Ein Landwirt erntet Kartoffeln auf einem staubtrockenen Feld. © dpa - Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte

Nach den Dürre-Jahren: Was erwartet Niedersachsen 2021?

Stand: 07.06.2021 22:12 Uhr

Die Dürre in den Jahren 2018 und 2019 habe Milliardenschäden in vielen Sektoren verursacht, sagt Experte Andreas Marx. Doch was muss passieren, damit sich die Situation verbessert?

"Das meiste Wasser verdunstet", sagte der Wissenschaftler vom Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung gegenüber NDR.de. Die Niederschlagsmengen im April und Mai dieses Jahres seien zwar durchschnittlich gewesen, es sei durch die niedrigen Temperaturen aber viel weniger Wasser verdunstet. Dadurch habe sich die Gesamtsituation entspannt, die oberen 60 bis 100 Zentimeter der Böden seien nun ordentlich mit Wasser versorgt. "Für einjährige Kulturen wie in der Landwirtschaft sollte es in diesem Jahr voraussichtlich deshalb kein Problem geben", so der Experte. Im vergangenen Jahr hatte die niedersächsische Landwirtschaftskammer noch eine durchwachsene Erntebilanz gezogen. "Unter diesem ersten Meter des Bodens kann es aber immer noch knochentrocken sein", so Marx. Die Situation im Wald sei daher noch immer nicht optimal. Laut Niedersächsischen Landesforsten waren im vergangenen Jahr besonders Fichten und Buchen im Land gefährdet.

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"Wie ein Schwamm unter einem Wasserhahn"

Wenn es um die Grundwasserstände geht, sollte man sich laut Marx einen Schwamm unter einem Wasserhahn vorstellen: "Der Boden muss erst so nass sein, dass unten etwas durchkommt." Für die Trinkwasserversorgung sieht der Experte aber keine Gefahr, da sie sich aus einer Mischung von Grundwasser, Uferfiltrat und Talsperren zusammensetze und in der Regel eine gute Vernetzung über Fernwasserleitungen bestehe. Nur in einigen Brunnendörfern in ländlichen Regionen habe es in den Dürre-Jahren 2018 und 2019 Probleme gegeben, so dass mit Tankwagen gearbeitet werden musste. Marx hofft, dass sich der Grundwasserspiegel in fünf Jahren wieder normalisiert haben wird.

"Wer darf wann wie viel Wasser nutzen?"

In 50 Jahren sei dann die durch den Klimawandel zu erwartende Hitze im Sommer wegen der Verdunstung des Wassers das größte Problem, die Jahresniederschläge würden insgesamt eher steigen, allerdings vor allem im Winter. "Man muss dann Wasser vernünftig managen, um Niederschläge aus dem Winter für den Sommer zu verwenden", so Marx. Dabei gebe es nicht die eine Lösung, die überall funktioniert. Schon jetzt habe jedes Bundesland eigene Anpassungsstrategien. Es bleibe allerdings das Problem, dass der Wasserbedarf im Sommer steigt. Hier gebe es einen politischen Regulationsbedarf, so Marx: "Wie geht man in Mangelsituationen mit Wasser um? Wer darf wann wie viel Wasser nutzen?" Eine der Fragen, für die in Zukunft eine Lösung gefunden werden muss.

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