Stand: 02.08.2018 14:12 Uhr

Schlechteste Getreideernte seit 1976 erwartet

Wegen Hitze und Trockenheit stehen Niedersachsens Landwirte vor ihrer schlechtesten Getreideernte seit 42 Jahren. Wie das Landesamt für Statistik (LSN) am Mittwoch mitteilte, wird für das Jahr 2018 eine Getreideernte von 4,69 Millionen Tonnen erwartet - ein Rückgang im Vergleich zum ebenfalls unterdurchschnittlichen Vorjahr von 22 Prozent. Weniger Getreide wurde demnach letztmals im ebenfalls sehr heißen und trockenen Sommer 1976 geerntet. Das Ausmaß der Dürre zeigen Satellitenbilder - wie dieser Vergleich aus der Region Hannover, aufgenommen vom Satelliten Sentinel 2. Das linke Bild stammt aus dem August 2017, das rechte zeigt die Region im Juli dieses Jahres.

Die Aufnahmen des Satelliten Sentinel 2 zeigt das Umland um Hannover © Copernicus Sentinel/ESA/dpa Die Aufnahmen des Satelliten Sentinel 2 zeigt das Umland um Hannover © Copernicus Sentinel/ESA/dpa

Alle Getreidearten sind betroffen

Beim sogenannten Brotgetreide prognostiziert das Landesamt sogar einen Rückgang in Höhe von 27,4 Prozent im Vergleich zu 2017. Beim Futtergetreide dürfte die Ernte demnach immer noch um 10,7 Prozent geringer ausfallen. Die schlechte Getreideernte hat dem Landesamt zufolge neben Hitze und Trockenheit noch eine weitere Ursache: Anhaltender Regen hatte im Herbst 2017 dazu geführt, dass das Wintergetreide teilweise nicht ausgesät werden konnte. Auch beim Raps gibt es laut LSN deutliche Einbußen von gut 25 Prozent. Zahlen für Mais, Kartoffeln, Zuckerrüben und Grünland gibt es laut LSN noch nicht.

Auch Grünkohl-Bauern haben Probleme

Bedroht von der lang anhaltenden Trockenheit ist auch die Grünkohlernte in Niedersachsen. So verzeichnen die Landwirte bei der Ernte der frühen Sorten bereits rund 30 Prozent geringere Erträge. Das teilte die Erzeugergemeinschaft ELO-Frost in Langförden im Landkreis Vechta auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen mit. Sie vertreibt rund 80 Prozent des niedersächsischen Tiefkühl-Grünkohls. Die Haupternte werde zwar künstlich bewässert, benötige aber für gute Erträge bis zur Monatsmitte dringend Regen.

Bauern erwarten Milliardenschaden

Der Deutsche Bauernverband (DBV) forderte am Mittwoch erneut schnelle finanzielle Unterstützung für die Landwirte. DBV-Präsident Joachim Rukwied sprach von einem "katastrophalen Ausmaß der Dürreschäden". Die Voraussetzungen für Finanzhilfen durch die Länder in den besonders betroffenen Regionen seien "klar erfüllt", erklärte Rukwied. Niedersachsens Landvolk-Präsident Albert Schulte to Brinke fordert am Dienstag von der Politik die Ausrufung des Notstands. Der Verband geht von einem finanziellen Schaden für die Bauern in Milliardenhöhe aus.


02.08.2018 10:49 Uhr

Anmerkung der Redaktion: Die Hektarerträge in der Grafik wurden zunächst in Tonnen angegeben. Das war nicht korrekt. Richtig ist die Angabe in Dezitonnen, also sogenannte Doppelzentner (100 Kilogramm). Wir haben den Fehler korrigiert.

 

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 01.08.2018 | 14:00 Uhr

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