Luftaufnahme einer sogenannten Grünbrücke: Über eine Autobahn führt eine begrünte Brücke. © picture alliance/dpa Foto: Thomas Frey

Niedersachsen hinkt beim Bau von Grünbrücken hinterher

Stand: 24.10.2020 08:12 Uhr

Autobahnen durchtrennen Lebensräume von Tieren und Pflanzen. Spezielle Brücken sollen helfen, doch deren Bau kommt kaum voran.

von Katharina Seiler

Die Folgen der durchschnittenen Lebensräume: Die Tiere und Pflanzen können keine neuen Gebiete besiedeln und ein unkontrollierter Wildwechsel gefährdet den Straßenverkehr. Deshalb hatte die Bundesregierung bereits 2012 ein Bundesprogramm zur Wiedervernetzung von Lebensräumen gestartet: Sogenannte Grünbrücken sollen es den Tieren erleichtern, Autobahnen und Bundesstraßen zu überqueren. Zwölf Grünbrücken hatte die Bundesregierung 2012 für Niedersachsen als vordringlich in das Programm geschrieben. Doch nur acht werden bis Ende des Jahres verwirklicht sein. Das geht aus einer Antwort des Bundesverkehrsministeriums auf eine Anfrage der Bundestagsfraktion der Grünen hervor, die NDR 1 Niedersachsen vorliegt.

Vorgesehene Grünbrücken fliegen aus dem Plan

Verwirklicht werden konnten unter anderem Grünbrücken an der A7 im Zuge des sechsspurigen Ausbaus von Salzgitter bis zum Dreieck Drammetal in Südniedersachsen. Die von der Bundesregierung als ebenso notwendig angesehenen Grünbrücken an der A2 aber, außerdem an der A7 nördlich von Hannover und an der A31 bei Emden, werden vom Bundesverkehrsministerium in der schriftlichen Antwort nicht mehr erwähnt.

Umweltschützer, Jäger und ADAC für Brücken

Dabei halten nicht nur der Naturschutzbund (NABU), sondern auch der deutsche Jagdverband und der ADAC die Grünbrücken für wertvolle Korridore, um Lebensräume zu vernetzen und Wildunfälle zu vermeiden. Schon vor drei Jahren hatten sie deshalb in einem gemeinsamen Appell von der Bundesregierung gefordert, das Programm zur Wiedervernetzung auszubauen. Mindestens ein Prozent der Investitionen, die für die Bundesfernstraßen vorgesehen sind, sollten grundsätzlich für den Bau von Grünbrücken ausgegeben werden, heißt es in dem Appell.

Kritiker: Regierung stellt nicht genug Geld bereit

Die Finanzierung ist nach Einschätzung von Till Hopf vom NABU der Hauptgrund, warum der Ausbau nicht vorankommt. Eine Grünbrücke zu bauen, kostet zwischen zwei und fünf Millionen Euro. Kosten, für die der Bund keine gesonderten Gelder vorsehe - ein Fehler des Bundesprogramms, findet Hopf. Deshalb fordert auch der haushaltspolitische Sprecher der Grünen, der niedersächsische Bundestagsabgeordnete Sven-Christian Kindler, dass das Bundesverkehrsministerium mehr und gesondertes Geld für Grünbrücken bereitstellen sollte. Für Niedersachsen fordert er konkret von der Bundesregierung in den kommenden zehn Jahren mindestens zehn Millionen Euro. Das Bundesverkehrsministerium dagegen sagt auf Anfrage von NDR 1 Niedersachsen, es sehe keinen Anlass, extra Geld für den Bau von Grünbrücken zur Verfügung zu stellen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 25.10.2020 | 09:00 Uhr

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