seien Düngezeitpunkt und Düngermenge so zu wählen, dass die Nährstoffe möglichst vollständig von den Pflanzen verwertet werden. "Bei Wassersättigung des Bodens, geschlossener Schneedecke oder dauerhaft gefrorenem Boden dürfen Gülle, Gärreste und andere stickstoff- und phosphathaltige Düngemittel nicht ausgebracht werden", so die Kammer. Verstöße würden als Ordnungswidrigkeit geahndet und führen zu Abzügen bei den Direktzahlungen, mit denen die EU die Landwirte unterstützt.

Was ist eigentlich Gülle?

Gülle besteht hauptsächlich aus Kot und Urin landwirtschaftlicher Nutztiere, vermengt mit Einstreu und Wasser. Das Gemisch wird als Wirtschaftsdünger eingesetzt. Dieser weist hohe Gehalte an gebundenem Stickstoff, Phosphor, Kalium und anderen Nährstoffen auf. Besonders viel Gülle fällt in der Schweine- und Rinderhaltung an. Problematisch ist eine Überdüngung von Böden. Diese wird für eine hohe Nitratbelastung des Grundwassers verantwortlich gemacht. Es gibt auch die Möglichkeit, Gülle vor dem Ausbringen energetisch zu nutzen. Gülle wird dabei in einer Biogasanlage durch Mikroorganismen abgebaut, dabei entsteht methanreiches Biogas. Dieses wird dann zur Erzeugung von Bioenergie verbrannt - übrig bleibt der Gärrest, der ebenfalls als Dünger eingesetzt wird.

Abstimmung über neues Gesetz verschoben

Wie viel Gülle und andere Düngemittel auf den Äckern im Land gespritzt werden darf, darüber wird seit Jahren gestritten. Der Grund: Der übermäßige Einsatz von Gülle und stickstoffhaltigem Dünger gilt als Hauptursache für hohe Nitratwerte im Grundwasser. Umweltschützer, aber auch die Wirtschaft hatten immer wieder Klarheit vom Bund angemahnt. Nach jahrelangem Ringen um strengere Regeln, einer Klage der EU-Kommission gegen Deutschland wegen anhaltend hoher Nitratwerte, ist der Weg für ein neues Düngerecht zum Schutz des Grundwassers frei. Die Abstimmung über die Novelle aber wurde von Mitte Januar auf Mitte Februar verschoben.

EU-Klage - "eine Ohrfeige"

"Die Klage der EU kommt einer Ohrfeige für den Bundesminister gleich", sagte Niedersachsens Agrarminister Christian Meyer (Grüne). Besonders in Niedersachsen gibt es viele Gebiete, deren Grundwasser mit Nitrat belastet ist: 60 Prozent der Messstellen meldeten im vergangenen Jahr einen Nitratgehalt, der über dem Grenzwert liegt. Bundesagrarminister Christian Schmidt (CSU) wird vorgeworfen, er verschleppe die Überarbeitung der Düngegesetzgebung in Deutschland. "Seit drei Jahren hängt die Umsetzung der Düngeverordnung in der Bundesregierung fest", so Umweltminister Stefan Wenzel (Grüne).

Nitrat im Wasser und die Folgen

Nitrat ist ein Salz, das aus Stickstoff und Sauerstoff besteht. Es ist natürlicher Bestandteil von Düngern, wie zum Beispiel Gülle. Überschüssiger Dünger landet im Grundwasser. Naturschutzverbände kritisieren, Landwirte würden ihre Pflanzen über Bedarf düngen, nach dem Prinzip "viel hilft viel". Die Bauern entgegnen, dass sie sich das gar nicht leisten könnten. Für den Menschen ist Nitrat selbst nicht toxisch, aber Bakterien wandeln es im Körper in krebserregende Stoffe um. Erwachsene verarbeiten ein gewisse Menge Nitrat. Säuglinge aber können von zu viel Nitrat sterben - die sogenannte Blausucht nimmt ihnen die Luft zum Atmen.

Weitere Informationen

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 31.01.2017 | 14:30 Uhr

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