Stand: 23.04.2019 20:07 Uhr

Pflegedienste bekommen rückwirkend mehr Geld

Nach monatelangen Verhandlungen haben sich die Trägerverbände der Pflegedienstleister mit den Krankenkassen über die Vergütung der häuslichen Krankenpflege geeinigt. Der Vergleich sieht vor, dass die Vergütung der häuslichen Pflege in Niedersachsen rückwirkend zum 1. Januar 2018 um 2,97 Prozent und zum 1. Januar 2019 um weitere 2,56 Prozent angehoben wird. Außerdem steigt die Wegpauschale um rund 20 Prozent. Bei der ambulanten Altenpflege wird ab Mai 2,56 Prozent mehr gezahlt, die Wegepauschalen erhöhen sich um 18 Prozent. Die Einigung betrifft rund 200 Pflegedienste von Arbeiterwohlfahrt, Caritas, Diakonie und kommunalen Sozialstationen.

Diakonie fordert weitere Verbesserungen

Die Trägerverbände gaben sich auch nach dem Kompromiss weiter kämpferisch. Die vereinbarten Sätze seien zwar ein erster Schritt in die richtige Richtung, sagte der Vorstandssprecher der Diakonie in Niedersachsen, Hans-Joachim Lenke. Allerdings würden trotz der Verbesserungen die Arbeit und insbesondere die Wegezeiten noch immer nicht angemessen entlohnt. Lemke betonte, dass zusätzliche Verbesserungen zwingend notwendig seien. Von Entspannung könne noch keine Rede sein.

"Kleine Atempause" für die Pflege

Auch die Caritas bezeichnete den Vergleich lediglich als "kleine Atempause" für die ambulante Pflege. Die Situation bleibe sehr angespannt, da die strukturellen Probleme noch nicht gelöst seien, sagte der Direktor des Caritasverbandes der Diözese Osnabrück, Franz Loth. Er mahnte daher ebenfalls weitere Verbesserungen an. "Wir benötigen eine andere Form der Refinanzierung, damit die Arbeit auch langfristig gesichert ist", so Loth. Noch im März hatten die Diakonie und Arbeiterwohlfahrt mit ihrem Ausstieg aus der ambulanten Pflege gedroht und die Vergütungen der Pflegekassen als realitätsfern bezeichnet.

Vergütung für Anfahrt ist strittig

Besonders strittig ist die Vergütung der Wegpauschalen, die in diesem Jahr erstmals separat verhandelt wurden. Bisher bekommen die Dienstleister lediglich eine dreiminütige Anfahrt bezahlt, obwohl die Fahrt von Tür zu Tür durchschnittlich sechs Minuten dauert - in ländlichen Regionen sogar deutlich länger. Selbst in den Städten würden Wartezeiten an Ampeln und Parkplatzsuche die Kalkulation oft hinfällig machen.

Krankenkassen loben Einigung

Die Krankenkassen dagegen halten die Einigung für ausreichend. "Wir sind bis an die Grenze des Vertretbaren gegangen, um die Auseinandersetzung zu befrieden", sagte ein Sprecher. Die Pflegedienste könnten nun die Tarifverträge einhalten und ihre Kosten decken. Die Einigung basiert auf einem Vergleichsvorschlag der Schiedsstelle. Die Anbieter und die Kassen verhandeln jedes Jahr neu. Wegen der weit auseinander liegenden Vorstellungen konnten sich die Parteien aber erst jetzt einigen, wie die 2018 entstandenen Kosten von den Kassen übernommen werden.

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 23.04.2019 | 18:00 Uhr

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