Nitratbelastung: Land setzt auf regionalisierte Lösung

Stand: 15.03.2021 21:39 Uhr

Die niedersächsische Landesregierung will im Kampf gegen die Überdüngung des Bodens stärker auf regionalisierte Lösungen setzen.

Ziel sei eine wirklich verursachergerechte Ausweisung der mit Nitrat belasteten Gebiete, sagte Umweltminister Olaf Lies (SPD) am Montag in Hannover. Geplant sei die Einführung eines mehrphasigen Modells. Es solle bis November eine Regionalisierung in den Teilen des Landes geben, in denen das Grundwasser zu stark mit Nitrat belastet ist. "Uns eint ein Grundwasserschutz, der prioritär ist und auf der anderen Seite dafür sorgt, dass der landwirtschaftliche Betrieb, der nicht Verursacher ist, auch nicht zum Betroffenen wird", sagte Lies.

Überarbeitung nach massivem Protest

Im Kabinett soll das Modell Ende des Monats verabschiedet werden. Zunächst geht es aber in die Verbandsanhörung. Nach der Düngeverordnung müssen Landwirte in Gebieten mit einer hohen Nitratbelastung, den sogenannten roten Gebieten, ihre Düngung reduzieren. Sie müssen 20 Prozent unter dem Bedarf der Pflanzen bleiben, was geringere Erträge zur Folge hat. Aufgrund massiver Proteste der Landwirte hatten Landesumwelt- und -Agrarministerium zugesagt, die Verordnung über die Ausweisung dieser Gebiete nochmals zu überarbeiten.

Lies: "Teil der Messstellen bleibt"

Ein Beirat aus Landwirtschaftsvertretern, Fachbehörden und der Wasserwirtschaft begleite den Prozess, sagte Lies. Eine Arbeitsgruppe dieses Gremiums habe sich auch mit der Kritik an den Messstellen beschäftigt, die aus der Landwirtschaft gekommen sei. Ein Teil dieser Messstellen bleibe, weil in diesen Bereichen tatsächlich erhebliche Probleme mit der Wasserqualität gebe.

Weniger Flächen betroffen

Mit 24,5 Prozent gehört aktuell ein Viertel der landwirtschaftlichen Flächen zu den "roten Gebieten"; noch vor Weihnachten war von 31 Prozent die Rede. Insbesondere im Nordosten und im Süden des Landes seien deutlich weniger Flächen betroffen als im ersten Entwurf. Im Nordwesten habe auch eine Aktualisierung von Klimadaten dazu geführt, dass einzelne Flächen herausgefallen seien. Auch der Grünlandanteil habe sich verringert - von ursprünglich drei sei er nun auf weniger als einem Prozent gefallen.

Landvolk begrüßt Ankündigung

Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) sagte, dass Wasser ein langes Gedächtnis habe. "Die Generation, die jetzt auf den Höfen wirtschaftet, badet im Grunde genommen das aus, was vor 30, 40, 50 Jahren je nach Gebiet, auf dem man wirtschaftet, unten angekommen ist." Daher müssen den Landwirten die Möglichkeit gegeben werden, mit einzelbetrieblichen Nährstoffberichten aus einem "roten Gebiet" wieder herauszukommen. Das Landvolk Niedersachsen begrüßte die Ankündigung der Minister. Damit werde die Forderung nach Regionalisierung erfüllt, sagte Präsident Holger Hennies.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.03.2021 | 16:00 Uhr

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