Maske, Tests und Präsenz: Das neue Schuljahr hat begonnen

Stand: 02.09.2021 20:46 Uhr

Niedersachsens Schüler und Schülerinnen sind in ein weiteres Schuljahr unter Corona gestartet - zwar im Regelbetrieb, aber mit erweiterter Maskenpflicht und vorerst täglicher Coronatest-Pflicht.

"Gerade der Schulstart wird nicht ein normaler Schulstart sein, wie wir ihn aus vergangenen Jahren kennen", hatte Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) am Mittwoch in Hannover gesagt. "Die Pandemie ist nicht weg." Gleichzeitig sollen die Schulen den Schülerinnen und Schülern so viel Normalität wie nur möglich bieten, so Tonne. Die Leitlinie dafür sei: "Maximale Präsenz bei maximaler Sicherheit." So starten die 1,1 Millionen Kinder und Jugendlichen an den allgemeinbildenden und berufsbildenden Schulen in Niedersachsen im Szenario A, dem eingeschränkten Regelbetrieb. Bis Ende kommender Woche müssen sich alle täglich auf eine Corona-Infektion testen. Auch müssen alle Schülerinnen und Schüler in den Gebäuden und im Unterricht eine Maske tragen.

Maske im Unterricht soll viele Quarantäne-Fälle verhindern

Ihm sei klar, dass gerade das Thema Masketragen im Unterricht auch kritisch gesehen werde - insbesondere von den Eltern jüngerer Kinder, sagte Tonne. Es sei eine schwierige Abwägung, in die auch Erfahrungen aus Ländern wie England und anderen Bundesländern eingeflossen seien, in denen die Schule schon früher gestartet ist. Man habe beobachten können, dass die Inzidenz dort nach dem Schulstart in die Höhe gegangen ist. Um in Niedersachsen massenhafte Quarantäne-Anordnungen zu verhindern, wolle man das Sicherheitsnetz gerade zum Schulstart höherziehen, so Tonne. Gäbe es keine Maskenpflicht im Unterricht, sei die Gefahr groß, dass eine ganze Klasse in Quarantäne muss, wenn dort ein positiver Corona-Fall auftritt. In der Abwägung sei daher das Tragen von Masken mit regelmäßigen Tragepausen das mildere Mittel, sagte der Kultusminister. Ziel sei es, insbesondere für jüngere Schüler schnell vom Masketragen wegzukommen, sagte Tonne.

Tägliche Tests an ersten sieben Schultagen

Um infizierte Schülerinnen und Schüler schnell zu erkennen, sind in den ersten sieben Schultagen alle dazu verpflichtet, sich täglich vor dem Schulbesuch zu Hause zu testen. Tonne geht davon aus, dass die Inzidenzwerte dann noch einmal steigen werden. Er betonte aber gleichzeitig, dass dies nicht durch Schule verursacht werde. Durch die flächendeckenden Testungen würden lediglich Fälle aufgedeckt, die sonst möglicherweise unerkannt bleiben würden. Ab dem 13. September sind dann drei Tests pro Woche für alle Schülerinnen und Schüler vorgesehen. Sie sollen immer montags, mittwochs und freitags erfolgen.

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Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) spricht bei einer Pressekonferenz. © dpa-Bildfunk Foto: Julian Stratenschulte
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Kultusminister Tonne zum Schulstart nach den Sommerferien

Die komplette Pressekonferenz im Livemitschnitt - unter anderem geht es um die Maskenpflicht für die Schüler im Land. 58 Min

Lüften trotz Luftfilteranlage nötig

Zusätzlich zu Masken- und Testpflicht gelten an den Schulen auch in diesem Schuljahr wieder die bereits erprobten Hygiene- und Lüftungskonzepte: Alle 20 Minuten soll der Unterrichtsraum für fünf Minuten gelüftet werden. In dieser Zeit könnten die Schülerinnen und Schüler auch ihre Masken abnehmen, sagte Tonne. Zudem stellt das Land Fördergeld für Luftfilteranlagen bereit. Eine landesweite Erhebung über die bereits angeschaffte Anzahl von Luftfiltern gibt es laut Tonne nicht. Er wies darauf hin, dass auch wenn Raumluftfilter installiert sind, weiterhin gelüftet und Masken getragen werden müssen.

Szenario B und C nicht mehr in der Verordnung

Anders als im vergangenen Schuljahr ist kein genereller Wechsel in das Szenario B (Wechselunterricht) oder C (Distanzlernen) ab einem gewissen Infektionsgeschehen vorgesehen. Gleichwohl könnten die örtlichen Gesundheitsämter in besonderen Fällen aber auch mal mehr als nur einzelne Schüler in Quarantäne schicken, sagte Tonne.

Aktionsprogramm soll Schulstart erleichtern

Um die Kinder und Jugendlichen beim Ankommen im neuen Schuljahr zu unterstützen, hat die Landesregierung das Aktionsprogramm "Startklar in die Zukunft" ins Leben gerufen. Sie hätten "einen ganz entscheidenden und sehr solidarischen Beitrag zur Pandemie-Bekämpfung geleistet, indem sie auf vieles verzichtet haben", sagte Tonne. Damit sie nun ohne Druck ins neue Schuljahr starten können, sei für alle Jahrgänge eine Einstiegsphase von in der Regel einer Woche vorgesehen, sagte Tonne. Diese Zeit können die Schulen individuell für Projekte, Ausflüge, Wiederholungsphasen, Sportangebote oder etwa für Gespräche zur Verarbeitung der Pandemie-Zeit nutzen. Die Schulen können dafür auch extra Personal einstellen, wie etwa Hilfskräfte für Projekte, Schulpsychologen und Schulsozialarbeiter. In einem ersten Schritt stünden dazu insgesamt mehr als 70 Millionen Euro zur Verfügung.

Kenntnisstand in Mathe und erster Fremdsprache wird ermittelt

Um den Schülerinnen und Schülern die Zeit zum Ankommen zu geben, dürfen bis zum 24. September keine Arbeiten geschrieben werden, sagte Tonne. Insgesamt sei die Anzahl der Arbeiten in diesem Schuljahr wieder verringert und maximal dürfen pro Woche zwei Arbeiten in einer Klasse geschrieben werden. In Mathe und der ersten Fremdsprache ab der 5. Klasse soll zudem die Lernausgangslage etwa anhand von Gesprächen oder Hausaufgaben ermittelt werden. Ziel ist es laut Tonne, einen Ausgangspunkt für einen weiteren Förderprozess zu erhalten.

Knapp 1.600 von rund 2.000 Lehrstellen besetzt

Für das neue Schuljahr hat das Land laut Tonne bislang knapp 1.600 der 1.996 ausgeschriebenen Lehrstellen besetzen können. In den kommenden Wochen sollen noch weitere Lehrkräfte eingestellt werden, um die noch offenen Stellen zu besetzen.

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Dieses Thema im Programm:

NDR 1 Niedersachsen | Niedersachsen 18.00 | 02.09.2021 | 18:00 Uhr

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