Besucher stehen an der Einlasskontrolle für ein Konzert. © picture alliance/dpa/dpa-Zentralbild Foto: Britta Pedersen

Neue Corona-Regeln: Niedersachsen erlaubt Großveranstaltungen

Stand: 16.07.2021 11:44 Uhr

Seit heute gilt in Niedersachsen eine neue Corona-Verordnung. Eine wesentliche Änderung betrifft Großveranstaltungen, die ab einer Inzidenz von unter 35 wieder erlaubt sind - unter Auflagen.

Voraussetzung für eine solche Veranstaltung mit mehr als 5.000 Besuchenden ist eine Zulassung durch das Gesundheitsamt im jeweiligen Landkreis oder der kreisfreien Stadt. Möglich sind laut Claudia Schröder, der Vize-Chefin des Corona-Krisenstabs der Landesregierung, sowohl Veranstaltungen unter freiem Himmel als auch in geschlossenen Räumlichkeiten. Die Zuschauerzahl ist auf maximal 25.000 oder 50 Prozent der Zuschauerkapazität des jeweiligen Veranstaltungsortes begrenzt. Die Regeln für Großveranstaltungen hätten die Bundesländer gemeinsam abgestimmt und einstimmig beschlossen, sagte Schröder. Abgesehen von eventuell kleinen Veränderungen werden die Regeln demnach deutschlandweit gleich sein.

Alkohol ist in Maßen erlaubt

Vorgesehen ist auch, dass die Besuchenden einer Veranstaltung ein negatives Corona-Testergebnis oder ihre vollständige Impfung oder Genesung nachweisen. Darüber hinaus müssen Veranstaltende laut Schröder sicherstellen, dass die Gäste den Mindestabstand zueinander einhalten können - etwa über eine Schachbrettbelegung der Sitzplätze, aber auch bei der Ankunft vor der Veranstaltung, nach deren Ende sowie in den Sanitärbereichen. Auch müssen sie darauf achten, dass die Gäste nicht übermäßig viel Alkohol konsumieren. Die Chefs der Staatskanzleien der Bundesländer hätten zwar auch über ein generelles Alkoholverbot nachgedacht, sagte Schröder. Dies sei aber als unrealistisch und unverhältnismäßig eingeschätzt worden. Deshalb stehen die Veranstaltenden in der Pflicht, darauf zu achten, dass keiner der Gäste so alkoholisiert ist, dass er sich nicht mehr an das Hygienekonzept hält.

Keine Maskenpflicht mehr am Arbeitsplatz

Weitere Änderungen in der Corona-Verordnung betreffen die Wochenmärkte. Dort können bei einer Sieben-Tage-Inzidenz unter 10 nicht nur die Kunden, sondern auch die Verkäuferinnen und Verkäufer ihre Mund-Nasen-Bedeckung abnehmen. In Arbeits- und Betriebsstätten kann ebenfalls auf eine Mund-Nasen-Bedeckung verzichtet werden - das Land setzt hierbei die Veränderungen der Arbeitsschutz-Verordnung des Bundes um. Und in Tagespflegeeinrichtungen sollen künftig Abstandsregeln und Maskenpflicht für Besucherinnen und Besucher entfallen, wenn alle Anwesenden vollständig geimpft oder genesen sind. Allerdings müssen sich Besucherinnen und Besucher von Heimen künftig schon ab einer Sieben-Tage-Inzidenz von 10 testen - ausgenommen sind Geimpfte und Genesene. Bislang waren Tests erst ab einem Wert von 35 verpflichtend.

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Verordnung gilt über die Sommerferienzeit

Abgesehen von diesen Punkten gelten weiterhin auch die aus der vorherigen Verordnung bekannten Regelungen samt dem Stufenplan - und zwar über die Sommerferienzeit bis zum 3. September. "In der Urlaubsphase ist es ein hohes Gut, dass man weiß, was auf einen zukommt, wenn man zurückkommt", sagte Schröder. In diesem Zusammenhang appellierte sie noch mal an alle Niedersachsen, sich vor dem Urlaub impfen zu lassen. Sollte es notwendig werden, werde die Verordnung auch vorzeitig angepasst. Etwa in dem Fall, dass "die Inzidenz völlig aus dem Ruder gerät, sich die Krankenhaussituation anders entwickelt als erwartet" oder wenn es mit dem Impftempo so schnell vorangeht, dass Mitte August schon eine Herdenimmunität erreicht sei. Letzteres schloss Schröder jedoch aufgrund der zu knappen Zeit aus. Aktuell sind in Niedersachsen 61 Prozent der Menschen einmal geimpft und davon 43 Prozent zweifach. Fachleute schätzen, dass eine Herdenimmunität bei einer Impfquote von etwa 85 Prozent erreicht ist.

Behrens: Inzidenz, Impfungen und Intensivbelegung als Parameter

Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) sprach sich am Donnerstag im Interview mit dem NDR in Niedersachsen dafür aus, künftig nicht mehr die Inzidenz als einzigen Maßstab für Corona-Maßnahmen heranzuziehen. Auch die Belegung in den Intensivstationen und die Impfquote seien von Bedeutung. "Diese drei Werte zusammen bilden im Grunde die Gefährdungslage ab und werden sicherlich im Herbst die wesentlichen Parameter sein, die wir zugrunde legen", so die Gesundheitsministerin.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.07.2021 | 12:00 Uhr

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