Stand: 03.06.2019 10:48 Uhr  - NDR 1 Niedersachsen

Nahles-Rücktritt: Weil hat "keine Ambitionen"

Bild vergrößern
Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil will nicht Nachfolger von Andrea Nahles auf dem SPD-Chefsessel werden. (Archiv)

Nach der Rücktrittsankündigung von SPD-Chefin Andrea Nahles hat Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil einen Wechsel nach Berlin erneut ausgeschlossen. "Ich bin und bleibe furchtbar gerne Ministerpräsident aus Niedersachsen und habe keine anderen Ambitionen", sagte Weil am Sonntag dem NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen. Der 60-Jährige war zuvor unter anderem als möglicher Nachfolger von Nahles als SPD-Parteivorsitzender gehandelt worden. Auch Vizekanzler Olaf Scholz hat inzwischen abgewunken. Kommissarisch sollen die Sozialdemokraten von einem Trio geführt werden, wie am Montag bekannt wurde. Zu der Dreierspitze gehören die Ministerpräsidentinnen von Mecklenburg-Vorpommern und Rheinland-Pfalz, Manuela Schwesig und Malu Dreyer, sowie Hessens SPD-Chef Thorsten Schäfer-Gümbel vor, wie die Deutsche Presse-Agentur aus Parteikreisen erfuhr.

SPD und CDU in der Krise: Die Fragen der Wähler

Hallo Niedersachsen -

Der Rücktritt der SPD-Chefin Nahles sorgt auch in Niedersachsen für Gesprächsstoff. Auch die CDU fürchtet um ihren Ruf als Volkspartei. Und nun? Die Wähler wollen Antworten.

5 bei 3 Bewertungen

Mit von 5 Sternen

bewerten

Vielen Dank.

schließen

Sie haben bereits abgestimmt.

schließen

"Personaldebatten alleine werden der SPD kaum helfen"

Der Verlauf der vergangenen Woche habe ihn bestätigt, sagte Ministerpräsident Weil am Sonntag dem NDR. Es sei in der Partei nach einem "miserablen Wahlergebnis" bei der Europawahl wieder einmal nur über Personen diskutiert worden, statt über Wege, wie man aus dieser Talsohle herauskomme. "Personaldebatten alleine werden der SPD kaum helfen, sondern wir werden uns grundsätzlicher fragen müssen, was wir anders machen wollen", sagte Weil.

Links
Link
NDR Info

SPD-Chefin Nahles tritt zurück

NDR Info

SPD-Chefin Nahles hat angekündigt, ihre Posten als Partei- und Fraktionschefin aufzugeben. Das schlechte Abschneiden der SPD bei den jüngsten Wahlen hatte ihr viel Kritik eingebracht. Mehr bei tagesschau.de extern

Weil lobt Nahles für Einsatz und Engagement

In einer Stellungnahme, die am Sonntagnachmittag veröffentlicht wurde, hatte Weil zuvor den Einsatz und das Engagement der scheidenden Parteivorsitzenden Andrea Nahles gelobt und war ihr zur Seite gesprungen. "Dass (zugleich) der Zuspruch für die SPD bei den unterschiedlichen Wahlen in den letzten Monaten enttäuschend gewesen ist, ist von der gesamten politischen Führung der SPD zu vertreten und keineswegs allein von der Partei- und Fraktionsvorsitzenden", so Weil. Grundlage von Personalentscheidungen seien politisch-inhaltliche Klärungen. Andrea Nahles mache durch ihren Rücktritt den Weg dafür frei - "es ist nun an der SPD insgesamt zu beweisen, dass sie aus Fehlern zu lernen vermag", so Weil weiter.

Gabriel fordert "ehrliches Interesse an Menschen"

Zuvor hatte sich bereits Ex-SPD-Chef Sigmar Gabriel zu Wort gemeldet und eine "Entgiftung" der SPD gefordert. "Solange die SPD sich nur mit sich selbst beschäftigt, solange es nur um das Durchsetzen oder Verhindern von innerparteilichen Machtpositionen geht, werden die Menschen sich weiter von uns abwenden", sagte er der "Hannoverschen Allgemeinen Zeitung" (HAZ). Auch künftig dürfe in der Partei hart über inhaltliche Differenzen gestritten werden, sagte Gabriel, der in seiner Zeit häufig mit Nahles über Kreuz lag. Nötig sei aber ein ehrliches Interesse an Menschen und ein freundlicher und solidarischer Umgang "nach innen und außen". Der Politiker aus Goslar hatte vor kurzem seinen Rückzug aus dem Bundestag angekündigt.

Videos
06:20
Hallo Niedersachsen

Weil zu Nahles-Rückzug: "Habe keine Ambitionen"

Hallo Niedersachsen

Übernimmt nach dem Rücktritt von SPD-Parteichefin Andrea Nahles nun Stephan Weil das Ruder? Niedersachsens Ministerpräsident verneint - und spricht von einer "schrecklichen Woche". Video (06:20 min)

Modder: Rücktritt von Nahles "logischer Schritt"

Die Vorsitzende der SPD-Fraktion im Niedersächsischen Landtag, Johanne Modder, bezeichnete den Rücktritt von Nahles als "logischen Schritt". Für die SPD könne das ein Befreiungsschlag sein, sagte Modder NDR 1 Niedersachsen am Sonntag. Das alles habe sich bereits seit Freitag abgezeichnet. Der Bundes-SPD rät Modder bei Neuwahlen nicht zur Eile. Die weiteren Schritte müssten jetzt gut überlegt werden, denn die Parteiprobleme gingen weit über das Personal hinaus, so Modder weiter.

Abgeordnete de Ridder will eine Doppelspitze

Daniela de Ridder, Bundestagsabgeordnete aus der Grafschaft Bentheim, hält eine Doppelspitze in Partei und Fraktion für einen Lösungsansatz. So könne die Arbeit auf mehreren Schultern verteilt und ein Zeichen für Gleichberechtigung gesetzt werden. Die neue Doppelspitze müsse mit mehr Gelassenheit und Souveränität die Kernkompetenzen der SPD betonen, so de Ridder. Eine Partei, die so viel streite, wirke nicht symphatisch.

"Rückhalt nicht mehr da"

Nahles hatte am Sonntag nach etwas über einem Jahr als Parteichefin der SPD ihren Rücktritt für Montag angekündigt. Nach Angaben einer Fraktionssprecherin wird Nahles auch ihr Bundestagsmandat niederlegen und sich komplett aus der Politik verabschieden. "Die Diskussion in der Fraktion und die vielen Rückmeldungen aus der Partei haben mir gezeigt, dass der zur Ausübung meiner Ämter notwendige Rückhalt nicht mehr da ist", teilte sie in einem Schreiben an die SPD-Mitglieder mit. Sie wolle mit ihrem Rücktritt die Möglichkeit eröffnen, dass in beiden Funktionen in geordneter Weise die Nachfolge geregelt werden könne. Sie hoffe, dass es den Sozialdemokraten gelinge, "Vertrauen und gegenseitigen Respekt wieder zu stärken".

Weitere Informationen
NDR Info

SPD-Doppelspitze: Viele Nord-Politiker sind dafür

NDR Info

Nach der Entscheidung der SPD für eine Übergangslösung mit einem Führungstrio debattiert die Partei über eine zukünftige Doppelspitze. Viele Politiker aus dem Norden sind dafür. mehr

Nahles-Rücktritt: "Hoffnung auf Neuanfang"

Nach tagelangem Machtkampf will die SPD-Partei- und Fraktionschefin Andrea Nahles zurücktreten. Ralf Stegner zollt Nahles Respekt, Serpil Midyatli hofft auf einen Neuanfang. (02.06.2029) mehr

SPD: Saathoff kritisiert Nahles' Vertrauensfrage

Johann Saathoff, Vorsitzender der SPD-Landesgruppe Niedersachsen im Bundestag, kritisiert SPD-Chefin Andrea Nahles. Er hält eine Abstimmung über den Fraktionsvorsitz für unnötig. (29.05.2019) mehr

Gabriel kandidiert nicht mehr für den Bundestag

Der frühere SPD-Bundesvorsitzende Sigmar Gabriel will sich aus der Berliner Politik zurückziehen. Bei der Bundestagswahl 2021 will der 59-Jährige aus Goslar nicht mehr antreten. (26.05.2019) mehr

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 03.06.2019 | 11:00 Uhr

Mehr Nachrichten aus Niedersachsen

02:02
Hallo Niedersachsen
02:30
Hallo Niedersachsen
02:16
Hallo Niedersachsen