Rolf Jantz, der zu der Community der "Naturgucker" gehört, fotografiert mit einer App auf seinem Smartphone einen Baumstamm im Landkreis Celle, um den Baum zu bestimmen. © dpa-Bildfunk Foto: Moritz Frankenberg

Niedersachsen erkundet Welt der Tiere und Pflanzen per App

Stand: 14.05.2021 11:01 Uhr

Die Corona-Pandemie treibt Menschen in Niedersachsen zunehmend in die Natur. Dort werden sie mit Wissen konfrontiert, das vielfach verloren gegangen ist - dem Wissen über Flora und Fauna des Landes.

Smartphone-Apps bieten nun vermehrt die Möglichkeit, dieses Wissen zurückzugewinnen oder zu vertiefen. Programme ähnlich der Gesichtserkennung helfen dabei, per Foto Pflanzen und Tiere zu identifizieren und zu bestimmen. Tausende Menschen nutzen beispielsweise die Vogelwelt-App des Naturschutzbundes (NABU), um ihre Beobachtungen für die Zähl-Aktion "Stunde der Gartenvögel" zu übermitteln. In der Community naturgucker.de werden Apps ebenfalls zur Erfassung und Meldung von Beobachtungen verwendet. Das Projekt "Flora Incognita" ist vom Bundesumweltministerium gefördert und hilft, Blüten, Blätter und Stengel zuzuordnen.

"Interesse an Insekten ist enorm gestiegen"

Die Community naturgucker.de zählt zurzeit über 96.000 Aktive. Sie sind über eine Internet-Plattform vernetzt. Das Team von naturgucker.de hat bisher etwa 15 Apps entwickelt, unter anderem sei man an der Entwicklung der neuen NABU-App Insektensommer beteiligt, sagt Gaby Schulemann-Maier, Sprecherin von naturgucker.de. "Das Interesse an Insekten ist enorm gestiegen. Die Leute fahren total auf Wildbienen ab." Die neue NABU-App wird Erkennungshilfen und Porträts von mehr als 450 Arten enthalten und soll im Juni erscheinen.

Für Naturschutz: Beobachtungsort verbergen

Wer in der Corona-Zeit die Natur für sich entdeckt, muss allerdings eine Reihe von Regeln beachten. So dürfen zum Beispiel in Naturschutzgebieten die Wege nicht verlassen werden. Zum Schutz empfindlicher Tier- und Pflanzenarten kann im System von naturgucker.de der genaue Beobachtungsort auch verborgen werden, um etwa Störungen von brütenden Vögeln oder sogar Straftaten zu verhindern. Im Landkreis Holzminden waren im vergangenen Jahr wiederholt streng geschützte wildwachsende Orchideen ausgegraben und gestohlen worden. Der Diebstahl streng geschützter Pflanzen sei eine Straftat, die mit Freiheits- oder Geldstrafe geahndet werden könne, hatte der Landkreis mitgeteilt.

65-Jähriger kartiert Biotope im Landkreis Celle

Rolf Jantz, der zu der Community der "Naturgucker" gehört, kartiert mit seinem Smartphone Pflanzen und Tiere am Hüttensee im Landkreis Celle. © dpa-Bildfunk Foto: Moritz Frankenberg
Rolf Jantz ist Teil der "Naturgucker"-Community.

Einer, der diese Regeln gut kennt, ist Rolf Jantz aus Wathlingen im Landkreis Celle. Früher hat der 65 Jahre alte Pensionär Biotope mit Zettel, Stift und Landkarte kartiert. Heute ist er mit Fotoapparat und Mobiltelefon unterwegs. Ganz vertraut er noch nicht auf die Technik. Viele Arten bestimme er zu Hause mit Büchern. Die gängigen Apps seien noch zu ungenau, sagt der Banker im Ruhestand. Jantz ist am liebsten im Moor oder an Gewässern unterwegs. Infolge des Klimawandels verändere sich das Verhalten der Zugvögel, erzählt er. Auch bei Insekten gebe es eine Verschiebung der Verbreitungsgrenze nach Norden. "Wenn man selbst zu den Bestandskarten und zur Kenntnis über die Verbreitung beiträgt, ist das schon ein Erfolgserlebnis", sagt der 65-Jährige.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.05.2021 | 11:00 Uhr

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