Thomas Pfleiderer, Landesbeauftragter für Opferschutz. © NDR Foto: Sina Schuldt

Opferschutzbeauftragter sichert künftig schnellere Hilfe zu

Stand: 02.06.2021 21:16 Uhr

Nach Katastrophen, Anschlägen und Unglücken sollen betroffene Menschen in Niedersachsen schneller und unbürokratischer Hilfe bekommen. Das kündigte der Landesbeauftragte für Opferschutz an.

Thomas Pfleiderer hat einen Notfallplan für diese Fälle vorgelegt. Am Mittwoch übergab er die Ergebnisse seiner rund eineinhalbjährigen Amtszeit an Justizministerin Barbara Havliza (CDU). "Der Opferschutzbeauftragte hat die notwendigen Vorkehrungen getroffen, damit im Ernstfall sehr schnell und kompetent geholfen werden kann", sagte Havliza.

Havliza: Opfer fühlen sich oft alleingelassen

Erfahrungen aus anderen Bundesländern hätten gezeigt, dass dies besonders wichtig sei. Häufig fühlten sich Opfer nach Großschadensereignissen erst einmal alleingelassen, so Havliza weiter. Bei sogenannten Großschadensfällen, etwa einem Zugunglück oder einem Amoklauf, soll Betroffenen künftig ein zentrales Beratungstelefon zur Verfügung stehen, teilte Pfleiderer mit. Mehrere Anrufe könnten so gleichzeitig von qualifizierten Fachkräften angenommen werden.

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Bei Terroranschlägen ist Bund zuständig

An diesem Telefon sollen Opfer und Angehörige einen Ansprechpartner für alle Fragen haben - neben psychologischer Hilfe auch Antworten auf Fragen zum Beispiel zu finanzieller Unterstützung. Als weitere Vorhaben nannte der Landesbeauftragte für Opferschutz die Einrichtung von Runden Tischen für Betroffene oder die zentrale Organisation für Gedenkveranstaltungen. Im Terrorfall sei in der Regel der Bund für die Koordinierung des Opferschutzes zuständig, Pfleiderer unterstütze dann.

Landesbeauftragter arbeitet ehrenamtlich

Der Opferschutz ist in Niedersachsen dezentral organisiert. Das heißt, Opfer schwerer Straftaten und ihre Angehörigen können sich zum Beispiel an die elf Regionalbüros der Stiftung Opferhilfe oder an den Weißen Ring wenden. Der Landesbeauftragte für Opferschutz fungiert dabei als zentrale Anlaufstelle. Sein Team leistet Erstberatung und leitet Betroffene an geeignete Unterstützungssysteme weiter. Pfleiderer, der früher als leitender Staatsanwalt tätig war, arbeitet ehrenamtlich.

Nach Angaben der Justizministerin befanden sich im vergangenen Jahr etwa 2.400 Opfer von Straftaten in Beratung, davon rund 1.650 erstmalig.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 02.06.2021 | 15:00 Uhr

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