Stand: 11.09.2017 11:57 Uhr

Küstenländer wollen Offshore-Windkraft ausbauen

Die Energie- und Wirtschaftsminister der deutschen Küstenländer, Branchenverbände und die IG Metall Küste haben am Montagmorgen in Cuxhaven den sogenannten Cuxhavener Appell 2.0 unterzeichnet. Darin fordern sie von der Bundesregierung bessere Rahmenbedingungen für die Offshore-Windbranche in Deutschland. Ein Hauptanliegen in dem Elf-Punkte-Plan, der vom niedersächsischen Wirtschaftsminister Olaf Lies (SPD) erarbeitet wurde, ist es, die Deckelung für die Offshore-Windenergieleistung wieder anzuheben. Außerdem werden unter anderem Förderprogramme, beschleunigte Planungsverfahren, ein Ausbau der landseitigen Stromnetze und der öffentlichen Hafeninfrastruktur sowie Unterstützung beim Bau von Errichterschiffen gefordert. Schon 2013 war eine Erklärung zur Bestandssicherheit für Offshore-Projekte verabschiedet worden. Der Naturschutzbund Deutschland (NABU) kritisierte die Haltung der norddeutschen Bundesländer allerdings. Er befürchtet Umweltschäden.

Offshore-Windenergie: Deckelung soll aufgehoben werden

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Der "Cuxhavener Appell 2.0" im Wortlaut

Vertreter der Küstenländer und der Windenergie-Branche haben den "Cuxhavener Appell 2.0" unterzeichnet. Den kompletten Elf-Punkte-Plan finden Sie hier zum Download. Download (374 KB)

2014 hatte die Bundesregierung die Ausbauziele für Offshore-Windenergie von 25 auf 15 Gigawatt bis zum Jahr 2030 heruntergesetzt, weil die Anlagen teuer waren und der Bund hohe Subventionen zahlen musste. Diese Begründung würde mittlerweile nicht mehr greifen, heißt es in dem neuen Appell. Vor dem Hintergrund der jüngsten Ausschreibungsergebnisse müsse der Deckel angehoben werden. Die Unterzeichner fordern ein Ausbauziel von mindestens 20 Gigawatt in Nord- und Ostsee bis 2030 und mindestens 30 Gigawatt bis 2035. Die Windenergie-Erzeugung werde immer günstiger, sagt Andreas Wagner, Geschäftsführer der Stiftung Offshore-Windenergie. "Ab Mitte des nächsten Jahrzehnts werden auf der Nordsee Windparks ans Netz gehen, die keine öffentliche Förderung mehr benötigen", so Wagner. Deshalb solle die Bundesregierung den harten Deckel für den Ausbau der Offshore-Anlagen anheben. Außerdem erhielten bei der ersten Ausschreibung von Offshore-Anlagen im Mai dieses Jahres Projekte den Zuschlag, die zum Teil ohne öffentliche Förderung auskommen und sich allein über den Markt finanzieren wollen. Mehr Windkraft würde Wagners Ansicht die Kosten zudem weiter senken.

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IG Metall warnt vor Abbau von Arbeitsplätzen

"Wir brauchen einen stärkeren Ausbau der Windkraft, um die Klimaschutzziele zu erreichen, aber auch um Beschäftigung und Standorte in Deutschland zu sichern", sagte der Bezirksleiter der IG Metall, Meinhard Geiken. "Es ist erfreulich, dass sich alle Unterzeichner in dem Ziel einig sind, Arbeitsplätze zu guten tariflichen Bedingungen mit langfristiger Perspektive aufzubauen und zu sichern." Die gemeinsamen Anstrengungen seien dringend nötig, da sich die Aussichten in der Windkraftindustrie erheblich verschlechtert hätten. Das habe eine von der IG Metall durchgeführte Befragung unter Betriebsräten ergeben. Demnach würde in knapp einem Viertel der Unternehmen mit einem Beschäftigungsabbau gerechnet.

Nordex streicht Hunderte Stellen

Ein aktuelles Beispiel ist der Windkraftanlagenhersteller Nordex, der aufgrund sinkender Nachfrage insgesamt 500 Stellen streichen will. Betroffen sind davon auch die Standorte in Hamburg und Rostock (Mecklenburg-Vorpommern). Von den rund 1.400 Mitarbeitern in den beiden Betriebsstätten in Rostock könnten bis zu 100 betroffen sein, sagte ein Unternehmenssprecher. Für Hamburg liegen bisher keine konkreten Zahlen vor. Die IG Metall befürchtet, dass durch den Stellenabbau in den Betrieben wichtiges Know-how verloren gehen könnte.

Mehr Energie aus Offshore-Anlagen

In Nord- und Ostsee gibt es derzeit mehr als 1.000 Windkraftwerke. Sie produzieren gut 4,7 Gigawatt Strom - etwa so viel wie vier große Atomkraftwerke. Ende August hatte der Netzbetreiber Tennet bekannt gegeben, dass die Stromerzeugung der Windparks in der deutschen Nordsee im ersten Halbjahr 2017 um 50 Prozent gestiegen und gemessen an den Kosten je Megawattstunde auch günstiger geworden sei. Das wären gute Neuigkeiten für die Stromkunden, die aktuell noch Strom aus Nord- und Ostsee mit bis zu 14,5 Cent je Kilowattstunde über den Strompreis subventionieren.

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Dieses Thema im Programm:

Aktuell | 11.09.2017 | 12:00 Uhr

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