Stand: 31.10.2018 16:44 Uhr

Reformationstag: Niedersachsen hatten erstmals frei

Bild vergrößern
Landesbischof Ralf Meister regt dazu an, am Reformationstag über notwendige Veränderungen nachzudenken.

In Niedersachsen sind am Mittwoch die Geschäfte geschlossen geblieben, der Lieferverkehr stand still. Erstmals war der Reformationstag in diesem Jahr gesetzlicher Feiertag in Niedersachsen. Auch Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein begingen den 31. Oktober erstmals als Feiertag. Der Tag "gibt uns Zeit und Raum, um über nötige Veränderungen nachzudenken", sagte der Landesbischof der Evangelisch-lutherischen Landeskirche, Ralf Meister. "Es geht um drängende Zukunftsfragen wie Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung." Die evangelische Kirche veranstaltet landesweit mehr als 100 Gottesdienste und Andachten - und dabei liegt ein Fokus auf dem Austausch mit Vertretern anderer Konfessionen.

Skulptur des Kopfes von Martin Luther

Reformationstag in Braunschweig und Hannover

Hallo Niedersachsen -

Zum ersten Mal ist der 31. Oktober ein gesetzlicher Feiertag in Niedersachsen. Vielerorts haben die Menschen Gottesdienste besucht. Doch nicht allen gefällt die neue Regelung.

3,08 bei 12 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

Feierlichkeiten zum Reformationstag - Auftakt in Hannover

Die größte Veranstaltung war in der Landeshauptstadt Hannover geplant. Sie begann Dienstagabend in der Marktkirche mit einem Dialog zu christlich-jüdischen Fragen. Landesbischof Meister diskutierte mit dem Rabbiner Dr. Gábor Lengyel von der Liberalen Jüdischen Gemeinde in Hannover. "Es hat in den letzten Jahren eine kritische Auseinandersetzung mit dem Antijudäismus Martin Luthers gegeben", sagte Meister. "Dieser Lernprozess wird fortgesetzt." Jüdische Vertreter hatten die Auswahl des neuen Feiertags stark kritisiert. Auch von anderen Seiten kamen Einwände. So wollten etwa die Grünen einen weltlichen anstelle eines religiösen Feiertags, eine Forderung, die vom Humanistischen Verband Deutschlands unterstützt wurde.

In diesen Bundesländern ist der Reformationstag frei

Mehrere Länder haben den Tag 2018 zum Feiertag gemacht:

  • Brandenburg, 3. Oktober 1990
  • Bremen, 20. Juni 2018
  • Hamburg, 28. Februar 2018
  • Mecklenburg-Vorpommern, 3. Oktober 1990
  • Niedersachsen, 19. Juni 2018
  • Sachsen, 3. Oktober 1990
  • Sachsen-Anhalt, 3. Oktober 1990
  • Schleswig-Holstein, 22. Februar 2018
  • Thüringen, 3. Oktober 1990
  • in Baden-Württemberg ist der Reformationstag kein Feiertag, aber schulfrei

 

"Fest der Begegnung" in Hannover landesweit größte Veranstaltung

Wichtig sei, so Meister, der überkonfessionelle Charakter der Feierlichkeiten. Der Tag sei geeignet, um "über die Zukunft unserer Gesellschaft" nachzudenken. Das 500. Reformationsjubiläum im Vorjahr sei "weltoffen, interreligiös und ökumenisch" begangen worden. Am Mittwoch führte Meister in der Marktkirche mit einem musikalischen Gottesdienst in den Reformationstag ein und leitete zum interkulturellen "Fest der Begegnung" über. Das Programm beinhaltete Musik, Lesungen und Gespräche. Landesweit feierten evangelische Gemeinden und Kirchen den Tag gemeinsam mit Vertretern anderer Konfessionen in Gottesdiensten, Andachten, Diskussionsveranstaltungen, Konzerten und kulturellen Events.

Videos
04:02
Hallo Niedersachsen

Künstler schafft 95 Bilder zu 95 Luther-Thesen

Hallo Niedersachsen

Vor 501 Jahren soll Martin Luther seine berühmten 95 Thesen an die Schlosskirche zu Wittenberg genagelt haben. Der Künstler Henning Diers hat 95 Bilder zu diesen 95 Thesen geschaffen. Video (04:02 min)

Ökumene: Bischof Wilmer predigt in Braunschweig

Der neue Bischof des Bistums Hildesheim, Heiner Wilmer, beging den Tag ökumenisch im Braunschweiger Dom. Dort hielt der katholische Bischof die Predigt des Festgottesdienstes. Mit dem Reformationstag als Feiertag könne er gut leben. "Ich sehe das ganz entspannt", sagte der 57-Jährige, der im vergangenen Jahr schon in der evangelischen Kirche Roms predigte.

Reformationstag setzt sich durch - nach hitzigen Debatten

Der Niedersächsische Landtag hatte den Reformationstag erst am 18. Juni 2018 in einer Abstimmung zum neuen Feiertag bestimmt. Vorausgegangen war eine kontroverse Diskussion zwischen Politik, Konfessionen, Verbänden und Gesellschaft. Es setzte sich der Vorschlag der rot-schwarzen Landesregierung unter Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) durch. Die Nachbarländer Bremen, Hamburg und Schleswig-Holstein führten den Reformationstag 2018 ebenfalls als neuen Feiertag ein. Zum 500. Reformationsjubiläum 2017 war der Tag einmalig bundesweit als Feiertag begangen worden.

Videos
03:32
Hallo Niedersachsen

Pastorenfamilie: Seit Luther im Kirchendienst

Hallo Niedersachsen

Martin Sundermann im ostfriesischen Ostrhauderfehn ist Pastor in 15. Generation: Seit 1529 steht seine Familie im Dienst der evangelischen Kirche. Doch nun endet die Dynastie. Video (03:32 min)

Feiertage: Das ist wichtig für Arbeitnehmer

  • An gesetzlichen Feiertagen gilt ein Beschäftigungsverbot nach Paragraf 9 Arbeitszeitgesetz (ArbZG).
  • Ausnahmen gelten für Polizei, Feuerwehr, Rettungsdienste, Krankenhäuser und Gaststätten.
  • Einzig der 3. Oktober ist bundeseinheitlich geregelt.
  • Alle Arbeitnehmer haben unabhängig von der Betriebszugehörigkeit und Stundenvereinbarung Anspruch auf Feiertagsvergütung - wenn es sich um einen regulären Arbeitstag gehandelt hätte.
  • Kein Anspruch besteht, wenn der Tag aufgrund einer Freischicht oder eines Streiks ausgefällen wäre.
  • Wer einen Tag vor oder nach dem Feiertag unentschuldigt fehlt, hat keinen Anspruch auf die Feiertagsvergütung.
  • Wer an einem gesetzlichen Feiertag arbeitsunfähig erkrankt, erhält Entgeltfortzahlung nach dem Feiertagsgesetz.
  • Ein Feiertag darf nicht auf den Urlaub angerechnet werden. Fällt er in einen Urlaubszeitraum, hat der Betroffene Anspruch auf Freistellung und Feiertagsbezahlung.

Das sind die Feiertage in Niedersachsen 2019

  • Neujahr, Dienstag, 1. Januar
  • Karfreitag, Freitag, 19. April
  • Ostermontag, Montag, 22. April
  • Tag der Arbeit, Mittwoch, 1. Mai
  • Christi Himmelfahrt, Donnerstag, 30. Mai
  • Pfingstmontag, Montag, 10. Juni
  • Tag der Deutschen Einheit, Donnerstag, 3. Oktober
  • Reformationstag, Donnerstag, 31. Oktober
  • 1. Weihnachtsfeiertag, Mittwoch, 25. Dezember
  • 2. Weihnachtsfeiertag, Donnerstag, 26. Dezember

Unternehmerverbände kritisieren zusätzlichen Feiertag

Nicht alle Institutionen sind glücklich über einen weiteren arbeitsfreien Tag. "Der zusätzliche Feiertag in Niedersachsen stellt einen Wettbewerbsnachteil für die Wirtschaft im Land dar", sagte Volker Müller, Geschäftsführer der Unternehmerverbände Niedersachsen. Eine Milliarde Euro werde pro Werktag in Niedersachsen umgesetzt. Zudem müssten kleine Betriebe Personal bezahlen, könnten aber die verlorenen Einkünfte nicht aufholen. "Wenn wir wirtschaftlich stärkere Länder einholen wollen, sollten wir eher mehr arbeiten als weniger." Betroffen sei vor allem der Logistikverkehr zwischen Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen, da im Nachbarland am 1. November ebenfalls Feiertagsfahrverbot herrsche.

Weitere Informationen

Neuer Feiertag: Am Anfang ein Wahlversprechen

2017 war der Reformationstag zum Luther-Jubiläum ausnahmsweise Feiertag. Anschließend entschieden die Länderparlamente im Norden, dass es dauerhaft so sein soll. Ein Rückblick. mehr

Kirche im NDR

Lessings Ringparabel symbolisiert Reformation

Kirche im NDR

Reformation kann in allen drei großen Religionen eine Rolle spielen - nicht nur in der evangelischen. Eine Antwort auf die Frage nach der Wahrheit des Glaubens gibt Lessings Ringparabel. mehr

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 31.10.2018 | 19:30 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

00:56
Niedersachsen 18.00
01:51
Niedersachsen 18.00
04:42
Hallo Niedersachsen