Stand: 15.01.2018 22:11 Uhr

Niedersachsen startet Aktion gegen Katzenschwemme

Niedersachsen hat ein Katzenproblem. Rund 200.000 Tiere leben nach Schätzungen des Landwirtschaftsministeriums in freier Wildbahn. Viele von ihnen sind krank, ausgehungert, die meisten nicht kastriert. Die Folge: Die Streuner vermehren sich unkontrolliert weiter. Um dieser Entwicklung einen Riegel vorzuschieben, startet das Land ein Tierschutzprojekt: Von Montag an bis zum 15. März können freilebende Katzen, die keinem Besitzer zuzuordnen sind, kostenlos beim Tierarzt kastriert und registriert werden.

Projekt zur Eindämmung von streunenden Katzen

Das Angebot richtet sich nach Angaben eines Ministeriumssprechers in erster Linie an ehrenamtliche Betreuer von Futterstellen sowie Tierheim-Mitarbeiter. Privatpersonen dürfen die Tiere nur dann zur Kastration bringen, wenn sie schriftlich bestätigen, dass es sich um wilde Katzen handelt. Das Landwirtschaftsministerium fördert das Projekt mit 200.000 Euro, zudem steuern der Deutsche Tierschutzbund sowie sein Landesverband und die Tierschutzorganisation Tasso jeweils 15.000 Euro bei.

65.000 Hauskatzen nicht kastriert

Doch nicht nur frei lebende Katzen sind schuld an der Katzenschwemme. Nach Angaben von Tasso sind in Niedersachsen rund 380.000 Hauskatzen registriert. Etwa 65.000 von ihnen sind nicht kastriert. Die Landestierschutzbeauftragte Michaela Dämmrich appelliert deshalb auch an die Katzenhalter: Sie sollen ihre Tiere per Mikrochip durch den Tierarzt kennzeichnen lassen und rechtzeitig vor dem ersten Freigang kastrieren lassen. Die Kosten hierfür werden durch das aktuelle Projekt allerdings nicht übernommen.

"Hat lange genug gedauert"

Bei den Tierheimen stößt der Vorstoß auf positive Resonanz. "Wir platzen aus allen Nähten", sagt etwa Monika Hachmeister vom Tierheim in Bückeburg. Es sei Zeit geworden, dass endlich was passiert. Ähnlich äußert sich Jutta Schneider von der Tierauffangstation in Bad Nenndorf. "Ich freue mich sehr. Es hat lang genug gedauert", sagt sie. Für Jörg Wechenberger vom Tierheim in Hameln hätte die Aktion viel früher kommen müssen. "Wenn man das ein, zwei Jahre früher gemacht hätte, dann wären sicherlich viele Tierheime entlastet gewesen."

Kastrationspflicht in vielen Gemeinden

100.000 Euro stellte das Land nach Angaben der Tierschutzbeauftragten 2016 zur Verfügung, um Katzen kastrieren zu lassen. Für die Pflege von Tieren müssten jedoch die Kommunen aufkommen. Zahlreiche Städte und Gemeinden in Niedersachsen haben daher mittlerweile eine Kastrationspflicht durchgesetzt. Katzenhalter, die ihren Tieren Zugang ins Freie geben, werden darin verpflichtet, diese von einem Tierarzt kastrieren zu lassen. Der Deutsche Tierschutzbund hat eine Liste der Städte und Gemeinden veröffentlicht, in denen die Kastrationspflicht gilt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 10.01.2018 | 14:00 Uhr

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