Stand: 09.10.2017 13:44 Uhr

Nach Fipronil-Skandal: Höfe noch gesperrt

Vor gut zwei Monaten wurde das Insektengift Fipronil in Eiern aus Niedersachsens nachgewiesen. Und noch immer sind die fünf betroffenen Höfe in Niedersachsen gesperrt. In den drei Betrieben in der Grafschaft Bentheim wurden nach dem Nachweis zwar 100.000 Hühner getötet. Doch das Fipronil ist hartnäckig: Es habe sich in den Plastiktränken und in Legematten der Hühnerställe festgesetzt, so der Grafschafter Veterinäramtsleiter Hermann Kramer. Außerdem müsse der Mist aus diesen Ställen in Verbrennungsanlagen entsorgt werden - und dafür fehlten die Kapazitäten. Auch das Wasser, mit dem die Betriebe gereinigt werden, sei mit dem Gift belastet.

Austausch mit den Niederlanden

Man wisse nicht, auf welche Art und Weise man den Stoff wieder los werde, sagt Kramer. Erst nachdem Proben zeigen, dass die Fipronil-Belastung unter den Grenzwerten liegt, dürfen die Landwirte wieder Tiere einstallen. Helfen bei der Aufarbeitung soll ein Austausch mit den benachbarten Niederlanden: Dort sind laut Kramer rund 200 Betriebe vom Fipronil-Skandal betroffen. Auch sie suchen nach Lösungen. In der Grafschaft Bentheim ist ab heute eine EU-Arbeitsgruppe zu Gast: die Fachleute wollen sich ein Bild von der aktuellen Lage machen und das Fipronil-Krisenmanagement diskutieren.

Entsorgung der Eier kostet 17.000 Euro

Einer der betroffenen Landwirte in der Grafschaft Bentheim berichtet, dass er weder wisse, wie er seine Ställe reinigen müsse noch sei klar, wer die Entsorgung des Hühnerkots bezahle. Einen Teil des Schadens habe seine Versicherung jedoch beglichen. Eine genaue Höhe des Schadens will der Landwirt nicht nennen. Allerdings habe ihn allein die Entsorgung der Eier rund 17.000 Euro gekostet.

Tiere im Landkreis Leer nicht geschlachtet

Neben den drei Höfen in der Grafschaft sind auch zwei Betriebe in den Landkreisen Leer und Emsland weiterhin gesperrt. Der Hühnerhalter im Landkreis Leer habe seine 27.500 Tiere nicht geschlachtet, so ein Landkreissprecher. Er setze darauf, dass sich das Gift mit der Zeit abbaue. "Die Werte haben sich verringert, schwanken aber und liegen noch über dem zulässigen Höchstwert", sagte der Sprecher. Es könne nicht abgeschätzt werden, wann der Hof wieder frei gegeben werden könne. Auch im Emsland herrsche noch Unklarheit, wann der Betrieb mit 18.200 Tieren wieder freigegeben werden könne, so eine Sprecherin des Landkreises. Auch diese Ställe müssen zunächst Fipronil-frei sein.

Ermittlungsverfahren läuft noch

Die Betriebe sind nach Angaben des Vorsitzenden des Niedersächsischen Geflügelwirtschaftsverbandes, Friedrich-Otto Ripke, zwar versichert. Die Versicherung zahle aber nicht, so lange die Staatsanwaltschaft Oldenburg kein Ermittlungsergebnis vorgelegt habe, sagte er. Gegen die Landwirte läuft ein Ermittlungsverfahren wegen Verstoßes gegen das Lebensmittel- und Futtermittelgesetz. Ergebnisse liegen der Behörde zufolge noch nicht vor, sagte eine Sprecherin. Ripke geht davon aus, dass die Landwirte nicht wussten, dass das verwendete Reinigungsmittel Fipronil enthielt und somit nicht vorsätzlich handelten.

Eier werden weiter überprüft

Finanzielle Hilfe vom Landwirtschaftsministerium bekommen die Landwirte allerdings nicht. Unterdessen überprüft das Ministerium in Hannover weiter Eier auf Rückstände von Fipronil. 474 Proben wurden untersucht - ohne auffällige Ergebnisse. Zudem wurden 57 Proben von Eiprodukten und Lebensmitteln, die Ei enthalten, geprüft. Dabei seien in zwei Fällen Höchstgehaltsüberschreitungen festgestellt worden. Die Produkte wurden entsorgt.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Osnabrück | 09.10.2017 | 12:00 Uhr

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