Niedersächsisches Landvolk wählt neuen Präsidenten

Stand: 03.12.2020 07:07 Uhr

Albert Schulte to Brinke ist bei der Wahl zum Landvolk-Präsidenten nicht mehr angetreten. Die zwei Kandidaten, deren Stimmen heute ausgezählt werden, sind bekannte Gesichter im Verband.

von Rüdiger Strauch

Die Zeichen stehen auf Kontinuität. Eine Richtungsentscheidung haben die 200 wahlberechtigten Delegierten nicht gefällt. Denn zur Wahl standen zwei Kandidaten, die sich in Ansichten und Stil ähneln. Weder Holger Hennies noch Jörn Ehlers setzt auf Konfrontation wie einst Landvolk-Präsident Werner Hilse, der mit markigen Worten die Ansichten missliebiger Politiker anprangerte. Die beiden derzeitigen Vizepräsidenten Hennies und Ehlers lassen keinen Zweifel daran, dass sie antreten, um ihre Positionen durchzusetzen. Dies wollen sie nach eigenen Angaben aber als Teamplayer erreichen, die andere einbinden und sich guten Argumenten nicht verschließen. Einige Unterschiede gibt es aber doch.

Für Hennies gehören Ökonomie und Ökologie zusammen

"Abwartend, eher ruhig und nachdenklich", so beschreibt sich Holger Hennies aus Schwüblingsen in der Gemeinde Uetze (Region Hannover) selbst. In den monatelangen Verhandlungen über den "Niedersächsischen Weg" konnten Politiker und Umweltverbände aber auch erfahren, wie hartnäckig der 50-jährige promovierte Agrarwissenschaftler sein kann. Hennies gilt aufseiten des Landvolks als wesentlicher Architekt der Vereinbarung zwischen Landwirten, Naturschützern und Politikern. Das erst kürzlich unterzeichnete, bundesweit einmalige Abkommen über mehr Umwelt- und Naturschutz ist das Pfund, mit dem Hennies im Wahlkampf um die Landvolk-Präsidentschaft wuchern konnte. Ökonomie und Ökologie müssen seiner Ansicht nach in Einklang gebracht werden. "Wenn wir Landwirte die ökologischen Ziele nicht erfüllen, dann haben wir keine Berechtigung, hier zu produzieren", sagt er. Das sehen auch besonders junge Landwirte so.

Ehlers will mehr finanzielle Sicherheit für Landwirte

Jörn Ehlers aus Holtum in der Gemeinde Kirchlinteln (Landkreis Verden) ist anders als Hennies weniger präsent in den Medien. Auf Fragen, die Hennies in schnellen Sätzen und pointiert beantwortet, findet Ehlers die nach vielen Seiten hin abgewogene Antworten. Es überrascht eher, wenn er davon spricht, er könne schon mal deutlich werden, wenn ihm Dinge gegen den Strich gehen. Für ihn gehöre es dazu, die Meinung der anderen zu hören, letztlich will Ehlers als möglicher Landvolk-Präsident aber "nicht ewig diskutieren, sondern dann auch mal entscheiden". Dem 48-Jährigen geht es vor allem darum, die wirtschaftliche Existenz der Landwirte zu sichern. Tierschutz sei wichtig, müsse sich aber auch rechnen, damit die Familien ihr Auskommen haben. "Als Präsident wäre es mein Ziel, dass die Position der Landwirte gestärkt wird, dass wir wieder einen höheren Anteil an der Wertschöpfung haben", sagt Ehlers und denkt an den Preisdruck, den Discounter und Lebensmitteleinzelhandel auf die Landwirte ausüben.

Stimmen wurden per Briefwahl eingereicht

Auch wenn Hennies und Ehlers unterschiedliche Schwerpunkte haben, sind ihre Ziele für eine mögliche Präsidentschaft beim Landvolk dieselben: Landwirte sollen wieder mehr Perspektiven bekommen. Und: Das Landvolk soll verlässlicher Partner der Politik bleiben. Wem der beiden die Delegierten in der Briefwahl die meisten Stimmen gegeben haben, zeigt sich bei der Auszählung am Donnerstag.

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