Stand: 17.03.2020 20:22 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

"Obst- und Gemüseanbau steht auf der Kippe"

Ein Erntehelfer mit blauen Handschuhen am Spargelfließband. © NDR
Spargelanbauer beschäftigen jedes Jahr Erntehelfer aus Osteuropa. Diese seien nicht zu ersetzen, sagt Fred Eickhorst, Geschäftsführer der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen.

Um das neuartige Coronavirus einzudämmen, gelten strikte Reisebeschränkungen. Spargelanbauer fordern Lösungen, damit osteuropäische Erntehelfer dennoch kommen dürfen. NDR.de hat mit Fred Eickhorst gesprochen. Er ist Geschäftsführer der Vereinigung der Spargel- und Beerenanbauer in Niedersachsen.

Welchen Herausforderungen müssen sich die Spargelanbauer derzeit durch die Verbreitung des neuartigen Coronavirus stellen?

Fred Eickhorst: Wir müssen dringend dafür sorgen, dass die Höfe ausreichend Erntehelfer beschäftigen können. Im Moment ist es den angelernten Helfern aus verschiedenen osteuropäischen Ländern nicht möglich, durch Transitländer wie Ungarn und Österreich einzureisen. Grundsätzlich steht damit der Obst- und Gemüseanbau auf der Kippe.

Wie schnell muss das Problem gelöst werden?

Eickhorst: Die Spargelernte beginnt in den nächsten Tagen. Es müssen hier also schnell auf politischem Wege Lösungen gefunden werden.

Im Moment steht der Vorschlag im Raum zu versuchen, Menschen aus der Gastronomie, die derzeit keine Arbeit haben, zu vermitteln. Wie bewerten Sie das?

Eickhorst: Die Arbeit auf den Spargelfeldern erfordert qualifizierte, angelernte Helfer. Das ist eine schwere und körperlich sehr fordernde Arbeit. Bisher kommen über viele Jahre dieselben Arbeiter auf die dieselben Höfe.

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Also lehnen Sie den Vorschlag, Mitarbeiter aus der Gastronomie zu beschäftigen, eher ab?

Eickhorst: Ich bin dankbar für jeden Ansatz und jede Unterstützung. Aber aus meiner Sicht sind die osteuropäischen Erntehelfer nicht zu ersetzen. Wir sollten lieber darüber nachdenken, ob wir Gastronomiearbeiter nicht möglicherweise bei der Auslieferung und beim Verkauf einsetzen könnten. Denn möglicherweise fallen auch hier Mitarbeiter durch Krankheit aus. Vor allem aber haben den Verkauf etwa von Spargel und Erdbeeren an den Ständen oft Rentner übernommen, für die diese Arbeit jetzt ein Gesundheitsrisiko darstellen kann.

Was sollen denn Erntehelfer in diesem Jahr verdienen?

Eickhorst: Durchschnittliche Helfer arbeiten im Akkord während der Ernte sechs Tage am Stück. Sie bekommen den gesetzlich vorgeschriebenen Mindestlohn von 9,35 Euro die Stunde. Wir möchten aber den besonders erfahrenen Helfern und denen, die etwas mehr Verantwortung übernehmen, etwa Vorarbeitern, zwischen 12 und 15 Euro die Stunde zahlen.

Das Gespräch führte Oda Lambrecht

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 17.03.2020 | 18:00 Uhr

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