Nahostkonflikt: Hunderte Menschen bei Demos in Niedersachsen

Stand: 15.05.2021 18:30 Uhr

Hunderte Menschen sind am Sonnabend in Niedersachsen anlässlich des Nahost-Konflikts auf die Straßen gegangen. Die meisten protestierten gegen die Politik Israels.

In Hannover demonstrierten nach Polizeiangaben in mehreren Stadtteilen insgesamt etwa 800 Menschen. Unter dem Titel "Gegen Unterdrückung und die ethnische Säuberung der Palästinenser" zogen Protestler vom Kröpcke zum Steintor. Laut einem Polizeisprecher sei es zwar "sehr laut" gewesen, Zwischenfälle habe es aber keine gegeben. Bereits am Mittag hatten in der Stadt rund 30 Menschen gegen die israelische Politik protestiert. Auch die Kundgebung im Stadtteil Linden verlief ohne Zwischenfälle. Ebenfalls am Nachmittag wandten sich etwa 50 Teilnehmer einer Kundgebung auf dem Opernplatz gegen Antisemitismus und forderten Solidarität mit Israel.

800 Protestierende in Osnabrück

In Osnabrück demonstrierten nach Polizeiangaben 800 Menschen unter dem Titel "Gegen die Vertreibung der Palästinenser aus Ost-Jerusalem". Die Versammlung bewegte sich durch die Möserstraße und über den Neumarkt zur Abschlusskundgebung am Ledenhof. Die Polizei bilanzierte hier ebenfalls einen friedlichen Verlauf. Und auch in Osnabrück gab es eine Pro-Israel-Demonstration unter dem Motto: "Solidarität mit Israel und allen Juden weltweit". Dort waren demnach rund 75 Menschen beteiligt.

Keine Störungen in Hildesheim

In Hildesheim fand am Sonnabendnachmittag auf dem Angoulêmeplatz eine genehmigte Versammlung mit dem Thema "Krieg in Israel" statt. Nach Angaben der Polizei nahmen rund 130 Personen daran teil. Die Vorschriften in Bezug auf die Corona-Pandemie seien überwiegend eingehalten worden, hieß es. Nur vereinzelt hätten die Beamtinnen und Beamten auf die Mund-Nasen-Bedeckung und auf die Abstandsregelung hinweisen müssen. Grundsätzlich sei die Versammlung aber störungsfrei abgelaufen. Eine weitere Demonstration gab es in Oldenburg.

Demo in Göttingen am Freitag

Bereits in den vergangenen Tagen war es in Niedersachsen wiederholt zu Protesten gekommen. Am Freitag gingen in Göttingen rund 550 Menschen bei einer pro-palästinensischen Demo auf die Straße. Dabei blieb es friedlich. Antisemitische Parolen waren nicht zu hören. Das pro-israelische Göttinger Bündnis "Jachad" hatte zuvor den Organisatoren anti-israelische Hetze vorgeworfen, da die Raketenangriffe der Hamas nicht erwähnt würden.

Fenster mit Israel-Flagge eingeworfen

In Hannover beteiligten sich am Mittwoch mehr als 500 Menschen an einer Anti-Israel-Demonstration. Dabei kam es laut Polizei "zu konkreten Feindseligkeiten" sowie Corona-Verstößen. Die Versammlung wurde nach etwas mehr als einer Stunde aufgelöst. In Sarstedt (Landkreis Hildesheim) ermittelt der Staatsschutz nach einem Vorfall: Unbekannte warfen dort am Donnerstagabend ein Fenster eines Mehrfamilienhaus ein, in dem eine israelische Nationalflagge aufgehängt war.

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Ditib: Hass "hat keinen Platz in unseren Reihen"

Der türkische Moscheeverband Ditib warnte vor Antisemitismus und religiös motiviertem Hass: "Mit großer Besorgnis beobachten wir, dass Menschen jüdischen Glaubens und Synagogen Ziele von Angriffen werden", sagte die Geschäftsführerin des Ditib-Landesverbandes Niedersachsen und Bremen, Emine Oguz. "Antisemitismus und jegliche gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit hat keinen Platz in unseren Reihen, alles andere würde nicht unseren Glaubensverständnis entsprechen." Die Gesellschaft müsse zusammenhalten und zeigen, dass Hass keine Religion hat.

Wilmer: "Gegen Judenhass aufstehen"

Auch der Hildesheimer katholische Bischof Heiner Wilmer verurteilte Angriffe auf Synagogen und jüdische Einrichtungen in Deutschland scharf. "Wir müssen gegen den Judenhass aufstehen, für Antisemitismus ist in Deutschland kein Platz", sagte Wilmer in einer Predigt in der Neustädter Hof- und Stadtkirche St. Johannis in Hannover am Sonnabend. Die Tatsache, dass Juden in Deutschland größere Angst hätten als in der Vergangenheit, erfülle ihn mit Grauen.

Polizei verstärkt Schutz jüdischer Einrichtungen

Innenminister Boris Pistorius (SPD) hat jüdischen Gemeinden Schutz vor antisemitischen Übergriffen zugesagt. Polizei und Sicherheitsbehörden seien zu höchster Wachsamkeit aufgerufen. "Sollte es zu Übergriffen kommen, werden wir diese mit aller Konsequenz verfolgen", sagte Pistorius am Mittwoch.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 15.05.2021 | 09:00 Uhr

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