Stand: 23.05.2019 09:09 Uhr

Neue Pläne für Wolf-Abschuss polarisieren

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Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf beschlossen, der den Abschuss von Wölfen erleichtern soll. (Archiv)

Nachdem die Bundesregierung am Mittwoch einen Gesetzentwurf für einen einfacheren Abschuss von Wölfen beschlossen hat, fallen die Reaktionen in Niedersachsen unterschiedlich aus. Während Tierschützer von "Ausrottung" sprechen, befürworten Nutztierhalter den Vorstoß. So befürchtet Thomas Mitschke vom Naturschutzbund (NABU) Lüneburg gar, der Wolf könnte so langfristig erneut ausgerottet werden. Der Vorsitzende des Verbands Lüneburger Heidschnuckenzüchter, Carl Wilhelm Kuhlmann, begrüßt den Schritt der Bundesregierung hingegen. Allerdings bleibt auch er skeptisch. Erst wenn Taten folgten, glaube er an dessen Erfolg.

"Ernste Schäden" reichen künftig aus

Bisher durfte ein Wolf nur geschossen werden, wenn ein Nutztierhalter durch ihn "in seiner Existenz bedroht" wurde. Künftig genügen "ernste Schäden". Außerdem musste nach alter Rechtslage eindeutig geklärt werden, welcher Wolf genau für die Risse verantwortlich war. Nach dem neuen Gesetz dürfte der Abschuss auch dann erfolgen, wenn nicht klar ist, welches Tier genau zugebissen hat. Das könne auch bedeuten, dass ein ganzes Rudel geschossen wird, so lange die Risse nicht aufhören. Nach wie vor muss der Abschuss von den Landesbehörden genehmigt werden. Aktuell liegt in Niedersachsen für den Leitwolf aus dem Rodewalder Rudel eine Abschussgenehmigung vor.

Rodewalder Bürgermeisterin für regionale Betrachtung

Die Bürgermeisterin von Rodewald, Katharina Fick (Wählergruppe im Rat der Samtgemeinde Steimbke) fordert hingegen einen regionalen Ansatz bei dem Thema. "Man muss das regional betrachten. Und da gibt es in Deutschland Regionen, die sind extrem betroffen und es gibt Regionen, die haben überhaupt keine Wölfe." Der deutsche Jagdverband fordert zudem, den Wolf ins Jagdgesetz aufzunehmen und seinen europäischen Schutzstatus zu senken. Niedersachsens Grüne lehnen den Beschluss aus Berlin ab. Damit würde das Ende des Wolfes eingeleitet, so die Landesvorsitzende Anne Kura. Sie spricht sich dafür aus, Schutzzäune für die Weidetierhalter besser zu fördern.

Beide Seiten für mehr Unterstützung beim Herdenschutz

Darüber sind sich auch Mitschke und Kuhlmann einig. Sie fordern ebenfalls weitergehende Unterstützung bei der Verbesserung des Herdenschutzes. Laut Mitschke sind mehr als 80 Prozent der bisher gerissenen Nutztiere ungeschützt gewesen. Seiner Meinung nach ist das neue Gesetz vor allem wirtschaftlich motiviert: Abschießen sei einfacher als Herdenschutz, der Geld koste und aufwendig sei.

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Minister Lies hält Entwurf für "sinnvoll"

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Dieses Thema im Programm:

Niedersachsen 18.00 | 22.05.2019 | 18:00 Uhr

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