Stand: 19.09.2018 19:31 Uhr

Neues Jagdgesetz zum Schutz gegen Schweinepest?

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Wild- und Hausschweine sterben schon nach wenigen Tagen an der Afrikanischen Schweinepest.

Der Ausbruch der Afrikanischen Schweinepest in Belgien sorgt für Beunruhigung in Niedersachsen. Der Krankheitserreger wird mutmaßlich vor allem über Speisereste übertragen, die oftmals von Wildschweinen gefressen werden, zum Beispiel auf Raststätten oder Parkplätzen. So stecken sich die Wildtiere an, die deshalb stärker bejagt werden sollen. Der niedersächsische Agrarausschuss hat am Mittwoch über eine entsprechende Änderung des Jagdgesetzes diskutiert. Falls die Seuche in Deutschland ausbricht, könnte dies Schäden für Schweinehalter in Milliardenhöhe bedeuten.

Abschüsse auch vom Auto aus

Um die Population der Wildschweine klein zu halten, soll mit dem neuen Jagdgesetz die Abschussquote erhöht werden und notfalls auch Muttertiere erlegt werden dürfen. Außerdem darf vom Auto aus auf das Schwarzwild geschossen werden, zum Beispiel bei der Maisernte. Dies soll jedoch nur gelten, wenn die Seuche wirklich in Deutschland ausbricht.

Ausbruch in Belgien und Osteuropa

Ende vergangener Woche ist die Seuche in Belgien bei fünf Wildschweinen nachgewiesen worden. Laut des Friedrich-Loeffler-Institutes für Tiergesundheit gibt es in Europa mehr als 5.000 nachgewiesene Fälle der Afrikanischen Schweinepest. Betroffen waren bislang das Baltikum, Polen, Tschechien, Ungarn, Rumänien, Bulgarien und die Ukraine. Begonnen hatte der Seuchenzug 2007 in Georgien am Schwarzen Meer. Es wird vermutet, dass der Erreger durch Speiseabfälle von einem Schiff aus Afrika nach Osteuropa gebracht wurde.

Sorge in Niedersachsen besonders groß

Der Ausbruch etwa 60 Kilometer vor der Deutschen Grenze alarmiert besonders Bauern in Niedersachsen. Landwirtschaftsministerin Barbara Otte-Kinast von der CDU wertete die Entdeckung als eine Bedrohung für Niedersachsen direkt vor der Haustür. Im Land werden rund acht Millionen Schweine gehalten. Sollte die Seuche in Deutschland nachgewiesen werden, würde dies für die Agrarbetriebe schwere finanzielle Einbußen bedeuten. Nicht nur für den direkten Verkauf in Deutschland, sondern auch für den Export von Schweinefleisch. In Niedersachsen wird dreimal so viel  Schweinefleisch produziert, wie im Land konsumiert wird. Abnehmerländer würden jedoch sofort Importstopps verhängen, sollte die Seuche in Deutschland nachgewiesen werden.

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Schweinepest: Halter in Alarmbereitschaft

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Die Afrikanische Schweinepest rückt vor nach Westeuropa: Dass die Tiersuche bei toten Wildschweinen in Belgien entdeckt wurde, beunruhigt Landwirte im nahen Niedersachsen. Video (03:12 min)

Für den Menschen ungefährlich, für Tiere tödlich

Die Afrikanische Schweinepest ist für Haus- und Wildschweine eine tödliche Gefahr. Nach einer Infektion sterben die Tiere nach wenigen Tagen. Es handelt sich bei der Seuche um eine Infektionskrankheit, die sich über Wildschweine verbreitet. Sie kann aber auch über verseuchte Speisereste, Viehtransporter oder Stallkleidung übertragen werden. Für Menschen ist die Krankheit ungefährlich.

Tierschützer sind gegen verschärftes Jagdgesetz

Die Tierschützer des Landesverbandes des Deutschen Tierschutzbundes haben sich gegen eine Verschärfung der Jagdgesetze ausgesprochen. Der jüngste Ausbruch in Belgien zeige, dass nicht die Tiere, sondern vor allem der Mensch für die Verbreitung der Seuche verantwortlich sei, sagte Dieter Ruhnke vom Tierschutzbund. Auch Marie Daniéle Sange vom Institut für Wildtierforschung der Tierärztlichen Hochschule Hannover wies daraufhin, dass in Tschechien die private Jagd auf Wildschweine wenig zur Eindämmung der Afrikanischen Schweinepest beigetragen habe.

 

Weitere Informationen

Otte-Kinast: Schweinepest ist "handfeste Bedrohung"

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 19.09.2018 | 18:00 Uhr

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