Stand: 15.05.2020 11:49 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Schule in Corona-Zeiten: Fragen und Antworten

Philip Wessel, Lehrer an einem Gymnasium, bereitet die Tische in einem Klassenraum für die Öffnung der Schule vor. © dpa - Bildfunk Foto: Hauke-Christian Dittrich
Abstand halten ist Pflicht: Ein Lehrer räumt einen Klassenraum so um, dass die Schüler nicht zu dicht beieinander sitzen.

Unterricht in Zeiten des Coronavirus hat wenig mit dem üblichen Lernen und Trubel in Schulen zu tun. Wer Präsenzunterricht hat, wird von Klebebändern und Schildern durch das Gebäude geleitet und erhält klare Anweisungen, was er zu beachten hat. Im Klassenraum sitzen die Kinder und Jugendlichen einzeln und mit Abstand voneinander. Selbst für den Toilettenbesuch gibt es strenge Regeln.

Welche Nachteile hat der Unterricht aus Sicht der Schüler?

"Es hat sich größtenteils auf Frontalunterricht verschoben", sagt Florian Reetz, Vorsitzender des Landesschülerrats. "Mir fällt am schwersten, dass ich nicht mehr an einem Gruppentisch sitze und keine Gruppenarbeit mehr habe", sagt der 17-Jährige, der die 12. Klasse einer Gesamtschule in Braunschweig besucht. Insgesamt seien die Umstände schlechter als vor der Corona-Pandemie. Das soziale Miteinander und der Humor seien nicht mehr in gewohnter Form möglich. Aus Sicht des Landesschülerrats, in dem Schülerinnen und Schüler aller Schulformen außer der Grundschule Mitglied sind, geben sich die Lehrkräfte viel Mühe, das Beste aus der Situation zu machen.

Hat die neue Situation aus Schülersicht auch ihr Gutes?

"Not macht erfinderisch", sagt Florian Reetz. Besonders beim digitalen Lernen etwa mit Apps werde viel ausprobiert. Ein Vorteil der derzeitigen Situation sei, dass er ausgeschlafen zur Schule komme. "Einige Schulen starten mit dem Unterricht um 9 Uhr", sagt der Vorsitzende des Landesschüllerats, "ich bin ein großer Fan davon."

Wer darf zum Unterricht in die Schule?

Bislang werden in Niedersachsen je nach Schulform die Klassenstufen 13, 12 beziehungsweise 9/10 unterrichtet, da die Jugendlichen vor Abschlüssen stehen. An den Grundschulen dürfen die vierten Klassen zum Präsenzunterricht in die Schule. Alle anderen bekommen Aufgaben für zu Hause. Ab Montag folgen die Klassen 9/10 an den Gymnasien sowie die 3. Klassen der Grundschulen.

Wie geht es für die anderen Schüler weiter?

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Die 11. Klassen sollen am 25. Mai in die Schulen zurückkehren, die 2., 7. und 8. Klasse am 3. Juni und die 1., 5. und 6. Klasse am 15. Juni, wie Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) in einem Brief an Schulleiter und Lehrer schreibt. Um die Ansteckungsgefahr zu verringern, werden Klassen geteilt oder gedrittelt. Alle müssen mehr als früher zu Hause lernen. Lehrkräfte bieten Sprechstunden an. Der Schulalltag werde nicht wie früher sein, hieß es weiter.

Vor welchen Herausforderungen stehen die Lehrer?

Die Aufgaben und Belastungen für Lehrerinnen und Lehrer sind aus Sicht der Berufsverbände stark gestiegen. Kleine Gruppen und strenge Vorgaben zu Abstand und Hygiene erforderten mehr Personal für die Aufsicht. So darf jeweils nur eine Person zur Toilette. In den Pausen wird kontrolliert, ob alle Abstand voneinander halten. Mit wenigen Schülern sei das noch leistbar. Wenn allerdings die Hälfte der Kinder und Jugendlichen zum Unterricht komme, sei das nicht mehr zu schaffen, sagt der Vorsitzende des Verbandes Niedersächsischer Lehrkräfte VNL/VDR, Torsten Neumann.

Einige Lehrer gehören zur Risikogruppe, was bedeutet das?

Der Personalmangel wird sich auch deshalb weiter verschärfen, heißt es vom Verband Niedersächsischer Lehrkräfte. Lehrer, die zu einer Risikogruppe gehören, müssen aus dem Homeoffice arbeiten. Das Kultusministerium geht nach einer ersten Erhebung davon aus, dass rund 20 Prozent der Lehrkräfte nicht für den Präsenzunterricht zur Verfügung stehen.

Wie hoch sind die Anforderungen an die Schüler?

Aus Sicht von Bildungsorganisationen ist der Druck auf viele Schülerinnen und Schüler zu hoch. Jüngst forderten Landesschülerrat, Landeselternrat, Schulleitungsverband und die Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) auf, an den allgemein bildenden Schulen sämtliche Prüfungstermine bis auf das Abitur sofort zu streichen. "Wir haben keinen Normalzustand an den Schulen", sagt GEW-Landeschefin Laura Pooth. Die Schülerinnen und Schüler müssten das Erlebte erst einmal verarbeiten. "Deshalb ist es so wichtig, den Leistungsdruck raus zu nehmen."

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.05.2020 | 12:00 Uhr

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