Reimann fordert Corona-Impfungen für Lehrer und Erzieher

Stand: 21.02.2021 08:30 Uhr

Ginge es nach Niedersachsens Gesundheitsministerin Carola Reimann (SPD), sollten Lehrkräfte und Erzieher früher als geplant geimpft werden. Dazu muss der Bund die Impfverordnung ändern.

"Alle Öffnungsszenarien sehen eine hohe Priorität für den Bildungsbereich vor", sagte Reimann. Dementsprechend seien Lehrer und Erzieher neu einzugruppieren. "Die Landesregierung hat dies schon mehrfach auf Bundesebene vorgetragen, und ich hoffe sehr, dass die Impfverordnung des Bundes in diesem Sinne angepasst wird", sagte Reimann. Andere Länder wie Brandenburg und Bayern könnten mitziehen.

AstraZeneca-Serum bleibt liegen

Ein weiterer Grund für den Vorstoß sei, dass ein Großteil des AstraZeneca-Vakzins nicht verimpft werde. Betroffene verzichteten offenbar immer wieder auf ihre Termine, mutmaßlich aus Sorge vor Nebenwirkungen. Das niedersächsische Gesundheitsministerium gab an, bis Donnerstag von bisher gelieferten 73.000 Impfdosen des Herstellers AstraZeneca erst rund ein Drittel verbraucht zu haben. Das Serum ist für Menschen bestimmt, die jünger als 65 Jahre sind.

Schulleitungsverband fordert frühere Impfungen für Lehrkräfte

Dem Schulleitungsverband Niedersachsen geht das nicht schnell genug. Er beklagt fehlende Unterstützung aus dem Kultusministerium. "Es fehlt der große Wurf", sagte der Geschäftsführer Rene Mounajed. "Wir haben immer nur Tippelschritte." Das Infektionsrisiko sei dauerhaft hoch. Daher müssten Lehrkräfte eine höhere Impf-Priorität bekommen. Zunächst sollte das Personal an Grund- und Förderschulen geimpft werden, dann alle anderen, so Mounajed, der Schulleiter einer Gesamtschule ist. Darüber hinaus fordert der Schulleitungsverband die Absage von Abschlussprüfungen in den Sekundarstufen I und II. "Die Hygienekonzepte sind nicht ausreichend, um eine sichere Prüfung zu gewährleisten. Es sind Massen, die ins Haus kommen müssen. Wir täten gut daran, diese Dinge zu überprüfen", sagte Mounajed. Es könnten Durchschnittsnoten gebildet und freiwillige Prüfungsersatzleistungen herangezogen werden.

Rutschen auch Praxis-Ärzte in der Priorität hoch?

Neben Lehrkräften könnten demnach auch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte und deren medizinisches Personal früher geimpft werden. "Wir sind fast das einzige europäische Land, wo Ärzte noch warten müssen", hatte Thomas Buck, Vorstand der Ärztekammer Niedersachsen (ÄKN) unter der Woche kritisiert. Die ÄKN fordert, dass auch niedergelassene Ärzte bald impfen dürfen. Ab März könnte das Pilotprojekt starten, sofern sich die Kassenärztliche Vereinigung Niedersachsen und das Ministerium einigen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 20.02.2021 | 10:00 Uhr

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