Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza und Innenminister Boris Pistorius bei einem Pressestatement zum Lagebericht Organisierte Kriminalität 2019. © dpa Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Organisierte Kriminalität: Zahl der Verfahren 2019 gestiegen

Stand: 23.11.2020 13:28 Uhr

Organisierte Kriminalität spielt bei den Ermittlungen von Polizei und Justiz in Niedersachsen eine immer größere Rolle. 2019 ermittelte die Polizei in 52 Verfahren - das sind neun mehr als 2018.

Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius (SPD) stellte das "Lagebild Organisierte Kriminalität 2019" am Montag zusammen mit Justizministerin Barbara Havliza (CDU) vor. Die Zahl der Verfahren sei um 20 Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen, sagte Pistorius. Insgesamt habe die Polizei gegen 478 Tatverdächtige ermittelt. "Jedes dieser Verfahren ist ein Erfolg für den Rechtsstaat gegen kriminelle Strukturen, die von den handelnden Personen mit hoher krimineller Energie bewusst abgeschottet und teils hochprofessionell gestaltet werden", sagte Pistorius. Das Lagebild sei deshalb ein Nachweis für die hervorragende Arbeit der Polizistinnen und Polizisten in diesem Bereich der Kriminalität. Derzeit seien in Niedersachsen so viele Mitarbeiter mit der Bekämpfung der Organisierten Kriminalität befasst wie nie zuvor, sagte Pistorius. "Diese Investition zahlt sich aus, zur Sicherheit von uns allen."

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Polizei und Justiz geben im Gemeinsamen Lagebild 2019 einen Überblick zur organisierten Kriminalität in Niedersachsen. Download (668 KB)

81 Täter wurden verurteilt, ihr Geld wurde eingezogen

Neben den 52 Verfahren, in denen die niedersächsische Polizei ermittelte, gab es noch zwölf zusätzliche Ermittlungskomplexe des Bundes, in denen niedersächsische Staatsanwaltschaften federführend ermittelten. Somit gab es insgesamt 64 Verfahren - bei 29 davon ging es um den Handel mit und den Schmuggel von Betäubungsmitteln. Auch 2018 machten diese Delikte den Großteil der Verfahren aus. Der zweite große Bereich waren Eigentumsdelikte wie Wohnungseinbrüche und Geldautomatensprengungen. Die Ermittlungen und die juristische Aufarbeitung der Fälle beschäftigte auch die Justiz. So wurden im vergangenen Jahr 32 Strafverfahren vor Gericht abgeschlossen und 81 Täter verurteilt. In fast jedem Fall entschieden die Richter, dass das Vermögen der Angeklagten eingezogen wird. Daraus resultierte ein Gesamtwert von fast fünf Millionen Euro.

Herausforderung: Täter nutzen Digitalisierung

Nach Angaben des Innen- und Justizministeriums machen sich die Täter die Möglichkeiten der Digitalisierung immer mehr zunutze. Polizei und Justiz müssen daher den Umgang mit großen Datenmengen sowie mit virtuellen Währungen und genutzter Verschlüsselungs- und Anonymisierungssoftware bewältigen. Die Ermittler greifen deshalb verstärkt auf Fachkräfte und wissenschaftliche Expertise zurück. Bei der niedersächsischen Polizei arbeiten laut Pistorius inzwischen mehr als 60 Finanz-IT-Experten, die das Vermögen der Gruppen aufspüren sollen. In diesem Jahr wurden in Niedersachsen außerdem vier Schwerpunktstaatsanwaltschaften gegen Clan-Kriminalität eingerichtet.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 23.11.2020 | 12:00 Uhr

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