Corona-Impfstoff des Herstellers AstraZeneca steht in Kartons in einem Kühlschrank. © picture alliance / empics Foto: Yui Mok

Nach Entwarnung: Impfungen mit AstraZeneca starten wieder

Stand: 19.03.2021 17:05 Uhr

Nach der Empfehlung der Europäischen Arzneimittelbehörde (EMA) laufen die Impfungen mit dem Vakzin von AstraZeneca in Niedersachsen wieder an.

"Wir haben die Kommunen heute Früh angewiesen, ab sofort wieder mit den Impfungen mit AstraZeneca zu beginnen", sagte Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniela Behrens (SPD) laut einer von ihrem Ministerium veröffentlichten Mitteilung am Freitag. Die schnelle Entscheidung der EMA und der Gesundheitsministerkonferenz sei gut und wichtig gewesen. "Ich setze auf diesen Impfstoff. Ich habe keinen Zweifel an seiner Qualität. Und ich weiß, dass AstraZeneca unbedingt wichtig ist, um in den nächsten Wochen und Monaten viele Menschen in Niedersachsen und Deutschland zu impfen“, betonte Behrens.

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Eine Mitarbeiterin hält im Impfzentrum eine Spritze mit dem Corona-Impfstoff von AstraZeneca in den Händen. © picture alliance/dpa Foto: Sven Hoppe

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Ausgefallene Termine sollen bald nachgeholt werden

Rund 11.000 Termine hätten seit dem am Montag verhängten Impfstopp mit der Vakzine von AstraZeneca nicht stattgefunden. Alle ausgefallenen Termine von Montagnachmittag (15. März) bis einschließlich Sonntag (21. März) würden in der Woche nach Ostern nachgeholt, hieß es. Laut Ministerium sollten die Personen ab Freitag benachrichtigt werden. Sie bekämen automatisch eine neue Terminbestätigung. Wer so eine Benachrichtigung erhalte, aber schon am Freutag oder in den kommenden Tagen geimpft werde, könne diese Mitteilung als gegenstandslos betrachten.

Impfkampagne kann wieder Fahrt aufnehmen

Zur EMA-Entscheidung hatte Behrens sich bereits am Donnerstagabend geäußert: "Ich bin zunächst einmal sehr froh, dass die EMA eine schnelle Überprüfung des AstraZeneca-Vakzins vorgenommen hat und zu dem guten Ergebnis gekommen ist, dass der Impfstoff sicher ist. Das ist extrem wichtig für die Akzeptanz dieses Impfstoffs und für das Vorankommen der Impfkampagne in Niedersachsen und Deutschland", so Behrens. So könne die Impfkampagne schnell wieder Fahrt aufnehmen. Darüber hinaus sei jetzt der Weg geebnet, die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte ab Mitte April mit in die Impfungen einzubinden. Nach dem Beschluss der Gesundheitsministerkonferenz (GMK) beziehungsweise der Umsetzung der EMA-Empfehlungen, werde die Aufklärung über die Wirkweisen des Impfstoffs weiter intensiviert. Dafür erstellt der Bund einen Aufklärungsbogen, der im Rahmen der Aufklärungsgespräche im Impfzentrum zum Einsatz kommen wird.

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Aufklärungsbogen über AstraZeneca-Impfstoff

Nach der Entscheidung der EMA wird in den niedersächsischen Impfzentren ein bundesweit einheitlicher Vordruck verwendet. Download (877 KB)

Ministerpräsident Weil nach EMA-Votum erleichtert

Auch Niedersachsens Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) hatte am Donnerstag erleichtert auf die Empfehlung der EMA reagiert. "Ich bin sehr froh darüber, dass diese Diskussion jetzt vorbei ist", sagte Weil. "Wir brauchen diesen Impfstoff dringend, AstraZeneca ist ein elementarer Teil unseres Impfplans." Da in den kommenden Monaten Hunderttausende Menschen in Niedersachsen mit AstraZeneca geimpft werden sollen, sei ihm ein Stein vom Herzen gefallen, so der SPD-Politiker. "Nichtsdestotrotz werden wir durch diese Episode sicher Zeit verloren haben. Ich hoffe, nicht zu viel."

Kritik an "Verwirrung der letzten Tage"

Weil übte verhalten Kritik an der vorübergehenden Aussetzung der Impfungen wegen ungeklärter Nebenwirkungen. "Ich frage mich, ob die Verwirrung der letzten Tage wirklich notwendig gewesen ist", sagte der Ministerpräsident. "Aber das ist eine müßige Rückwärtsbetrachtung, nach vorne hinaus freue ich mich."

Ärztekammer-Präsidentin hält EMA-Empfehlung für richtig

Auch die Präsidentin der niedersächsischen Ärztekammer, Martina Wenker, zeigte sich erfreut über die eindeutige Empfehlung der EMA. Den angekündigten Warnhinweis vor möglichen seltenen Fällen von Blutgerinnseln begrüßte sie. Wenker sagte, vor der Impfung könnte dann im Arztgespräch geklärt werden, ob bei der betreffenden Person ohnehin ein höheres Thrombose-Risiko besteht. In solchen Fällen könnte der Arzt auch entscheiden, eine Person vorsichtshalber nicht mit AstraZeneca zu impfen.

EMA: Nutzen von AstraZeneca überwiegt

Die EMA hat den Impfstoff von AstraZeneca am Donnerstag nach einer Sondersitzung für sicher erklärt. Es sei keine Verbindung der Impfung mit der Erhöhung des Risikos von seltenen Blutgerinnseln bei Menschen festgestellt worden, erklärte EMA-Direktorin Emer Cooke. Allerdings habe eine Verbindung mit bestimmten Fällen auch nicht definitiv ausgeschlossen werden können. Insgesamt überwiege aber der Nutzen des Präparates die Risiken, so Cooke. Mehrere europäische Länder hatten die Corona-Impfungen mit AstraZeneca nach Meldungen von Blutgerinnseln ausgesetzt. In Deutschland war dieser Schritt am Montag erfolgt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 18.03.2021 | 19:00 Uhr

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