Stand: 08.12.2019 18:00 Uhr

Mehr als 60 Cyber-Attacken in Niedersachsen

von Angelika Henkel

In Niedersachsen hat es in diesem Jahr mindestens 62 Cyber-Angriffe gegeben. Betroffen waren öffentliche Verwaltungen, Krankenhäuser und Unternehmen. Das geht aus Zahlen der Landesbeauftragen für Datenschutz hervor, die dem NDR Regionalmagazin Hallo Niedersachsen vorliegen. Dort müssen Hackerattacken gemeldet werden. Allerdings dürfte es viele Attacken gegeben haben, die nicht verzeichnet wurden.

VIDEO: Cybercrime: 95 Tage "Emotet" in Neustadt (2 Min)

Attacke auf Neustadt am Rübenberge

Besonders gefährlich ist derzeit eine Schadsoftware mit dem Namen "Emotet". Allein mit ihr gab es 38 Cyber-Attacken. Wie perfide der Angriff aus den Tiefen des Internets ist, muss derzeit Neustadt am Rübenberge (Region Hannover) feststellen. "Es gibt Daten, die sind verschlüsselt, an die wir teilweise gar nicht wieder rankommen", sagte Bürgermeister Dominic Herbst (Grüne) dem NDR.

Kurz vor dem Cyber-Angriff am 5. September hatte das Bauamt zahlreiche Baupläne digitalisiert - nun sind die Daten so verschlüsselt, dass die Kommune auf die Hilfe privater Unternehmen angewiesen ist, um sie wiederherzustellen. Doch solche Firmen sind derzeit sehr gefragt.

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Traukalender für 2020 nicht verfügbar

Auch das Standesamt in Neustadt kämpft gegen die Auswirkungen: "Emotet" drang unbemerkt tief in das Computersystem der Stadt ein: Jetzt fehlt noch immer der Kalender mit den Hochzeitsterminen für 2020. Wer bereits eine Verabredung zur Eheschließung hatte, sollte sich unbedingt bei der Gemeinde melden. Sonst könnte es am Tag selbst die unangenehme Überraschung geben, dass der Standesbeamte nichts von dem Termin weiß.

Noch ist nicht abzusehen, wie viel Geld die Kommune am Ende für die Reparaturen des Computersystems zahlen muss. Bisher seien Kosten von einer Million Euro entstanden, sagte der Bürgermeister im NDR Interview.

Hacker fordern Lösegeld

Daten gegen Bitcoins - das ist das kriminelle Konzept, das hinter "Emotet" steht. Die Lösegeldforderung kann in die Hunderttausende gehen. Unbekannt ist, wie viele Betroffene sich erpressen lassen, denn der Verlust aller digitalen Daten kann für Unternehmer den Ruin bedeuten. Allerdings ist auch nicht gesichert, ob nach einer Zahlung tatsächlich alle Daten wiederhergestellt werden.

Mehr Spezialisten gefordert

Frank Bornemann, Vorsitzender des niedersächsischen Richterbundes, fordert mehr spezialisierte Juristen in den Schwerpunkt-Staatsanwaltschaften im Land. Diese gibt es in Osnabrück, Göttingen und Verden. Dort arbeiten insgesamt zehn Staatsanwältinnen und Staatsanwälte. Bornemann fordert, sie um das Doppelte aufzustocken. Sie ermitteln gemeinsam mit den Experten der Polizei zu diversen Delikten schwerer Internetkriminalität. Das reicht von Kriminalität im Darknet, Betrug bei Online-Banking bis hin zu den Versuchen, die Hintermänner von "Emotet" zu finden. Bornemann argumentiert, beim sogenannten Cybercrime sei es wie bei der Steuerfahndung: je mehr Ermittler, desto mehr Ergebnisse. "Wie viele Straftaten finden eigentlich in der dunklen Seite des Internets statt? Prostitution, Waffenhandel, Geldfälschung und anderes mehr. Wenn wir da nicht selber reingehen, werden wir es auch nicht erfahren."

Justizministerin: Alle Straftaten müssen abgedeckt werden

Niedersachsens Justizministerin Barbara Havliza (CDU) sieht diese Dringlichkeit nicht: "Es ist nun mal so, dass wir mit dem bestehenden Personal alle Bereiche der Straftaten abdecken müssen - und nicht nur Cybercrime. Aber sie müssen entsprechend ausgebildet werden, damit man jederzeit die Staatsanwaltschaft in diesem Schwerpunkt auch aufstocken könnte, wenn man es denn dringend braucht."

Dieses Thema im Programm:

Hallo Niedersachsen | 08.12.2019 | 19:30 Uhr

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