Stand: 16.11.2018 17:30 Uhr

Missbrauchsskandal: Bistümer wollen Akten vorlegen

Die katholischen Bistümer in Niedersachsen wollen sich umfassend an der juristischen Aufarbeitung von Missbrauchsfällen beteiligen. Das ist das Ergebnis eines Treffens zwischen Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza (CDU) und Kirchenvertretern am Freitag. Havliza lobte die konstruktive Atmosphäre des Gesprächs. Die Vertreter der katholischen Bistümer hätten zugesichert, eng mit den Staatsanwaltschaften im Land zusammenzuarbeiten. Alle Akten, die die Ermittlungsbehörden benötigten, würden die Bistümer vorlegen, sagte die CDU-Politikerin. Auf Grundlage der jüngsten Missbrauchsstudie seien in Niedersachsen derzeit acht Ermittlungsverfahren eingeleitet worden, hieß es. "Ich bin froh, dass die Staatsanwaltschaften nunmehr ihre Ermittlungsarbeit voranbringen können", sagte Havliza.

Bischof Wilmer schlägt unabhängige Kommission vor

Der Hildesheimer Bischof Heiner Wilmer betonte, die Kirchen würden sich bei entsprechenden Verdachtsmomenten an die Behörden wenden. Bischof Wilmer schlug in dem Gespräch die Gründung einer unabhängigen Kommission vor, die auch alte Missbrauchsfälle noch einmal untersuchen könnte. Die Mitglieder dieser Kommission sollten von der Justizministerin und den Staatsanwaltschaften benannt werden und ausdrücklich nicht von den Bistümern, so Wilmer. Es müsse Schluss sein mit einer kirchlichen Binnenkultur.

Zusammenarbeit in der Prävention

In der Präventionsarbeit wollen das Land und die Bistümer zudem enger zusammenarbeiten. So sei an eine neue Arbeitsgruppe beim Landespräventionsrat gedacht, in der Schutzkonzepte für Kinder und Jugendliche erarbeitet werden sollen. Die Kirchen haben zugesagt, das Projekt zu unterstützen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 16.11.2018 | 16:00 Uhr

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