Puten stehen in einem Aufzuchtbetrieb. © picture alliance/ZB/Bernd Settnik Foto: Bernd Settnik

Ministerin zu Vogelgrippe: Niedersachsens "trauriger Rekord"

Stand: 22.03.2021 19:38 Uhr

Die Vogelgrippe breitet sich weiter in Niedersachsen aus. Die niedersächsische Agrarministerin Barbara Otte-Kinast (CDU) spricht von einem "traurigen Rekord".

Rund eine Million Tiere seien bislang von der Geflügelpest betroffen. Das hat das Ministerium am Montag mitgeteilt. Demnach sind 64 Ausbrüche dokumentiert. Allein im Landkreis Cloppenburg sind in 34 Putenmast-, drei Entenmast- und einem Hähnchenmastbetrieb erkrankte Tiere festgestellt worden. Der Landkreis ist damit besonders stark betroffen. Wie NDR 1 Niedersachsen berichtet, hatten bereits beim Seuchengeschehen 2016/17 mehr als eine Million Tiere gekeult werden müssen, darunter allein eine halbe Million Küken, die nicht verkauft werden konnten. Wörtlich kann der "traurige Rekord" demnach nicht genommen werden.

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Ministerium hält weitere Ausbrüche für wahrscheinlich

Der vorherrschende Virustyp sei besonders ansteckend und verbreite sich auch über Wildvogel-Populationen. In den kommenden Wochen müsse daher mit Ausbrüchen in weiteren Ställen gerechnet werden, heißt es vom Ministerium. "Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in den Laboren arbeiten Tag und Nacht, um die Proben zu untersuchen. Die Task Force Veterinärwesen koordiniert die Bekämpfungsmaßnahmen", so Otte-Kinast. Im Lebensmittel- und Veterinärinstitut Oldenburg des Niedersächsischen Landesamtes für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit sind bereits mehr als 17.000 Proben untersucht worden.

Hintergrund: Geflügelpest und Vogelgrippe

Vogelgrippe-Viren können in zwei Formen bei Hausgeflügel und Wildvögeln auftreten: als gering krankmachende Form (niedrigpathogen) oder stark krankmachende Form (hochpathogen). Wenn sich die hochpathogene Form, die meist zum Tod der Vögel führt, wie eine Seuche ausbreitet, sprechen Experten von Geflügelpest.

Hochpathogene Influenzaviren sind zum Beispiel die Subtypen H5N1, H5N5 und H5N8. Bislang sind keine Fälle bekannt, dass sich Menschen mit H5N8 angesteckt haben. Das Risiko wird als sehr gering eingeschätzt. H5N5 ist ein Mischvirus, das sich durch die Vermengung von H5N8-Viren mit anderen H5-Stämmen bildet. Der Subtyp H5N1 gilt als besonders aggressiv und ist auch auf den Menschen übertragbar.

Zigtausende Tiere gekeult

Seit November vergangenen Jahres breitet sich die Geflügelpest immer weiter in Niedersachsen aus. Zigtausende Tiere mussten gekeult werden. In einigen Gebieten gelten Wiederaufstallungsverbote und Stallpflicht. Außerdem muss schlachtreifes Geflügel so früh wie möglich geschlachtet werden. Von einer Übertragung auf den Menschen ist laut Ministerium bislang nichts bekannt.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Regional Oldenburg | 22.03.2021 | 16:30 Uhr

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