Die St. Marien Kirche in Wangerland. © Kirchenbüro St. Marien Schillig

Ruhe, Glanz, Bescheidenheit: Ganz besondere Kirchen im Land

Stand: 03.04.2021 10:02 Uhr

Wie eine Welle geformt, mitten im Moor, einsam und verlassen: In Niedersachsen steht so manches außergewöhnliche Kirchen-Gebäude. Zu Ostern schaut der NDR in Niedersachsen in die Regionen.

Eine der ungewöhnlichsten Kirchen des Landes steht in Schillig im Landkreis Friesland. Direkt hinterm Deich. Es ist die katholische St. Marien-Kirche im Wangerland, die "Kirche am Meer". Besucht wird sie nicht nur von Mitgliedern der Gemeinde, sondern auch Urlauberinnen und Urlauber nutzen sie zur Andacht und zum Gebet. Aus dunklem Backstein-Klinker gemauert hat die Dachkonstruktion der modernen Kirche die Form einer Welle, die ans Ufer schwappt. Pastor Lars Bratke ist seit 2006 dort und hat den Neubau der Kirche begleitet. Entworfen wurde das Gotteshaus vom Kölner Architektenpaar König. Im Inneren der Kirche lässt das geschwungene Glasdach Licht in den Raum fluten.

Franziskaner gründen Konvent

Das Kloster Lage in Rieste. © Kloster Lage Foto: Andreas Murk
Mitte des 13. Jahrhunderts lebten hier Johanniter.

Im Kloster Lage in Rieste in der Nähe des Alfsees lebte einst ein Ritterorden, später auch einmal Hotelgäste, dann Nonnen. Diese zogen vor einem Jahr aus und das Bistum Osnabrück schaltete eine Anzeige: Neue Mieter wurden gesucht. Mittlerweile wohnt der Orden der Franziskaner-Minoriten in dem alten Gebäude im Landkreis Osnabrück. Dass die Franziskaner einen Konvent, also eine Klostergemeinschaft, gegründet haben, das lag bis zu diesem Zeitpunkt schon mehr als 60 Jahre zurück. "Das ist wirklich nur möglich, weil wir uns jetzt international aufstellen." Die deutsche Provinz alleine könne das nicht machen, ohne einen anderen Konvent zu schließen, erklärt Bruder Bernhardin. Die Gründung in Rieste ist also ein Novum. Für die Glaubensgemeinschaft "etwas sehr Schönes, ich finde das sehr bereichernd". Bruder Bernhardin ist als erster eingezogen. Seine drei Mitbewohner kommen aus Indien, Rumänien und Sambia und warten teils noch auf ihr Visum.

St. Bernhard am Hohen Hagen bei Dransfeld

Eine Glocke, ein Turm mit Kreuz, ein Altar. Die kleine Kapelle St. Bernhard auf dem Hohen Hagen bei Dransfeld im Landkreis Göttingen ist ein überschaubarer Bau. Genau genommen: ein Gartenpavillon aus dem Baumarkt, aber seit 2008 eine geweihte Kapelle. Sie liegt am Pilgerweg von Loccum nach Volkenroda. Wer die kleine Kapelle erreicht hat, ist zuvor für gewöhnlich an der 900 Jahre alten Klosterkirche in Bursfelde vorbeigekommen. Gerade dieser Weg, der beide Gebäude verbindet, ist auch besonders: Denn man komme aus dem tiefen Wald ab Bursfelde auf eine Lichtung zu, sagt Hubertus Menke, Wegewart in diesem Teil des Pilgerwegs. "Dann wird man gleich vom Blick erschlagen, vom Brocken bis zum Hohen Meißner, man sieht im Hintergrund den Hanstein, man sieht Schloss Berlebsch, man sieht das schöne Jühnde. Da treibt es einigen die Tränen in die Augen."

Sigwardskirche: Fresken, Ruhe und eine Kapelle im ersten Stock

Die Sonne scheint auf die Sigwardskirche in Idensen in Wunstorf. © NDR Foto: Johannes Avenarius
In Idensen steht die Sigwardskirche.

Die Sigwardskirche in Idensen (Region Hannover) lässt Besucherinnen und Besucher nicht nur den Alltag vergessen, sondern auch das aktuelle Jahrhundert. Zwischen den dicken Mauern des Gotteshauses ist die heutige Welt weit weg. Viele kommen wegen der Architektur und wegen der berühmten Fresken - aber gehen mit dem Eindruck einer überwältigenden Ruhe, heißt es. Bei den außergewöhnlichen Fresken ist es geradezu erstaunlich, dass eines der beliebtesten Fotomotive der Kirche eben nicht die Bilder, sondern eine völlig ausgetretene alte Treppe ist, die zu einer Kapelle im ersten Stock führt.

Eine Holzkirche für rumänisch-orthodoxe Christen

Die Rumänisch-orthodoxe Kirche in Sögel im Emsland. © NDR Foto: Hedwig Ahrens
Die Sonne glänzt auf den gold-gelben Holzschindeln.

In Sögel steht die einzige rumänisch-orthodoxe Kirche in Niedersachsen. Sie ist Anlaufpunkt geworden für viele der rund 8.000 rumänisch-orthodoxen Christen, die im Landkreis Emsland und in der Grafschaft Bentheim leben. Sie arbeiten auf Schlachthöfen, in Krankenhäusern oder auf der Meyer Werft. Das Gotteshaus ist ganz aus Holz gebaut, gold-gelb sind die Holzschindeln lackiert. Ein Metallkreuz ziert die Spitze eines rund 30 Meter hohen Holzturms. In Türen, Wände und Säulen des Gotteshauses sind Symbole wie Kreuze und Brote geschnitzt. Bänke gibt es nicht, nur einige Stühle. Die rumänisch-orthodoxen Gläubigen stehen bei der Messe - wie der Priester schauen sie dabei nach Osten.

Eine Kirche im Moor

Eine Kirche mit anliegendem Friedhof in Worpswede. © Gemeinde Worpswede
Mit ihrer weißen Turmspitze gibt die Zionskirche Orientierung.

Jürgen Christian Findorff war ein wichtiger Mann für die Region um Worpswede im Landkreis Osterholz. Er wurde als Moorkolonisator bekannt - derjenige also, der die Moore dort entwässerte. Er leitete den Bau der Zionskirche, ein Gotteshaus, das den Menschen in den verstreuten Moordörfern im Teufelsmoor einen Ort für ihre Gottesdienste werden sollte. Das ist nunmehr rund 270 Jahre her. Der schlichte Bau liegt auf dem Weyerberg, damit ein wenig erhöht. Und so diente die weiße Kirchturmspitze nicht nur den Torfschiffern als Orientierung. Von dort oben hat man einen weiten Ausblick über die Landschaft, der schon zwei junge Künstlerinnen 1900 verführte, auf ihrem Weg nach oben die Glocke zu läuten - verbotenerweise.

Ein großer Schmuckkasten in Wolfenbüttel

Die prachtvolle Barockkirche Beatae Mariae Virgini ist die Hauptkirche in Wolfenbüttel. Sie entstand 1608 als Ausrufezeichen, um den jungen Protestantismus auch baulich hervorzuheben. Dabei ist diese Kirche in der Wolfenbütteler Innenstadt alles andere als kühl-protestantisch. Das Kirchengebäude ist reich geschmückt mit Bildwerken, dem Prager Altar. Die Kirche dient vielen Menschen in der Stadt als großer Schmuckkasten, "wo man Besucher gerne hinführt und ihnen das Gebäude auch gerne zeigt", sagt Probst und Pastor Dieter Schultz-Seitz.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.04.2021 | 17:00 Uhr

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