Silvia Breher (CDU) © picture alliance Foto: dpa/Christophe Gateau

Merkels Nachfolger? "Das ist eine ganz, ganz andere Wahl"

Stand: 14.01.2021 06:30 Uhr

Silvia Breher ist Chefin des CDU-Landesverbandes Oldenburg und stellvertretende Bundeschefin. Die 47-Jährige moderiert den ersten digitalen Parteitag der CDU. Die spannende Frage: Wer wird neuer Vorsitzender ihrer Partei?

Auf dem Parteitag am kommenden Wochenende bewerben sich der ehemalige Fraktionsvorsitzende der Union, Friedrich Merz, der CDU-Außenpolitiker und ehemalige Umweltminister Norbert Röttgen und der Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, um die Nachfolge von Angela Merkel als Parteichefin.

Frau Breher, wie ist Ihre Einschätzung: Wer wird das Rennen machen?

Silvia Breher (lacht): Das kann ich ihnen nicht sagen. Wir haben drei sehr starke Kandidaten, jeder hat ein Lager von Unterstützern und wie es am Ende ausgeht - ich kann es Ihnen nicht sagen, ich weiß es nicht. Jeder hat andere Stärken mit unterschiedlichen Schwerpunkten, aber alle drei sind in der Lage, diesen Job zu machen, und ich glaube, deswegen ist die Entscheidung auch sehr spannend am Sonnabend.

Welche Themen finden sie denn so wichtig, dass die CDU sie setzt für Niedersachsen?

Breher: Wir arbeiten ja sowieso schon am Wahlprogramm für das Superwahljahr und die Themen liegen auf der Hand. Wir sind mitten in einer Pandemie und der Bekämpfung der Pandemie. Die Folgen daraus werden das ganze Land betreffen und darauf wollen wir als Partei Antworten geben. Es geht um den Wirtschaftsstandort Deutschland zum einen Raus aus der Corona Pandemie, den Strukturwandel meistern. Es geht darum, die Zukunft zu gestalten. Stichwort Klimaschutz aber auch der Technologiewandel haben Auswirkungen auf viele Bereiche in unserer Industrie, auf unseren Arbeitsalltag und für den Wohlstand in unserem Land.

Wird es etwas geben, wofür Sie sich besonders einsetzen wollen, wenn Sie als stellvertretende Bundesvorsitzende wiedergewählt werden?

Breher: Meine Themen liegen mir persönlich sehr nahe und das hat sich im vergangenen Jahr auch nicht wirklich verändert. Ich komme aus dem ländlichen Raum und wer mich kennt, der weiß, dass der ländliche Raum und die Herausforderungen für die Landwirtschaft ein Teil meiner DNA sind. Ich möchte mich dafür einsetzen, dass die Landwirtschaft - Agrarland Nummer eins ist Niedersachsen - eine Stimme an der Spitze der CDU hat, damit wir auch in Zukunft die Partei sind, auf die sich die Landwirte verlassen können. Als Mutter von drei Kindern habe ich die Pandemie natürlich auch erlebt und sehe was in unserem Bildungsföderalismus alles noch nicht funktioniert - Stichwort 'E-Schooling' in Niedersachsen. Und auch das Thema Familienpolitik ist in unserer Partei fest verankert, darf wieder stärker an Gewicht gewinnen. Wir haben vieles in der Fraktion erreicht in den vergangenen Jahren, aber es geht eben auch darum, dass in die Zukunft zu tragen und der Familie eine starke Stimme zu verleihen.

Als sie vor einem Jahr zur stellvertretenden Bundesvorsitzenden gewählt wurden, da wollte Annegret Kramp-Karrenbauer zusammen mit ihnen die CDU wieder attraktiver für Frauen machen. Was ist ihnen gelungen, wie sieht ihre Bilanz aus und was wollen sie erreichen?

Breher: Die Struktur- und Satzungskommission hat einen guten Vorschlag vorgelegt über den wir auf diesem digitalen Parteitag leider nicht abstimmen werden. Das hindert uns nicht, heute schon daran zu arbeiten, mehr Frauen aufzustellen. Tatsächlich ist es jetzt unsere Aufgabe, auch in diesem Wahlkampfjahr dafür zu sorgen, dass mehr Frauen gewählt werden und in politische Ämter kommen.

Dieser Parteitag wird ja vollkommen neue Wege gehen. Er wird komplett digital sein. Sie werden vor Ort den Parteitag mit moderieren, wie bereiten Sie sich darauf vor?

Breher: Wir haben in Anbetracht der pandemischen Lage entschieden, diesen Parteitag komplett digital zu machen mit einer digitalen Wahl und anschließenden Briefwahl. Das ist aber natürlich auch wirklich eine Herausforderung. Ich freue mich sehr über dieses Format. Das ist hochprofessionell vorbereitet.

Das digitale Format stellt Sie vor große Herausforderungen aber natürlich auch alle Delegierten, die nicht vor Ort sind. Wird das ihrer Ansicht nach auch Einfluss auf die Wahlentscheidung haben?

Breher: Also für die Delegierten und auch für die Kandidaten ist das natürlich eine ganz, ganz andere Wahl, weil die Delegierten alleine zu Hause sitzen und nicht von einer Stimmung in der Halle beeinflusst werden , und es diese Stimmung hier im Studio nicht gibt. Ich glaube, dass die Entscheidung dadurch vielleicht auch ein stückweit unbeeinflusster und auch ehrlicher ist, weil jeder Delegierte tatsächlich für sich alleine entscheidet.

Das Interview führte Katharina Seiler, NDR Hauptstadtstudio.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Aktuell | 14.01.2021 | 12:00 Uhr

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