Stand: 16.12.2018 12:12 Uhr

Mehr Richterstellen, doch wenige wollen den Job

Insgesamt 250 neue Richter und Staatsanwälte will das Land einstellen. Ob es diese auch alle bekommt, ist laut dem Richterbund aber fraglich: Zu wenige würden sich für die Stellen interessieren.

35 neue Stellen für Richter und 24 neue Stellen für Staatsanwälte hat das Land Niedersachsen in diesem Jahr geschaffen. Das teilte das Justizministerium mit. Doch damit nicht genug: Im kommenden Jahr soll die Zahl der Richter um weitere 20.5 Stellen aufgestockt werden, genauso hoch soll die Stärkung der Staatsanwalts-Stellen sein. Insgesamt will Justizministerin Barbara Havliza (CDU) im Laufe der Legislaturperiode rund 250 neue Richter und Staatsanwälte einstellen. Doch es gibt ein Problem: Zu wenige wollen die Berufe auch ausüben. Davon ist der Richterbund überzeugt.

Jurastudenten: lieber in die freie Wirtschaft

Der Vorsitzende des niedersächsischen Richterbundes, Frank Bornemann, hält es für unrealistisch eine so große Zahl an Stellen auf einmal zu besetzen: "Der Arbeitsmarkt für Juristen ist hart umkämpft", sagte Bornemann. Demnach würden es viele Jurastudenten vorziehen, nach einem Bachelor-Abschluss in die Wirtschaft zu gehen, statt ein Referendariat zu absolvieren und das zweite Staatsexamen abzulegen. Nur dieses qualifiziert Juristen, als Richter und Staatsanwälte zu arbeiten. Dazu komme, dass die Richterbesoldung für viele Berufsanfänger nicht attraktiv sei. "Auf die Dauer wird das Land hier etwas ändern müssen", so Bornemann. Ein Richter in Niedersachsen bekommt als Einstiegsgehalt im Schnitt momentan etwas über 4.100 Euro brutto.

200 Justizvollzugsbeamte fehlen

Die Stellen in der Justiz aufzustocken - das ist laut Bornemann allerdings grundsätzlich die richtige Richtung. Der Richterbund selbst hatte den Bedarf auf 250 Stellen beziffert. Doch die Aufstockung betrifft nicht nur Richter und Staatsanwälte. Außerdem finden sich im Haushaltsplan 2019 weitere zusätzliche Stellen für Justizwachtmeister, den mittleren Dienst, für Rechtspfleger und für Amtsanwälte. Die geplanten 31 Stellen für den Justizvollzug hält Uwe Oelkers, Vorsitzender des Verbandes niedersächsischer Strafvollzugsbediensteter, jedoch für eine "Mogelpackung". Ohnehin müsse das Land die in der JVA Bremervörde weggefallenen elf Stellen kompensieren. Insgesamt schätzt Oelkers, dass in den Gefängnissen landesweit 200 Stellen für Justizvollzugsbeamte fehlen.

Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | 16.11.2018 | 07:30 Uhr

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