Ein Aktenstapel im Landgericht Braunschweig. © dpa Bildfunk Foto: Peter Steffen

Mord vor zehn Jahren: 48-Jähriger streitet alles ab

Stand: 23.07.2021 15:15 Uhr

Nach dem gewaltsamen Tod eines 42-Jährigen in Helmstedt im Dezember 2011 hat der mutmaßliche Täter vor dem Braunschweiger Landgericht alle Vorwürfe zurückgewiesen.

Der 48-Jährige habe die Tat zum Prozessauftakt abgestritten, sagte ein Sprecher des Landgerichts am Freitag. Schon kurz nach der Tat war der Verdächtige in den Fokus der Ermittler geraten Ausreichende Beweise ergaben sich damals aber nicht, das Verfahren wurde eingestellt. Bei einer erneuten Befragung im Dezember 2020 soll er widersprüchliche Angaben gemacht und Täterwissen preisgegeben haben. Unter anderen habe er zugegeben, in der Wohnung des Opfers gewesen zu sein. Diese Angaben habe er nun zurückgenommen, sagte der Sprecher.

Anklage wegen heimtückischen Mordes aus Habgier

Dem Angeklagten wird vorgeworfen, im Dezember 2011 in Helmstedt einen Bekannten heimtückisch und aus Habgier ermordet zu haben. Der 48-Jährige soll am Tattag mit einem Messer zur Wohnung des 42-Jährigen gegangen zu sein. Als dieser die Haustür öffnete, soll der mutmaßliche Täter zugestochen und dabei die Halsschlagader des Opfers verletzt haben. Mit der EC-Karte des Opfers und 100 Euro soll der Angeklagte den Tatort verlassen haben. Der Tote wurde zwei Tage später in der Wohnung gefunden. Der Staatsanwaltschaft zufolge gehörten beide Männer zu einem größeren Bekanntenkreis, in dem einige starke Alkoholprobleme hatten.

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Der Angeklagte wurde mehrfach als Zeuge vernommen

In den Folgejahren wurde der 48-Jährige mehrmals als Zeuge vernommen. Untersuchungen des Landeskriminalamts ergaben Anhaltspunkte für eine Neubewertung, die Braunschweiger Polizei bildete daher im September 2020 eine Mordkommission. Bei einer erneuten Befragung im Dezember seien dem Angeklagte "Sachen rausgerutscht, die ihn nach unserer Überzeugung überführt haben", sagte Staatsanwalt Hans Christian Wolters im Vorfeld des Prozesses. Die widersprüchlichen Aussagen sowie ein Abdruck eines Sportschuhs im Blut des Opfers ließen die Strafverfolger zur Überzeugung kommen, doch noch den Täter gefunden zu haben. Seit Januar sitzt der Mann in Untersuchungshaft. Bis Mitte Oktober sind sieben Verhandlungstage eingeplant.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Braunschweig | 23.07.2021 | 06:30 Uhr

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