Leere Stühle stehen in der St. Michaelis Kirche in Hildesheim. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Ostern: Gottesdienste vor Ort oder doch online?

Stand: 24.03.2021 14:26 Uhr

Nach den Beschlüssen der Bund-Länder-Runde vom Montag sollen die Kirchen in Niedersachsen am Osterfest leer bleiben. Dagegen hatte sich bei den Kirchen heftiger Widerstand geregt.

An den Beschlüssen vom Montag - unter anderem der "Osterruhe" - hatte es auch von evangelischer wie von katholischer Seite viel Kritik gegeben. Unterdessen hat Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) die Idee eines verschärften Lockdowns über die Feiertage wieder zurückgezogen. Das dürfte allerdings keine Auswirkungen auf die Versammlungsregelungen hinsichtlich möglicher Oster-Gottesdienste haben.

Offenbar Redebedarf mit den Kirchen

Zum Thema Oster-Gottesdienste hatte sich Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) am Dienstag noch nicht auf eine endgültige Absage der Oster-Gottesdienste festlegen wollen. "Darüber werden wir jetzt erstmal mit den Kirchen und Glaubensgemeinschaften reden", sagte Weil. "Wir wissen ja, dass das ein besonderes Feld ist. Deshalb wollen wir erst sprechen, bevor wir entscheiden."

Bischöfe verweisen auf Hygienkonzepte

Die niedersächsischen Bischöfe hatten auf die Forderung nach einem Verzicht auf Präsenz-Gottesdienste an Ostern verwundert reagiert. "Wir sind irritiert darüber, aus den Medien erfahren zu müssen, dass die Kirchen gebeten sind, von Gründonnerstag bis Ostermontag ausschließlich digitale Gottesdienste zu halten", teilten die Konföderation evangelischer Kirchen in Niedersachsen und das Katholische Büro Niedersachsen mit. Seit Wochen würden die Gemeinden die Gottesdienste vorbereiten, hieß es. Dazu gebe es detaillierte Hygienekonzepte, die auch strikt angewandt würden. "Im Sinne der Eigenverantwortlichkeit der Kirchen ist es unser Ziel, im Rahmen der bisherigen Regelungen der niedersächsischen Corona-Verordnung auch über Ostern Gottesdienste sowohl präsentisch als auch digital zu feiern", so die Bischöfe.

Meyns rechnet mit Präsenz-Gottesdiensten

Der braunschweigische Landesbischof Christoph Meyns erklärte, er gehe nach aktueller Lage davon aus, dass in den Kirchen im Braunschweiger Land zu Karfreitag und Ostern Präsenz-Gottesdienste trotz der gegenteiligen Empfehlung gefeiert werden könnten. Ostern sei der höchste christliche Feiertag und von zentraler Bedeutung für Christinnen und Christen, betonte Meyns. Die Gemeinden vor Ort könnten am besten selbst einschätzen, ob ein Gottesdienst sicher gefeiert werden könne.

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Katholische Laien: "Das ist kein Leichtsinn"

Auch die katholischen Laien dringen auf Präsenz-Gottesdienste an den Osterfeiertagen. "Die Sorgen der Pandemie werden auch die Gottesdienste zu Ostern berühren, sie sind alles andere als unwichtig", sagte der Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken (ZdK), Thomas Sternberg, dem "Redaktionsnetzwerk Deutschland". In den nun geplanten Gesprächen der Kirchen mit Bund und Ländern müsse deutlich werden, dass die Öffnung der Kirchentüren zu Ostern etwas anderes ist als die Öffnung irgendwelcher Geschäfte. "Das ist kein Leichtsinn, sondern verantwortungsvoll unter Wahrung strenger Regeln möglich", so Sternberg.

Abendmahl per Zoom

Viele Gemeinden bereiten derweil bereits digitale Angebote für die Osterfeiertage vor. Gottesdienste sollen gestreamt werden und Gläubige per Videokonferenz zusammenkommen. "Es gibt Gemeinden, die über Zoom ein Abendmahl zu Hause anbieten", sagte der Sprecher der evangelisch-lutherischen Kirche in Oldenburg, Dirk-Michael Grötzsch. Über Videokonferenzplattformen wie Zoom sei es möglich, dass Gläubige zum Beispiel Gebetswünsche einschicken. Mit digitalen Angeboten könnten die Gemeinden auch kirchenferne und jüngere Menschen erreichen, so Grötzsch. Eine große Bandbreite von Menschen will die Kirche in Oldenburg auch mit dem selbst produzierten Osterfilm "Auf der Suche nach dem leeren Grab" erreichen, der auf einem Lokalsender und Youtube gezeigt wird.

Hannoversche Landeskirche plant Open-Air-Gottesdienste

Auch die evangelisch-lutherische Landeskirche Hannover setzt auf Digital-Angebote. Unter dem Motto "Osterfunken" finden Interessierte im Internet Informationen rund um Ostern sowie Hinweise auf Veranstaltungen. Bei Gottesdiensten über Videokonferenzportale wie Zoom stehe die direkte digitale Begegnung im Vordergrund, sagte Sprecher Benjamin Simon-Hinkelmann. Open-Air-Gottesdienste sind demnach vor Kirchen und an Karfreitag auch auf Friedhöfen geplant.

Hoffnungsleuchten in Lüneburg, Bischof in Osnabrück online

Das katholische Bistum Osnabrück überträgt die Feiertags-Gottesdienste mit Bischof Franz-Josef Bode im Internet. Auch im katholischen Bistum Hildesheim werden Gottesdienste per Stream ins Internet gestellt. "Pfarrgemeinden gehen mit der Herausforderung kreativ um", sagte Sprecher Volker Bauerfeld. Hoffnung will die evangelisch-lutherische Hauptkirche St. Johannis in Lüneburg ausstrahlen, die in der Passionszeit besonders beleuchtet wird. Das blaue Hoffnungsleuchten soll bis Ostern andauern, Kraft in der Pandemiezeit geben und an die Opfer erinnern.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 24.03.2021 | 14:00 Uhr

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